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Sicherheit und Produktschutz, innovatives Design und Nachhaltigkeit - das war der 1. bevh-Verpackungstag

von Christian Milster, 26.10.17

Die optimale Versandverpackung muss aus Händler- und Kundensicht drei zentrale Kriterien erfüllen: 1. Sicherheit/Produktschutz, 2. Marketing und 3. Nachhaltigkeit. Genau diesen drei Aspekten hat sich der 1. bevh-Verpackungstag am 17.10.17 in Wernigerode, den der bevh in Kooperation mit THIMM Verpackung veranstaltet hat, gewidmet. Über 70 interessierte Online-Händler, Logistikdienstleister und Verpackungshersteller hörten spannende Vorträge und diskutierten offen und intensiv zum Thema „Verpackung im Online- und Versandhandel“.

Eröffnet wurde der 1. bevh Verpackungstag von Christoph Wenk-Fischer (Hauptgeschäftsführer des bevh) und mir. Wir beide haben die Veranstaltung abwechselnd moderiert und das Publikum durch das Programm und den Tag geführt.

Den Auftakt machte Christoph Wenk-Fischer mit einer Präsentation, in der er u.a. die vorläufigen Ergebnisse einer im Vorfeld der Veranstaltung durchgeführten repräsentativen Verbraucherbefragung zum Thema „Versandverpackung“ präsentierte.

Die zentralen Erkenntnisse aus der Studie:

  • • ¾ der Befragten sind mit der Verpackung zufrieden. 
  • • Produktsicherheit, Retourenfähigkeit sowie eine einfache Entsorgung sind die wichtigsten Anforderungen von Verbrauchern an die Versandverpackung. 
  • • Für ein Mehr an Produktsicherheit & Retourenfähigkeit wären Verbraucher sogar bereit, zu zahlen.
  • • Für Branding und Schönheit hingegen besteht praktisch keine Bereitschaft zu bezahlen.

Die vollständigen Studienergebnisse werden zu einem späteren Zeitpunkt publiziert.

Um 10.15 Uhr übernahm dann die THIMM Group, vertreten durch Michael Weber und Armin Spitzbarth, und zeigte gemeinsam mit dem Schweizer Versender yamo, vertreten durch Tobias Gunzenhauser, auf, wie wichtig die richtige Verpackung für einen erfolgreichen Markteintritt ist.

Danach folgte ein sehr spannender Vortrag von Vicky Giourga von HSE24, in dem sie dem Publikum tiefe Einblicke in ein umfassendes Projekt für „Innovative Verpackungslösungen bei HSE24“ gab. Zudem hat sie versprochen, bei einem eventuellen 2. bevh-Verpackungstag diesbezügliche Zahlen und Fakten zu präsentieren.

In der sich anschließenden Keynote erläuterte Lars Born von DHL die "Besondere(n) Anforderungen an die Verpackung im E-Commerce“ aus Sicht eines Logistikdienstleisters und verdeutlichte diese mit konkreten Beispielen aus dem Lebensmittel-Onlinehandel. 

Danach gab Amelie Leipprand vom Deutschen Institut für Normung (DIN) einen Überblick und nähere Informationen zu der gemeinsam vom bevh und seinem Mitglied All you need fresh initiierten DIN SPEC 91360 „Ein Temperaturkonzept für den Lebensmittel-Onlinehandel“.

Um das etwas statische Konzept von Kongressen „aufzubrechen“, ging es vor der Mittagspause auf eine (kurze) Exkursion nach Ilsenburg. Bei der dort ansässigen Christiansen Print GmbH hatten alle Teilnehmer Gelegenheit, die in Deutschland noch einmalige HP Pagewide T1100S XXL Digitaldruckmaschine etwas näher in Augenschein zu nehmen und im Rahmen einer Live-Vorführung ganz neue und extrem schnelle Möglichkeiten für individualisierte Verpackungen kennenzulernen. 

Frisch gestärkt ging es nach der Mittagspause mit einem Vortrag von Dr.-Ing. Murat Tutus vom Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research (IAP) weiter. Herr Tutus hat sehr anschaulich ein “Praxisbeispiel (für) – natürlich konservierende Frischhaltefolie“ – am Beispiel von Käse – dargestellt. 

Im darauffolgenden Vortrag hat Herr Dr.-Ing. Thomas Maier-Eschenlohr von Landpack erörtert, dass „Ökologische Isolierverpackungen“ nicht nur praxisgerecht und sehr effizient sind, sondern auch deutlich weniger umweltbelastend produziert werden können als Herkömmliche. 

In seiner Präsentation „End of trash! – Verpackung und Kunden kehren zurück“ hat Christoph Trowitz die von RePack entwickelte Mehrweg-Verpackungslösung vorgestellt und zeigte, wie man mit einem integrierten Marketingkonzept, bei dem der eigentliche Zweck der Verpackung zum Marketinginstrument wird, Kunden wieder (in seinen Online-Shop) zurückholt. 

Welche Rolle die Verpackung konkret im Spannungsfeld als Beschützer, Markenbotschafter und Prozessoptimierer bei Zalando spielt, erläuterte Uwe Streiber (Zalando) sehr anschaulich und offen im der letzten Vortrag des Tages. 

Den krönenden Abschluss des 1. bevh-Verpackungstages bildete die ca. 40-minütige, von Kim Cheng (Geschäftsführerin des Deutsches Verpackungsinstituts) moderierte Podiumsdiskussion, in der Uwe Streiber, (Zalando), Armin Spitzbarth (THIMM Verpackung), Tobias Gunzenhauser (yamo) und Mario Hüneke (DHL Home Delivery) noch einmal intensiv die optimale Versandverpackung und alle diesbezüglichen Aspekte und Herausforderungen aus den unterschiedlichen Blickwinkeln miteinander diskutierten. 

Inhaltlich fasst Christoph Wenk-Fischer (bevh) den 1. bevh-Verpackungstag wie folgt zusammen: „Das Paket der Zukunft ist ein ansprechender und sehr individueller Markenbotschafter, ganz einfach im Handling sowie der Retourenabwicklung und schützt bei kleinstmöglichen Außenmaßen und Gewicht die Ware perfekt. Gleichzeitig vermeidet es Müll sowie Emmissionen und schont Resourcen.“

Nicht zuletzt, weil während der Vorträge und in den Pausen sehr intensiv miteinander diskutiert wurde, nahezu alle Teilnehmer bis zum Schluss geblieben, es darüber hinaus noch so viel mehr zur optimalen Versandverpackung zu berichten gibt und die Entwicklungen in diesem Bereich natürlich weitergeht, wird es schon bald den 2. bevh-Verpackungstag geben. 

Controlling in der Logistik – volle Transparenz bei Paket - und Speditionsrechnungen

von Christian Milster, 19.10.17

Logistik 4.0 ist für Unternehmen heute nicht mehr nur ein Schlagwort, sondern auch ein Ziel. Jedoch stellt die Umsetzung für viele Unternehmen (noch) eine große Anforderung dar. Häufig werden komplexe, umständlich zu bedienende und zudem teure Lösungen angeschafft, die dann aber oft nicht voll umfänglich genutzt werden und somit keinen echten Mehrwert schaffen. 

Logistik ist ein Bereich, der in den meisten Unternehmen sehr stark oder sogar am stärksten wächst. Dementsprechend steigen auch die Transportkosten. Doch viele Unternehmen wissen häufig nicht im Detail, für welche Leistungen sie wieviel bezahlen.

Zunächst ein paar Fakten zum Thema "Transportkosten in Unternehmen":

1. Mehr als 80% aller europäischen Unternehmen zahlen zu hohe Transportkosten.

2. Gerade einmal 8% aller Unternehmen in Europa wissen, wie hoch ihre auftragsbezogenen Transportkosten sind. 

Durch das stetige Exportwachstum in Europa, den damit steigenden Transportkosten bei den Unternehmen sowie Zunahme der individuellen Anforderungen an die Logistikdienstleister wird das Dickicht an Zuschlägen und Sonderregelungen leider immer undurchsichtiger. Für die Industrie ist es ein geradezu nebulöses Unterfangen, diese Kosten auf ihre Richtigkeit zu prüfen. 

Leider wird das Optimierungspotenzial bei den Logistik- und Prozesskosten häufig unterschätzt. Überhöhte Preise, eine manuelle und zeitaufwendige Rechnungsabwicklung sowie die fehlende Kostentransparenz für Aufträge und Kunden gehören zu den zentralen Herausforderungen. 

Und dabei gibt es mittlerweile entsprechende Servicelösungen, die elektronische Rechnungsabwicklung und ein begleitendes Benchmarking ermöglichen und somit eine bisher nicht gekannte Transparenz in diesem Bereich schaffen.


Ein Fallbeispiel

Die Firma Mustermüller versendet täglich mehrere Hundert Stückgut- und Paketsendungen an ihre Kunden. Die Beauftragung der Stückgutsendungen erfolgt über die Anmeldungsplattform des Spediteurs. Alternativ wird eine DFÜ mit Sendungsdaten übertragen oder andere Dokumente an den Spediteur gesendet. Paketsendungen werden ebenfalls über die Plattform des Paketdienstleisters oder per Datensatz übertragen. 

Nach einigen Tagen erreichen die Firma Mustermüller dann die Rechnungen der Speditionen und Dienstleister. Jetzt gilt es, mehrere Hundert Einzelpositionen auf den Rechnungen zu prüfen – sachlich und rechnerisch, diese zu kontieren und die Kosten auf Sendungs- und Auftragsebene korrekt zuzuordnen. 

Für die meisten Unternehmen stellt dies einen kaum zu realisierenden Arbeitsaufwand dar. Also erfolgt in vielen Fällen lediglich eine Stichprobenprüfung. Das Ergebnis ist in der Regel äußerst unbefriedigend. Verhandelte Vorteile in den Tarifen beispielsweise werden nämlich häufig nicht beachtet. 

Zum Jahresende werden die Transportkosten dann als Summe auf einem Kreditorenkonto des Dienstleisters analysiert. Mit dieser Summe, die entweder eine positive oder negative Entwicklung aufzeigen kann, versucht man dann, in Verhandlungen mit den Dienstleistern zu treten. Doch sind unter solchen Bedingungen tatsächlich positive Ergebnisse zu erwarten?

Nur Kennzahlen, Benchmarks, Reports und Auswertungen über die tatsächliche Entwicklung können eventuelle Fehlentwicklungen aufzeigen und schlussendlich zu einem positiven Ergebnis führen. 

Ein weiterer Faktor, der i.d.R. zu hohe Transportkosten verursacht, ist, dass Unternehmen mit einem kaum überschaubaren Geflecht unterschiedlichster Dienstleister zusammenarbeiten. Leistungen und Tarife sind unterschiedlich definiert und werden nicht selten ohne klare Regeln beauftragt. Beispiele sind u.a. Laufzeitvorgaben, Hebebühnenzuschläge, Währungsumrechnungen usw.. 

Dies sind nur einige der offensichtlichen Punkte, die zu überhöhten Transportkosten führen. Andere wie z.B. unterschiedliche Rabatt- und Tarifstrukturen, bei denen unklar bleibt, wie bestimmte Kostenpunkte gerundet werden oder wie das Gewicht tatsächlich bemessen wird, sind den Kunden der Spediteure oftmals nicht bekannt.

Welche zentralen Features sollte eine entsprechende Lösung also bieten?

1. Automatisierte Rechnungsprüfung

• Automatisierte Berechnung aller Logistikkosten
• Komplette elektronische Abwicklung aller Logistikvorgänge
• Digitale Verknüpfung mit dem ERP-System des Versenders
• Regelmäßige Benchmarks aller Logistikkosten im Markt- und Branchen-Vergleich
• Korrespondenz und Differenzklärung mit den Spediteuren
• Automatisiertes Gutschriftsverfahren für jeden Logistikdienstleister
• Logistik-Dashboard

2. Gutschriftsverfahren 

In der höchsten Ausbaustufe einer automatisierten Rechnungskontrolle ist auch das Gutschriftsverfahren hoch effizient. Die Abrechnung der gesamten Logistikkosten erfolgt, nicht wie bisher durch den Logistikdienstleister mittels einer Rechnung an den Versender, sondern umgekehrt: Die eingesetzte Software erstellt im Auftrag des Versenders eine Gutschrift an den Logistikdienstleister und ersetzt somit dessen Rechnung.

Der folgende Screenshot zeigt das Dashboard einer Softwarelösung (hier von HDS).

Das Management Cockpit liefert i.d.R. eine ideale Übersicht mit Kennzahlen und Grafiken (mit Periodenvergleich) sowie Zugang zu Standardreporten und individuell gestalteten Auswertungen. 

Das Dashboard ist eine umfangreiche Informationszentrale für die Betrachtung sämtlicher Logistikkosten im Unternehmen. 

Dieser Blogbeitrag wurde in Zusammenarbeit mit der HDS International Group geschrieben. 

Kontaktdaten:
HDS Consulting GmbH
Guido Händeler
Willy-Brandt-Platz 16-20 
38102 Braunschweig 

Email: g.haendeler(at)hds-consulting.com
Tel: +49 531 28875 260
Mobil: +49 151 11 55 15 10
Web: www.hds-international.group

Einmal China und zurück: bevh spricht auf der „World Food & Agricultural Products E-Commerce Conference 2017“

Ein kurzer (Reise)Bericht von Christian Milster 03.10.17

Vor gut zwei Monaten ist das Committee of E-Comerce on China Association of Trade in Services mit der Bitte auf den bevh zugekommen, auf der „World Food & Agricultural Products E-Commerce Conference 2017“ in Weifang (Shandong Province) einen Vortrag zum Thema “E-Commerce in Germany” zu halten. 

Dies war die zweite Veranstaltung dieser Art. Bereits die erste Konferenz im Jahr 2016 war sehr erfolgreich und wurde zudem von den chinesischen Medien sehr gut aufgenommen. 

Nach kurzer Durchsicht des Programms und der eingeladenen Unternehmen (u.a. JD.com, die National Distance Selling Association Russia, die Mexico Chamber of E-Commerce, die UNIDO – United Nations Industrial Development Organization, die Australian Trade Commission, Yishijia.com u.v.m.) war klar, dass der bevh, als Stimme und Interessenvertreter des interaktiven Handels und E-Commerce in Deutschland, bei dieser Veranstaltung nicht fehlen darf. 

Gesagt, getan: Nachdem alle Formalitäten und administrativen Punkte geklärt waren, habe ich mich am Mittwoch den 20.09.17 hochmotiviert und etwas euphorisch, auf den Weg nach China (Weifang) gemacht. Nicht zuletzt, weil von Berlin bis nach China knapp 8.000 km zurückzulegen sind und China gegenüber Deutschland einen zeitlichen Vorsprung von sechs Stunden hat, bin ich (erst) am Vormittag des 21.09.17 zunächst in Peking (Beijing) gelandet. Von dort ging es mit Air China weiter nach Qingdao. Und dann waren es noch einmal gut zwei Stunden mit dem Auto nach Weifang. Klingt anstrengend? War es auch. Aber die Euphorie hatte mich ganz gut im Griff und hat mich wachgehalten. 

Nachdem ich im Hotel eingecheckt und mein Zimmer bezogen hatte, wollte ich China sofort live erleben. An diesem ersten Abend habe ich sehr schnell gelernt, dass für Mofa- und Fahrradfahrer nicht dieselben Verkehrsregeln gelten, wie für Autofahrer oder Fußgänger. Das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber, wenn man es mal verstanden hat. Und das sollte man... 

Am Freitagmorgen (mittlerweile der 22.09.17) habe ich mich gleich nach dem Frühstück wieder ins Chinesische Leben gestürzt, denn dies war mein einziger „freier“ Tag in China. 

Weifang ist eine sehr moderne und zudem ziemlich westlich anmutende Stadt. Sehr viele Hochhäuser – eher ganze Hochhaussiedlungen, viele breite Straßen und (leider) wenig Ursprüngliches – zumindest auf den ersten Blick. An diesem Freitag bin ich gut 20 km quer durch Weifang gelaufen und habe dabei jedoch vergeblich nach Tempeln, Teehäusern oder kleinen Läden gesucht. Dennoch habe ich viel gesehen und konnte mir einen umfassenden Eindruck von der Stadt verschaffen und habe bestimmt mehrere Hundert Fotos gemacht. Ein paar davon folgen weiter unten. 

Weifang ist jedoch nicht nur groß und zudem relativ sauber, sondern auch sehr grün. Das liegt v.a. an den vielen angelegten und sehr gepflegten öffentlichen Parkanlagen. Wenn es einem mal zu heiß wird – und in China ist es Ende September noch ziemlich warm und sehr schwül – kann man einen Abstecher in einen dieser Parks machen und sich im Schatten der Bäume ausruhen und abkühlen. 

Die in Weifang lebenden Chinesen sprechen kaum englisch, sind aber dennoch sehr kontaktfreudig und freundlich. Während meines Spaziergangs sind viele Menschen auf mich zugekommen, um entweder ein Foto mit mir zu machen oder um mich zu berühren. Das ist anfänglich ein wenig befremdlich, aber man gewöhnt sich schnell daran. 

Am Abend hatten die Organisatoren der Konferenz zu einem gemeinsamen Abendessen mit den anwesenden Speakern geladen. Hierbei hatte ich Gelegenheit, einige der anderen Speaker der Konferenz persönlich kennenzulernen und mich mit diesen auszutauschen. 

Das Committee of E-Comerce on China Association of Trade in Services (Organisator) ist nach meinem Kenntnisstand der wichtigste E-Commerce Verband Chinas. Nicht zuletzt aufgrund seiner sehr engen Verbundenheit zur chinesischen Regierung. Daher wurde es beim Speaker’s Dinner auch einmal kurz sehr förmlich: als nämlich zwei hohe Parteifunktionäre eingetroffen sind und sich kurz mit jedem anwesenden Speaker ausgetauscht haben. 

Am Samstagmorgen (23.09.17) ging es sehr früh los. Eintreffen der Speaker auf der Konferenz war 8.30 Uhr, Konferenzbeginn war pünktlich um 9.00 Uhr. Die Agenda war sehr umfassend, vollgepackt mit Keynotes von Speakern aus der ganzen Welt und daher minutiös durchgetaktet. Insofern wurde von den Organisatoren auch sehr streng auf die Einhaltung der Redezeit geachtet, was weitgehend sehr gut funktioniert hat. 

Meine Keynote war für 10.40 Uhr angesetzt. In dieser habe ich den bevh und seine Mitglieder vorgestellt, Zahlen und Fakten zum E-Commerce in Deutschland präsentiert, umfassende Informationen zum Deutschen Online-Shopper vermittelt sowie relevante E-Commerce Trends in Deutschland vorgestellt. Abschließend habe ich mir (natürlich) nicht nehmen lassen, freundlich aber bestimmt in der Sache die Einhaltung europäischer Vorgaben bei Einfuhren aus China in die EU „anzumahnen“. 

Im Anschluss an meinen Vortrag wurde ich von verschiedenen chinesischen Rundfunkanstalten interviewt. Und dann hatte Zeit und Gelegenheit, mir die folgenden Keynotes anzuhören. Und eines ist dabei sehr deutlich geworden: China ist extrem aktiv im E-Commerce und arbeitet dabei mit sehr modernen Mitteln und Methoden. China ist umfassend digitalisiert und uns in vielen diesbezüglichen Punkten weit voraus. Als ein wesentlicher Aspekt ist hier bspw. die starke Marktdurchdringung von Mobile Payment zu nennen. Sechs von zehn chinesischen Verbrauchern zahlen mittlerweile mobil – in Restaurants, in Einkaufszentren, online und in mobilen Apps. Darüber hinaus wollen chinesische Onlinehändler expandieren und ihre Produkte weltweit verkaufen. (Einige der o.g. Punkte hatte ich in meinem Artikel "E-Commerce in China - schnell und einfach?" schon mal etwas näher beleuchtet.)

Umgekehrt haben aber auch viele andere Staaten – u.a. Russland, Spanien, Mexico, Malaysia und Australien – sehr großes Interesse daran, im chinesischen Onlinehandel Fuß zu fassen. Und das ist nur nachvollziehbar: Denn Chinas E-Commerce-Markt ist der größte der Welt. Dabei sind erst knapp über 50 Prozent aller Chinesen (ca. 585 Mio) mit dem Internet vernetzt. Die E-Commerce-Agentur eShop World prognostiziert bis 2021 etwa 844 Mio. chinesische Online-Shopper. Insofern bedeutet in China selbst ein geringer Marktanteil einen relevanten Umsatz für ausländische Einzel- bzw. Onlinehändler. 

Laut eines McKinsey Reports von 2016 hat China mit mehr als 225 Millionen Menschen zudem die größte Mittelschicht der Welt. Und diese verfügt über ein wachsendes verfügbares Einkommen und interessiert sich darüber hinaus verstärkt für internationale Premium-Produkte. Und dies birgt großes Potential für Einzelhändler und Marken aus dem Ausland. 

Gegen Ende der Konferenz wurde ich eingeladen, die offizielle Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Committee of E-Comerce on China Association of Trade in Services und einem anderen Chinesischen Verband zu bezeugen. 

Voll mit vielen neuen Informationen zum E-Commerce in und mit China sowie einer Vielzahl an Eindrücken bin ich an diesem Abend ein letztes Mal durch Weifang spaziert, um das Gehörte und Gesehene noch einmal Revue passieren zu lassen. 

Am nächsten Morgen (24.09.17) ging es bereits um 4.00 Uhr los zum Flughafen Qingdao und von dort dann wieder zurück nach Deutschland. 

Meine kurze Reise nach China war sehr intensiv und informativ. Ich habe viel gesehen und gelernt. China ist viel moderner, als man zunächst vermuten mag. Und ohne mobile läuft in China eigentlich gar nichts. 

Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass China auch in Zukunft eine zentrale Rolle im globalen E-Commerce einnehmen wird.

Blockchain – zwischen Hype und Wirklichkeit (Teil 2 von 2)

von Christian Milster 19.09.17

Was wären mögliche Anwendungsfelder für die Blockchain-Technologie? Was kann die Technologie bieten? Wo sind ihre Grenzen?

Hier gibt genauso viele verschiedene wie interessante Ansätze: Die Blockchain-Technologie könnte bald Mikrotransaktionen ermöglichen. Da in Blockchains auf den Intermediär verzichtet werden kann, könnten Transaktionen von Cent-Beträgen mit weniger Handlingkosten realisierbar werden. Könnte die Effizienz belegt werden, würden sich ganz neue Möglichkeiten ergeben, wie wir mit dem Internet interagieren. Nehmen wir als Beispiel die Verbreitung von kostenpflichtigen Medieninhalten im Netz. Ein zentrales Problem ist hier, dass Leser in der Regel nicht bereit sind, 99 Cent für einen Artikel zu bezahlen, wenn sie die ganze Zeitung bereits für zwei Euro erwerben können. Andererseits können Anbieter diese Services (zumindest aktuell) nicht günstiger ermöglichen. Denn sie haben enorme Kosten, da zur Abrechnung letztlich immer zusätzlich ein Zahlungsdienstleister nötig ist. Das ließ sich bislang nicht lösen. Durch die Blockchaintechnologie wäre es zukünftig jedoch möglich, das Lesen eines Online-Artikels automatisiert abzurechnen – und zwar zeilengenau auf den Cent. Server und Browser kommunizieren miteinander, und es wird gemessen, wie weit Nutzerinnen und Nutzer herunterscrollen. Dieses an der tatsächlichen Nutzung orientierte Verfahren ließe sich auf weitere Bereiche übertragen: Sekundengenaue Abrechnung von Hör-/Sehgewohnheiten von Musik-, Video/Film-Angeboten oder auch ausgerichtet am individualisierten Nutzungsverhalten von Software-Modulen könnten eine Alternative zu heutigen Flatrate-Verfahren sein.

Ein weiterer Anwendungsbereich dürfte das Internet der Dinge (Internet of Things, IOT) werden. Wenn Maschinen in Zukunft miteinander und somit direkt kommunizieren, dann sollten sie idealerweise auch Geld oder andere Werte austauschen können – einfach geregelt nach dem Wenn, dann-Prinzip. Auch im Bereich der Versicherungen ist viel Anwendungspotenzial: Durch die Auswertung von Sensordaten etwa könnte eine Versicherung mittels Blockchain und Smart Contracts die Auszahlung von Versicherungssummen im Schadenseintrittsfall automatisiert auslösen (lassen). Ein weiteres Beispiel ist die Hafenlogistik; hier könnte über eine Blockchain das komplette Dokumentenmanagement aller Beteiligten abgewickelt werden.

Auch könnte das Elektroauto schon bald an der Stromtankstelle automatisch und somit selbständig bezahlen; Musiker könnten direkt für ihre Werke honoriert werden ohne dass Spotify oder iTunes dazwischengeschaltet sind. Diese Entwicklung könnte disruptiv auf das Geschäftsmodell Plattform wirken, da die Blockchaintechnologie eben – wie oben beschrieben – den Intermediär Plattform nicht mehr benötigt. Technologisch gesehen. Aber die Plattformen binden auch Kunden. Plattformen und Aggregatoren treffen eine Produktauswahl, leiten und führen uns durch das Sortiment, treffen Vorentscheidungen.

Wie die genannten Beispiele zeigen, könnten sich die Internetanwendungen in Richtung einer fließenden Mikro-Ökonomie bewegen. Das betrifft noch viele weitere Bereiche. Unser Verständnis von E-Commerce könnte sich noch einmal komplett wandeln. Bisher ist dieses ja recht stark an die Vorstellung von einem Shop mit einem oder mehreren Bezahlsystemen gekoppelt. 

Auch wenn diese Technologie ein riesiges Innovationspotenzial birgt, werden sich solche disruptiven Umbrüche jedoch nicht über Nacht einstellen.

Ermöglicht die Blockchaintechnologie tatsächlich, dass alles automatisiert, anonym und fälschungssicher abläuft?

Im Handel gibt es bereits einen potenziellen Nutzen: Der große russische Online-Marktplatz Ulmart kämpft im Fashion-Bereich intensiv gegen Produktfälschungen. Und da Blockchains transparente Informationsebenen mitliefern – und diese nicht nur Transaktions-, sondern auch Waren- und Produktbezogen sein können –, untersucht Ulmart den Einsatz der Technologie mit dem Ziel, die Echtheit der Waren gewährleisten zu können. Kritisch bleibt jedoch die Ursprungsinformation beim Thema Rückverfolgbarkeit. Die Daten, die einmal eingestellt wurden, werden durch die komplette Blockchain weitertransportiert. So können unwahre Informationen in Umlauf gebracht werden, weil sie nicht durch einen Intermediär validiert wurden. Da hilft es dann auch nicht, dass Daten in der Blockchain vom Produzenten über Lieferanten und Spediteur bis zum Kunden nicht manipuliert werden können.

Welchen möglichen Herausforderungen steht die Blockchain gegenüber?

1. Blockwashing

Eine der größten Herausforderungen im Umgang mit der Blockchain-Technologie wird Blockwashing sein: Galt Dezentralisierung als wichtiges Charakteristik der Original-Blockchain, muss geklärt werden, was der Einzug der Technologie in Cloud-Strukturen für die Sicherheitsleistung bedeuten wird. Zwar kann alles auch kryptografisch gesichert werden, was aber wiederum von einer einzigen Partei betrieben werden würde. Der ursprüngliche Charakter der Blockchain wird damit eigentlich ausgehöhlt.

2. Fehlende Standardisierung, aber das Rad muss hier nicht neu erfunden werden

Ebenfalls werden wir uns mit dem Thema Standardisierung auseinandersetzen müssen. Es gibt zahlreiche Vorschläge und Lösungsansätze für die Blockchaintechnologie. Jede mit ihren Vor- und Nachteilen. Um allgemeingültige und veritable Standards zu definieren, muss hier auf Kooperationen und Zusammenarbeit gesetzt werden.

Die Internationale Organisation für Normung (ISO) hat bereits ein Komitee gebildet, das erste Bemühungen in diese Richtung prüft. Schwerpunkte liegen dort zunächst in den Themenfeldern Terminologie und Konzepte. Als ein Anhaltspunkt für die Komplexität mag die Situation herhalten, dass bei ISO essenzielle Themen wie Interoperabilität oder Governance erkannt aber noch nicht bedient werden.

Da Blockchain letztlich eine weitere Technologie ist, um Daten auszutauschen, muss hierfür in vielen Bereichen das Rad nicht neu erfunden werden. Geht es um die Identifikation der Textilien auf der Online-Plattform, der Dokumente in der Hafenlogistik oder der Servicebeziehung in der Versicherungsbranche, so können bewährte eindeutige Idente, wie sie etwa GS1 hierfür zur Verfügung stellt, auf das Blockchain-Umfeld übertragen werden. Gerade weil global und universell ausgerichtete Standards in den unterschiedlichsten Branchen einsetzbar sind, erleichtert es auch technologische Migrationen. Wo früher ausschließlich Barcode-Lösungen zum Tragen kamen, finden wir heute mitunter auch Transpondertechnologie im Einsatz. Neben klassischen EDI-Formaten haben sich in manchen Branchen XML-basierte Lösungen etabliert. Dies alles ist möglich, weil die auf Standards fußende Basis Kompatibilität herstellt. Nachgelagerten Systemen kann es aufgrund standardisierter Schnittstellen egal sein, ob die Information aus einem Barcode oder einem Transponder ausgelesen worden war.

Gleiches ist sinnvoll für die Blockchaintechnologie. Hier könnte – in Kombination mit den beschriebenen Identen – dem Schnittstellenstandard EPCIS eine wichtige Rolle zukommen: Was, wann, wo, in welchem Kontext passiert ist sind wesentliche Inhalte ereignisbasierter Datenbankeinträge, die so standardisiert in einer Blockchain abgelegt und darüber ausgetauscht werden könnten. Dies gilt ebenfalls für bereits definierte Core Business Vocabulary, wie sie etwa für den Konsumgüterbereich existieren.

Wie das alles im Konkreten in den Bits & Bytes aussieht, wird GS1 mit interessierten Partnern erproben, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten und Beiträge für nötige Anpassungen, Erweiterungen oder Adaptionen von Standards zu leisten.

Hier geht's zu Teil 1 dieses Beitrags.

Dieser Blogbeitrag wurde gemeinsam mit der GS1 Germany GmbH geschrieben. 

Co-Autor:
Dr. Andreas Füßler
GS1 Germany GmbH

T +49 (0)221 94714 224
fuessler(at)gs1-germany.de

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