Interaktiver Handel 2012: Erneuter Umsatzrekord E-Commerce-Anteil überspringt die 27 Milliarden Euro-Grenze

- Umsatzsteigerung auf 39,3 Milliarden Euro (+15,6 Prozent)
- Online-Geschäft generiert über 70 Prozent des Branchenumsatzes
- Frauen bleiben der größte Umsatzträger für den multichannel Online- und Versandhandel
- Jeweils drei große Gewinner beim Wachstum der Gesamtumsätze und Online-Umsätze
- Bekleidung ist mit Abstand die umsatzstärkste Warengruppe (10,78 Mrd. Euro)
- Internet-Ausgaben der Deutschen bei über 37 Mrd. Euro (Waren + digitale Güter)
- Kauf auf Rechnung weiterhin wichtigstes Bezahlinstrument, aber digitale Bezahlwege sind weiter auf dem Vormarsch
- Zukunftsperspektive: Geschätztes Branchenwachstum von 10,6 Prozent in 2013 / E-Commerce wächst um 21,3 Prozent

 
Hamburg/Berlin, 12.02.2013. Am heutigen Tag stellt der Bundesverband des Deutschen Versandhandels e.V. (bvh) im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz in Hamburg die Ergebnisse seiner Studie „Interaktiver Handel in Deutschland 2012“ vor.
Die Untersuchung ist im vergangenen Jahr zum siebten Mal vom Bielefelder Forschungsinstitut TNS Infratest im Auftrag des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels e.V. (bvh) durchgeführt worden. Dafür wurden rund 30.000 Privatpersonen aus Deutschland im Alter von über 14 Jahren von Januar bis Dezember 2012 zu ihrem Ausgabeverhalten im multichannel Online- und Versandhandel und zu ihrem Konsum von digitalen Gütern (z.B. im Bereich Downloads oder Ticketing) befragt.
Erstmals weist der bvh in seiner Studie ein übergreifendes Ergebnis der Umsatzzahlen für alle Versender aus, die eine Multichannel-Strategie verfolgen. Zu dieser Rubrik gehören Apothekenversender, Versender mit Heimat im Stationärhandel, Teleleshopping-Versender sowie die klassischen Multichannel-Versender, die im Katalog und Internet beheimatet sind.


Umsatzsteigerung auf 39,3 Milliarden Euro (+15,6 Prozent)
Der Erfolg des Interaktiven Handels, d.h. des multichannel Online- und Versandhandels, ist weiterhin ungeschlagen. Dieser Erfolgstrend wurde im Jahr 2012 durch ein erneutes Rekordwachstum bestätigt. Das Wachstum der Branche gegenüber dem Jahr 2011 war noch weit höher als in den Vorjahren und lag mit 15,6 Prozent erstmals seit Durchführung der Studie über 15 Prozent. Die Branche realisierte einen Gesamtumsatz von 39,3 Milliarden Euro. Auch der Anteil am gesamten Einzelhandel stieg auf den neuen Spitzenwert von 9,2 Prozent (Vorjahr 8,2 Prozent).
 
„Der Interaktive Handel erzielte 2012 erneut einen Rekordumsatz. Die aktuellen Zahlen belegen einmal mehr, dass unsere Branche ein stetiger Wachstumstreiber für den deutschen Handel ist. Neben steigender Kauffrequenz und wachsenden Warenwerten ist es vor allem die zunehmende Zahl an Käufern, die die Basis für dieses phantastische Ergebnis schaffen", so Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bvh.
 
Online-Geschäft generiert über 70 Prozent des Branchenumsatzes

Das Onlinegeschäft machte im Jahr 2012 noch einmal einen gewaltigen Sprung: Allein von 2011 zu 2012 wurde im E-Commerce-Bereich eine Umsatzsteigerung um 5,9 Milliarden Euro auf 27,6 Milliarden Euro realisiert. Das entspricht einem prozentualen Wachstum gegenüber dem Vorjahr von 27,2 Prozent. Damit wurde erstmalig die 27-Milliarden Euro-Grenze beim Umsatz mit Waren überschritten. Bei den Bestellmedien dominiert das Internet. Lag 2011 der Umsatzanteil hier noch bei 63,8 Prozent, sind es 2012 bereits 70,2 Prozent.

„E-Commerce ist für die Konsumenten längst ein alltägliches und sicheres Geschäft. Die prozentuale Zunahme in diesem Segment unterstreicht die Entwicklungen der letzten Jahre und bestätigt die Bedeutung des E-Commerce für den Interaktiven Handel als Wachstumstreiber. Zudem haben sich mit Mobile und Social Media zwei wesentliche Kanäle im E-Commerce-Geschäft etabliert, die diese Entwicklung beschleunigen“, so Thomas Lipke, Präsident des bvh.
 
Frauen bleiben der größte Umsatzträger für den multichannel Online- und Versandhandel
Obwohl die Kundenstruktur beim Kauf im Interaktiven Handel zwischen Frauen und Männern nahezu ausgeglichen ist, repräsentieren Frauen bei der Kundenbetrachtung mit einem Umsatzanteil von über 55 Prozent das starke Versandhandels-Geschlecht. Sie stehen für einen Jahresumsatz von 21,7 Milliarden Euro. Männliche Kunden bringen es auf 17,6 Milliarden Euro. Die Damen generieren zudem die meisten Umsätze durch eindeutig größere Warenkörbe als die Herren.
„Vor allem Versender mit Multichannel-Strategie stehen bei der weiblichen Klientel hoch im Kurs. Kundinnen sorgen bei diesen Versendern für 14,76 Milliarden Euro Umsätze, der männliche Anteil schafft es hier lediglich auf 7,15 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu sind die Internet-Pure-Player mehrheitlich in Männerhand, die hier einen Umsatz von 6,6 Milliarden Euro erzeugen“, so Thomas Lipke.

Jeweils drei große Gewinner beim Wachstum der Gesamtumsätze und Online-Umsätze

Im Jahr 2012 gab es drei Gewinner, die ihre Gesamtumsätze deutlich steigerten. Auf Platz eins rangieren die Internet-Pure-Player. Sie legten 2012 gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent zu, gefolgt von Stationärhändlern, die zusätzlich im Netz oder per Katalog aktiv sind. Diese verzeichneten ein Wachstum von 22 Prozent. Auch die Teleshopping-Versender konnten ihr Geschäft um 7 Prozentpunkte ausbauen.
 
Bei den reinen Online-Umsätzen gab es drei eindeutige Gewinner. Besonders hervorzuheben sind auch hier die Teleshopping-Versender, die gegenüber dem Vorjahr um 57 Prozent zugelegt haben. Es folgen die Internet-Pure-Player, die ein Umsatzwachstum von 42 Prozentpunkten verzeichnet haben. Auch die Stationärhändler konnten ihr Online-Geschäft um 35 Prozentpunkte steigern.
 
Bekleidung ist mit Abstand die umsatzstärkste Warengruppe (10,78 Mrd. Euro)

Der größte Umsatzbringer im Interaktiven Handel war im Jahr 2012 die Warengruppe Bekleidung. Deren Umsatzvolumen lag bei insgesamt 10,78 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Plus von 11 Prozent zum Vorjahr. Platz zwei belegt die Kategorie Unterhaltungselektronik / Elektronikartikel, in der 4,08 Milliarden Euro umgesetzt wurden: ein Plus von 25 Prozent gegenüber 2011. An dritter Stelle rangieren Bücher mit 2,59 Milliarden Euro Umsatz. Dies entspricht einem Wachstum von erfreulichen 10 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Jahr.
 
Internet-Ausgaben der Deutschen bei über 37 Mrd. Euro (Waren + digitale Güter)
Im Onlinegeschäft 2012 wurden nicht nur Waren im Wert von 27,6 Milliarden Euro geordert, sondern auch digitale Güter wie Flugtickets, Pauschalreisen, Tickets für Veranstaltungen oder Fahrkarten im Wert von 9,7 Milliarden Euro gekauft. Für 2012 ergab sich damit eine Umsatzsteigerung von rund 21 Prozent bei den digitalen Gütern.

„Der Zuwachs im Bereich Dienstleistungen in 2012 im Vergleich zum Vorjahr ist v.a. dem Anstieg bei Reisen, insb. Pauschalreisen, geschuldet. Nach den für die Reisebranche eher schwächeren Jahren 2009 und 2010, haben sich mit der konjunkturellen Erholung die Ausgaben der Deutschen für Reisen insgesamt wieder deutlich erhöht. Mit der gleichzeitig größeren Bereitschaft der Kunden, Buchungen und Transaktionen Online durchzuführen, profitieren v.a. diejenigen Anbieter, die auf eCommerce Angebote gesetzt haben bzw. ihre Angebote erweitert haben – sei es als Spezialanbieter oder große Reiseveranstalter. Dies belegen die aktuellen Zahlen“, so Jens Krüger, Geschäftsführer bei TNS Infratest.

Betrachtet man die gesamten Ausgaben der Kunden im Internet 2012, kommt man auf die beachtliche Zahl von 37,3 Milliarden Euro. Das ist ein Gesamtanstieg für Online-Waren und digitale Güter von rund 25 Prozent zum Jahr 2011.
 
Kauf auf Rechnung weiterhin wichtigste Bezahlart, aber digitale Bezahlwege sind weiter auf dem Vormarsch
Auch im Jahr 2012 war der Kauf auf Rechnung die beliebteste Zahlweise der Kunden im Interaktiven Handel. Der Anteil lag bei 37 Prozent. Dennoch wurde ein leichter Abfall gegenüber dem Vorjahr registriert. Im Jahr 2011 kaufte noch ein Anteil von 42 Prozent der Kunden über diesen Bezahlkanal.
Hingegen legten die digitalen Bezahlwege 2012 ordentlich zu und haben damit den Trend aus den letzten Jahren bestätigt. Mittlerweile erfolgen 17 Prozent aller Bezahlungen über diesen Kanal. Das entspricht einer Steigerung von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Es hat sich wieder einmal bestätigt, dass der Rechnungskauf ein essentieller Bezahlweg für unsere Branche ist. Kundenfreundlichkeit und Sicherheit sind die wesentlichen Eigenschaften, die diesen Bezahlweg so beliebt machen. Gleichwohl steigt die Nutzerzahl digitaler Bezahlwege, die sich insbesondere im E-Commerce-Geschäft wachsender Popularität erfreuen. Für Händler und Kunden ist diese zukunftsweisende Form eine schnelle und sichere Form der Bezahlung“, so Christoph Wenk-Fischer.

Zukunftsperspektive: Geschätztes Branchenwachstum von 10,6 Prozent in 2013 / E-Commerce wächst um 21,3 Prozent

Der Erfolg des vergangenen Jahres wird sich auch im Jahr 2013 fortsetzen. Aktuell schätzt der bvh das Umsatzwachstum auf 10,6 Prozent beim gesamten Interaktiven Handel.
Das entspricht einer Summe von 43,5 Milliarden Euro. Das E-Commerce-Volumen wird 2013 voraussichtlich um 21,3 Prozent wachsen. Das entspricht einer Umsatzzahl von 33,5 Milliarden Euro im reinen Online-Handel.
 
„Die Prognose der Umsatzzahlen basiert auf den Ergebnissen der vergangenen fünf Jahre und der aktuellen Entwicklung. Zusätzlich wurden durch Händlerbefragung gewonnene Erwartungshaltungen in der Hochrechnung für 2013 berücksichtigt“, so Thomas Lipke.

„Das rasante Wachstum in 2012 verdeutlicht die anhaltend positive Entwicklung unserer Branche und stimmt uns mit Blick auf die Zukunft verheißungsvoll. In puncto Innovation und Kreativität setzt der Interaktive Handel weiter Benchmarks und überzeugt durch Servicequalität, Kundennähe und Vertrauen. Mit Mobile und Social Media haben sich zudem zwei Trends etabliert, die als crossmediale Schnittstellen wachsende Verwendung finden. Wir sind gespannt wie die Verknüpfung dieser Kanäle als Teil der Multichannel-Strategien voranschreitet. Auch die Vernetzung von Offline- und Onlinekanälen bleibt ein branchenrelevantes Thema. Für die Händler bleibt die Bedarfsweckung und Bedarfsdeckung verschiedener Zielgruppen durch unterschiedliche Kanäle aktuell“, so Christoph Wenk-Fischer.

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Christin Schmidt

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Statistik und Wirtschaftspolitik