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Ausbildung und Fachwirt – oder lieber gleich Bachelor?

geschrieben von Martin Groß-Albenhausen am 08. Dezember 2017

Der typische Weg in den E-Commerce führt heute über ein Studium - vorzugsweise Bachelor in Wirtschaftswissenschaften oder Wirtschaftsinformatik, aber auch weitere einschlägige Abschlüsse. Mit dem Ausbildungsberuf der E-Commerce-Kaufleute steht ab 2018 ein viel praxisnäherer Zugang offen. An diesen wird sich bald die Fortbildung zum E-Commerce-Fachwirt anschließen. Damit können Praktiker im Unternehmen einen durchlässigen Ausbildungsweg bis auf ein Niveau abschließen, das im Deutschen Qualifikationsrahmen dem Bachelor gleichgestellt ist.

Soweit die Theorie. Wie aber unterscheiden sich die beiden Bildungswege? Und viel wichtiger für die Unternehmen, die einstellen und fördern: wenn Bachelor und Fachwirt formal beide im Deutschen Qualifikationsrahmen auf Niveau 6 eingestuft sind, sind die Abschlüsse tatsächlich gleich viel wert?

Um die beiden Möglichkeiten grundlegend zu unterscheiden, lohnt ein Blick auf die schulische Realität. Viele Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife oder Fachabitur scheuen heute die Ausbildung und streben einen akademischen Abschluss an. Insofern ist der früher übliche Weg „erst Ausbildung, dann Studium“ heute einem grundständigen Bachelor-Abschluss gewichen. Diesen kann man in 6-8 Semestern erreichen. Eine Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, ggf. auf zwei Jahre verkürzt. Ein weiteres Jahr kann man für den Fachwirt hinzurechnen.

Dieser Vergleich ist wichtig, weil das akademische Bewertungssystem auf Credit-Points beruht, die wiederum aus der Anzahl absolvierter Lehr- und Lernstunden errechnet werden. Das bedeutet: ein Bachelor erwirbt mindestens 180 oder 210 Credit-Points nach europäischem Rahmen (ECTS). Jeder Credit-Point entspricht 25-30 Stunden Vorlesung und Selbststudium. Macht also zwischen 4500 und 6300 Ausbildungsstunden.

Der Ausbildungsrahmenplan für E-Commerce-Kaufleute wiederum geht von knapp 156 Wochen Ausbildung im Betrieb aus. Da Azubis ca. 1,5 Tage in der Woche in der Berufsschule lernen, bleiben regulär ca. 28 h Ausbildung pro Woche. Die Berufsschule hat ein Deputat von 880 Stunden. Der Fachwirt bringt noch einmal ca. 600 Stunden – macht in Summe ca. 5850 Ausbildungsstunden.

Vom zeitlichen Aufwand her gesehen, sind Bachelor und Fachwirte also auf Augenhöhe. Freilich gibt es inhaltliche, bedeutende Unterschiede. Aus diesem Grund werden zwar Fortbildungen wie der Fachwirt heute ähnlich wie ein Studium staatlich gefördert ("Meister-Bafög"), aber obwohl Fachwirte und Bachelor nominell auf dem gleichen DQR-Niveau ausgebildet sind, können die Fachwirte deutlich weniger Credit-Points für einen theoretischen möglichen Bachelor- und Master-Abschluss anrechnen lassen.

Das weist auf den großen Unterschied zwischen den beiden Bildungswegen hin: Ausbildung und Weiterbildung qualifizieren für den praktischen Einsatz in einer Branche, das Bachelor-Studium für mittlere Führungspositionen in der gesamten Wirtschaft. Im Umkehrschluss fehlt es den Fachwirten an betriebswirtschaftlich breitem Wissen auf solidem wissenschaftlichem Fundament, wo es den Bachelorn an Fertigkeiten und Erfahrungen, sowie hartem Fachwissen im betrieblichen Kontext mangelt.

Anders gesagt: Azubis und Fachwirte sind Perlen, die sich über die Zeit eine solide, glänzende Hülle aus Fähigkeiten, Kenntnissen und Fertigkeiten im Beruf angeeignet und theoretisch überbaut haben. Bachelor hingegen stehen auf einem soliden Gerüst und überblicken die mikro- und makroökonomischen Zusammenhänge, und sie unterfüttern dieses Gerüst im Berufsleben mit Praxis. Erstere sind für jeden Betrieb zum Zeitpunkt des DQR 6-Abschlusses extrem produktiv - letztere sind darin geschult, sich und dem Unternehmen zukünftig neue Bereiche zu erschließen.

Im E-Commerce liegen die Dinge noch etwas anders. Die Frage: „Bachelor oder Fachwirt?“ beantworten E-Commerce-Unternehmen derzeit mit "Bachelor" – denn weder gibt es bisher E-Commerce-Kaufleute noch E-Commerce-Fachwirte. Der kommende Ausbildungsberuf aber enthält viele Elemente, die in höhere DQR-Niveaus hineinragen. Die Arbeit mit IT-Anwendungssystemen, Analytics und nicht zuletzt die im Rahmenplan betrieblich wie schulisch erworbene Praxis, sich den Veränderungen im sehr technologie-getriebenen "Digital Commerce" permanent zu stellen. Der Fachwirt vertieft die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse und Führungskompetenz im digitalen Kontext.

Weil dadurch E-Commerce-Praktiker ohne akademische Weihe wesentliche Aufgaben des mittleren Managements übernehmen können, müssen die Bachelor für unsere Branche vertieftes Wissen in Detailbereichen zur Verfügung stellen, mit denen sie die Betriebe auf die nächste Stufe führen. Hier bieten sich Informationswissenschaften an, neudeutsch: Data Science, IT-Development (Software und Hardware), auch Finance oder entsprechend spezialisierte Studiengänge im Marketing, Supply-Chain-Management etc.

Denn selbst wenn wir mit den E-Commerce-Kaufleuten den ersten Ausbildungsberuf für digitale Geschäftsmodelle geschaffen haben, gilt weiterhin: In einer Branche, die einfache Tätigkeiten durch Algorithmen ersetzt, wird auch künftig der Bedarf nach höher Qualifizierten nicht sinken. Nach Mitarbeitern, die durch Technologie- und Datenkompetenz über die reine Anwendung hinausgehen können.

Zwar sind die Inhalte der Ausbildung zu E-Commerce-Kaufleuten und -Fachwirten bewusst abstrakt formuliert, um sie ständig mit aktuellen Inhalten füllen zu können. Dennoch gilt mehr als in jedem anderen Beruf: im E-Commerce hat man niemals ausgelernt. Wer im E-Commerce sicher bestehen will, braucht die Transformations-Kompetenz der Bachelor und Master.

Um für den E-Commerce solche Spezialisten heranzubilden, muss die Hochschule in eine größere Zahl an Lehrveranstaltungen eindeutige Bezüge zu digitalen Geschäftsmodellen integrieren. Das erfordert mehr Personal und/oder den Erwerb entsprechender Kompetenzen bei den Hochschullehrern. Hier hinkt Deutschland noch hinterher, auch wenn die Zahl der Universitäten und Hochschulen steigt, die sich im digitalen Sektor profilieren. Erst dann wird für ausgebildete E-Commerce-Kaufleute und -Fachwirte – und ihre Unternehmen – ein Schuh daraus, in einem dedizierten Feld den Bachelor aufzusatteln oder auch einen Master anzustreben.

EMOTA: Anforderungen an einen Brexit, mit dem der E-Commerce leben könnte

von Martin Groß-Albenhausen, 20.7.2017

Der Europäische Dachverband der Onlinehändler, EMOTA, hat in dieser Woche Leitlinien für die Brexit-Verhandlungen veröffentlicht. Darin fordert die in Brüssel ansässige Organisation, der der bevh angehört, u.a. besondere Zoll-Regelungen für die Branche, um die Versandprozesse in beide Richtungen nicht zu verlängern und so den Crossborder-Handel zu beeinträchtigen. Die EMOTA regat eine eCommerce Task Force an, die aus Vertretern der Regierung und Stakeholdern der Wertschöpfungskette gebildet werden sollte. Diese sollte pragmatische und nachhaltige Lösungen für die besonderen Herausforderungen des Online- und Versandhandels erarbeiten.

Nach Einschätzung der EMOTA werden vor allem kleine und mittlere Unternehmen massiv betroffen sein, weil ihr Sendungsvolumen innerhalb der EU oder England keine eigenen lokalen Logistik-Operations erlaube. Im Hinblick auf ein angestrebtes bilaterales Freihandelsabkommen benennt die EMOTA folgende besonderen Anforderungen:

  • Die etablierten Standards und Warnmechanismen bzgl. etwa Produktsicherheit sollten weiterhin beiderseitig gelten. 
  • Die in der Datenschutz-Grundverordnung bzw. GDPR definierten Regeln sollten nicht in Großbritannien neu geschrieben werden und zu einem neuerlich fragmentierten Datenschutz führen. 
  • Im Postmarkt sollten die angestrebten Vereinfachungen etwa beim Labelling und der Interoperabilität der Prozesse und Systeme weiterhin mit der britischen Regierung und den Postdienstleistern vorangetrieben werden. 
  • Verbraucherrecht und Verbraucherschutz sollten weiterhin abgestimmt entwickelt werden, da sonst die Compliance-Kosten im Crossborder-Handel zwischen UK und Europa drastisch ansteigen könnten. 
  • Im Wettbewerbsrecht könnten divergierende Rechtslegung und Rechtsinterpretation sowie -durchsetzung bis hin zu doppelten Strafen für den gleichen Verstoß führen. 
  • Das Urheberrecht (Intellectual Property Rights, IPR) hat einen großen Einfluss auf die Prozesse und Organisation im E-Commerce. Rechtsunsicherheit würde es schwer machen, die Rechte und Pflichten diesbezüglich einzuhalten oder durchzusetzen. 

Dies alles würde vor allem kleine und mittlere Unternehmen treffen. Die EMOTA regt daher an, in der Verhandlungsakte ein KMU besonders zu berücksichtigen, damit auch kleinste Anbieter Zugang zu allen Informationen erhalten, die Export und Investitionen in einem Drittmarkt Großbritannien und vice versa Europa benötigen.

Das vollständige Positionspapier in englischer Sprache finden Sie hinter diesem Link.

Wie E-Commerce-Händler Werte treiben

von Martin Groß-Albenhausen, 16. Juni 2017

Die Ausbildung zur Kauffrau oder zum Kaufmann im Unternehmen ist nur die eine Hälfte des Dualen Ausbildungssystems. In den Berufsschulen werden die nicht betriebsspezifischen Kompetenzen vermittelt. Ein wichtiger Aspekt im neuen Ausbildungsberuf der „E-Commerce Kaufleute“ spielt dabei auch die Kaufmännische Steuerung und Kontrolle.

An sich ein Thema, das sich in allen kaufmännischen Ausbildungsberufen wiederfindet. Was aber sind die Spezifika im E-Commerce?

Eine Betrachtung nur der betrieblichen bilanziellen Kennzahlen würde zu kurz greifen. Sicher ist es für Azubis wichtig, die Kosten- und Leistungsrechnung zu kennen. Die Lernfelder 6 („Werteströme erfassen und beurteilen“) und 9-11 („Liquidität sichern und Finanzierung vorbereiten“; „Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern“; „Geschäftsprozese darstellen und optimieren“) in der Ausbildung der Kaufleute für Büromanagement zeigen, wie tief die finanziell beschreibende Sicht gehen kann.

Häufig liegt in klassischen Betrieben das Problem darin, die wichtigen Zahlen überhaupt erst einmal zu ermitteln. Im E-Commerce ist es das Gegenteil – hier hat man ein Überangebot an Zahlen, aus denen die E-Commerce-Kaufleute überhaupt erst einmal die KPIs ermitteln müssen, mit denen sich die Werttreiber des Unternehmens steuern lassen.

Dass dies nicht nur für Auszubildende eine Herausforderung ist, sondern auch eine Chance für das gesamte Unternehmen darstellt, zeigte das Seminar „Controlling: Reporting und Steuerung im Onlinehandel“, das kürzlich gemeinsam von KPMG und bevh im Rahmen der bevh-Academy veranstaltet wurde. Nur wenige Unternehmen nutzen bis heute treiberbasierte Steuerungsmodelle. Dabei sind gerade diese in der Lage, differenzierende Geschäftsmodelle in Zahlen abzubilden und zu steuern. Die Werttreiber in einem beratungsorientierten vs. einem preisorientierten vs. einem Club-Geschäftsmodell unterscheiden sich sowohl absolut als auch in der Abhängigkeit voneinander. Am Ende führen Sie zwar immer auf Finanzkennzahlen wie Umsatzerlöse, Umsatzkosten oder Marketingkosten und auf aggregierende Steuerungszahlen wie ROAS, ROCE oder auch einfach EBIT zurück. Aber die Hebel und Gewichte wirken unterschiedlich.

  • Treiberbasierte Steuerungsmodelle bilden die Basis, um zeitgerecht auf Marktveränderungen reagieren zu können. (c) 2017, KPMG

Das setzt bei E-Commerce-Kaufleuten ein Verständnis für die Prozesse und Kennzahlen auf der Mikroebene (z.B. Marketing, Logistik) voraus. Nicht zuletzt deshalb, weil eine Veränderung im Detail enorme Skaleneffekte nach sich zieht – im Positiven wie im Negativen.

Damit zusammen hängt eine weitere Unterscheidung von E-Commerce zu anderen Handelsformen: Klassische Planungsmodelle und –zyklen reichen nicht aus. Das Forecasting hat eine wesentlich höhere Bedeutung, funktioniert besonders gut in „agilen“ Umfeldern, verlangt aber eine Reduktion der reporteten Kennzahlen. „Better done than perfect“, Controlling-Style.

Dieses moderne Verständnis, das auf digitale Wertschöpfungsmodelle ausgerichtet ist, führen wir mit dem E-Commerce-Kaufmann in die berufliche Bildung ein. Das Gremium der Berufsschullehrer, die den Rahmenlehrplan definieren, ist dafür sehr aufgeschlossen: Sie suchen gezielt den Kontakt mit den Fachexperten in den Betrieben, um die Lernfelder maximal auf die Anforderungen im E-Commerce-Umfeld auszurichten. Häufig wird kritisiert, dass die Inhalte in den Berufsschulen weit entfernt sind von der modernen Arbeitsumgebung. Dies wird sich durch die häufig webbasierten Tools des E-Commerce vermeiden lassen. Und: auch die Notwendigkeit, gerade in diesem Beruf in kurzen Zyklen das (Ausbilder-)Wissen aufzufrischen, ist bei den Schulen inzwischen erkannt und akzeptiert.

Der neue Beruf ist auf der Zielgeraden.

Übrigens: Wenn Sie sich für Bewertung von Unternehmen, Marken und Geschäfsmodellen interessieren, führen wir wiederum gemeinsam mit der KPMG am 4. Juli ein weiteres Fachseminar für unsere Mitglieder durch. Bei Interesse melden Sie sich direkt bei Jana Franke im bevh.

Digital-Hügel

eine Widerrede von Martin Groß-Albenhausen, 14.6.2017

In der britischen Komödie „Der Engländer, der auf einen Hügel stieg, und von einem Berg herunterkam“ passiert genau das Gegenteil dessen, was der Titel verheißt. Am Anfang wird ein Berg vermessen und festgestellt, dass er diese Bezeichnung nicht verdient. Erst durch künstliches Aufschütten gelingt es, am Ende die nötigen zwei Fuß über das Mindestmaß eines „Mountain“ hinauszuwachsen.

Die Bundesregierung hat in den vergangenen zwei Tagen ihren Digital-Gipfel bestiegen. Als Nachfolgeveranstaltung des Nationalen IT Gipfels hat der Ludwigshafener Konvent einen Schwerpunkt auf der Technologie. Er reiht sich ein in die Abschlussveranstaltungen der Digitalen Agenda der auslaufenden Legislaturperiode.

Entsprechend schwelgt das Abschlussdokument in Machbarkeitsvisionen und bricht die dystopischen Einwände durch Grundforderungen wie „Security by Design“. Wir kennen die Forderung aus der Datenschutz-Diskussion, und hier sind die Probleme einer Umsetzung bereits überdeutlich geworden.

Wie bei so vielen Abschlussveranstaltungen fehlt auch der „Ludwigshafener Erklärung“ die Reflexion der heute geltenden Regularien und der darüber hinaus diskutierten möglichen Neuordnungen. Die gleichen Personen, die in Ludwigshafen Digitalisierung als conditio sine qua non für künftige Steuereinnahmen hochhalten („Deutschland ist Industrie 4.0-Land Nr. 1. Diese Position wollen wir halten und ausbauen.“), beabsichtigen zu Hause, die sich entfaltenden Triebe überall da zu kappen, wo sie das Mauerwerk des Gesellschaftsgebäudes aufbrechen könnten.

So hat der Digital-Gipfel 2017 ausgerechnet „e-Health“ als Schwerpunkt-Thema gewählt. Groß ist die Hoffnung:

„Der begonnene Aufbau der sicheren Infrastruktur ermöglicht neue digitale Anwendungen im Gesundheitswesen und die Erschließung neuer versorgungs-, wirtschafts- und beschäftigungspolitischer Potenziale, in deren Erschließung wir auch verstärkt Start-ups mit ihren neuen Ideen einbeziehen sollten.“


Beschlossen und verkündet? Auf der Bühne stehen u.a. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Erstere hat noch vergangene Woche auf der Abschlussveranstaltung der ministeriumseigenen „Dialogplattform Einzelhandel“ ein persönliches vehementes Bekenntnis zum stationären Handel abgegeben. Letzterer will den Onlinehandel mit Medikamenten, Eckstein neuer versorgungspolitischer Potentiale, per Gesetz verbieten lassen.

Wer sich wirklich mit durchgängigen digitalen Geschäftsmodellen beschäftigt, erkennt die Widersprüche der politischen Willensbekundungen und der regulatorischen Praxis. Und der Disruption, die sich einfach nicht darum schert.

Disruption, dieses böse Wort, dem das Bundeswirtschaftsministerium im Weißbuch „Digitale Plattformen“ seine Ziele für eine Digitalisierung „made in Europe“ entgegenschleudert.

Transformation statt Disruption: Deutschland und Europa brauchen einen politisch begleiteten und moderierten Prozess des digitalen Wandels. Es darf keine ungesteuerte Entwicklung der Digitalisierung geben. Wenn wir die Transformation erfolgreich gestalten wollen, müssen wir die Risikobereitschaft der Unternehmen und der Menschen stärken und gleichzeitig Vertrauen in die digitale Zukunft der Volkswirtschaften in Deutschland und Europa schaffen. Dazu bedarf es klarer Regeln."

Wer einen Gipfel besteigt, sollte mindestens verstanden haben, dass der majestätische glatte Grat aus einer Folge von Scharten, Brüchen, Klippen und Kanten besteht. Er sollte – um eine Forderung von Alain Veuve aufzugreifen – statt von „Digitaler Transformation“ von „Perpetual Disruption“ sprechen.

Aber den Politikern fehlt der Mut, diese Wahrheit auszusprechen: Es wird kein Spaziergang. Es wird Verlierer der Digitalisierung geben. Wir werden nicht jedes Geschäftsmodell retten können. Transformation reicht nicht. Die Disruption kann man nicht wegmoderieren, nicht wegregulieren, nicht wegregieren.

Immerhin spricht die „Ludwigshafener Erklärung“ auch von der Notwendigkeit, Digitalisierung schon in die Grundschulen zu bringen. Hier lässt die Politik den Worten bereits hastig Taten folgen und unterstützt mit dem Calliope Mini ein – ja, was denn eigentlich? Ein Stück Technik, mit dem Drittklässler Grundzüge des "Codens" lernen sollen. Sieht ein bisschen aus wie ein Raspberry Pi, kann aber weniger. Und wird vermutlich Kinder, die in der Vorschule schon mit Smart Devices virtuos umgehen, in etwa so lange faszinieren wie meine Kinder mein alter FischerTechnik-Baukasten. (Väter wissen, wovon ich rede.)

Nicht falsch verstehen: Ich hätte sehr begrüßt, wenn meine Kinder vor fünf Jahren einen Calliope Mini in der Schule kennengelernt hätten. Aber ganz ehrlich: Mein Sohn programmiert heute auch ohne solche Unterstützung mit nicht mal 16 Jahren Websites und geht mit Software um, die ich nicht mehr verstehe. Nicht jeder muss programmieren lernen, um erfolgreich digitale Werte und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ich stimme Sascha Lobo zu, dass programmieren lernen nicht gleichzusetzen ist mit dem Erwerb digitaler Kompetenz. Deswegen verlangt und lehrt unser neuer Beruf "E-Commerce-Kaufleute" auch keine Programmier-Kenntnisse.

Überhaupt: warum sollte man Schulkinder nicht gleich an Technik schulen, die ihre nächsten zehn Jahre umwälzen wird?  Viele ideologisch geprägte Diskussionen an den Schulen über Nutzen und Nachteil von digitalen Innovationen (und der unweigerlich resultierenden Disruption) würden einem echten Verständnis für Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken weichen.

Politiker, die einen Gipfel bestiegen und feststellten, dass die Berge erst dahinter anfingen: Wenn man die Perspektive der dokumentierten Erkenntnisse, niedergeschrieben in der „Ludwigshafener Erklärung“, als Messlatte nimmt, war dieser Gipfel eine Bodenwelle. 

Sicher: bei entsprechender Geschwindigkeit kann man auch darüber abheben und einen Höhenflug starten.

Oder bruchlanden.

E-Commerce Agenda 2017


Mit der E-Commerce-Agenda 2017 formuliert der bevh seine politischen Forderungen an die politischen Parteien im Wahljahr 2017. Download

 

 

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Dieser Jahresbericht erläutert die Arbeit unseres Verbandes im Jahr 2016. Er zeigt Möglichkeiten, wie Sie als Mitglied und Preferred Business Partner von einer Mitgliedschaft profitieren können. Download


                                 

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