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Nischenprodukte und Nischen-Webshops – weswegen sich die Platzierung von Spezialsortimenten lohnt

geschrieben von Sybille Schäftner, Online-Redakteurin bei real2business, am 14.08.2018

Viele Gründer nehmen sich erfolgreiche Unternehmen wie Apple oder Google zum Vorbild, wenn es beispielsweise um die Gestaltung des Sortiments und Marketingstrategien geht. Start-Ups können jedoch nicht nur von den größten Unternehmen, die den Massenmarkt bedienen, lernen. Auch zahlreiche Firmen, die sich auf Nischen spezialisiert haben, zählen mittlerweile zu den Weltmarktführern. Wie sich Händler durch Nischen einen Vorteil verschaffen können, wird im Folgenden genauer beleuchtet. 

Was ist unter Nischenprodukten zu verstehen?

Im Gegensatz zu Massenmarktprodukten sind Nischenartikel für gewöhnlich in einem höheren Preissegment angesiedelt. Grund dafür ist schlichtweg das Angebot-Nachfrage-Prinzip: Produkte, welche die breite Masse ansprechen, sind aufgrund der hohen Nachfrage, die bisweilen sogar das Angebot übersteigt, verhältnismäßig günstig. Nischenprodukte werden hingegen in geringen Mengen und nur von einem bis wenigen Herstellern angeboten, was den Wert maßgeblich erhöht.

Was ist die richtige Nische?

Sofern nicht auf Anhieb eine Idee für ein geeignetes Nischenprodukt vorliegt, lohnt es sich, vorab ausführlich zu recherchieren. Sinnvoller Ansatzpunkt ist der Vergleich von angebotenen Produkten auf unterschiedlichen Internetplattformen: Artikel, die grundsätzlich nur in geringen Mengen erhältlich sind, können ein Indiz dafür sein, dass es sich für Händler lohnt, den entsprechenden Markt möglichst konkurrenzlos zu erschließen. In diesem Zusammenhang sollte abgeschätzt werden, als wie gewinnbringend das jeweilige Produkt einzustufen ist. Tools wie Google Trends oder der Keyword Planer können hierbei zur Hilfe genommen werden: Sie geben Auskunft darüber, welche Produkte sich zunehmender Beliebtheit bei den Kunden erfreuen. Eine weitere Anlaufstelle sind Produzenten oder Großhändler, die Informationen liefern können, welche Artikel verstärkt gekauft werden. Alternativ können auch Keywordtools verwendet werden: Durch die Eingabe eines Überbegriffs lassen sich zahlreiche Unterkategorien beziehungsweise Produkte finden, die zu einem Nischenmarkt gehören.

Sinnvoll ist es zudem, Produkte beziehungsweise Dienstleistungen anzubieten, die spezifische Probleme von Menschen lösen. Dabei sollten sich Händler selbst die Frage stellen, bei welchen Problemstellungen sie ihren potenziellen Kunden mit entsprechendem Know-how effektiv weiterhelfen können. Es kann dabei sinnvoll sein, mehrere Nischen miteinander zu kombinieren, um sich ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zur Konkurrenz zu schaffen. Auf diese Weise können Händler auch unterschiedliche Kategorien gleichzeitig bedienen: So lassen sich beispielsweise Tierbedarf und Reiseartikel sinnvoll zusammenschließen. Reisenäpfe oder Reisebetten für Hunde stellen Nischenartikel dar, die das Problem von Hundebesitzern lösen, passende Produkte für ihren Vierbeiner zu finden, die unterwegs eingesetzt werden können. 

Weitere Beispiele für Cross-Nischen sind die folgenden:

  • Babyartikel + Organic-Bereich, zum Beispiel Babykleidung aus natürlichen Materialien
  • DIY + Schönheitsartikel, zum Beispiel Sets für die Herstellung eines eigenen Parfums
  • Reiseartikel + Beautyprodukte, zum Beispiel Kosmetiksets in Reisegröße

Mit Nischenprodukten als Experte des Marktes auftreten und langfristig Kunden gewinnen

Entscheidender Vorteil am Bedienen von Nischen ist, dass wenig bis keine Konkurrenz herrscht. Händler können sich als Experte ihres Marktes präsentieren, sich von Massenanbietern abheben und dadurch die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden verstärkt auf sich ziehen. Märkte, die nicht das Interesse der breiten Masse wecken, werden als sogenannte „Blaue Ozeane“ bezeichnet. Für Händler ist es sinnvoll, diese Welten zu erschließen und mit einem Produkt aufzuwarten, für das sich viele Menschen interessieren und bei welchem der Bedarf nicht oder unzureichend gedeckt ist. Eben jenes Produkt kann durch gezielte Werbung und entsprechende Verkaufsstrategien gefördert werden.

Gerade im Internet bietet es sich an, auf Nischenprodukte zu setzen: Im World Wide Web existieren keinerlei räumliche Grenzen, weswegen vielfältige Sortimente möglich sind. Während Nischenprodukte in stationären Läden oftmals keinerlei Beachtung geschenkt wird, bieten sie Händlern online die Möglichkeit, ihre eigene Marke noch bekannter zu machen. Kunden erhalten nur bei diesem einen oder wenigen Händlern die Möglichkeit, ihr Problem zu lösen beziehungsweise den Artikel zu erhalten, nach dem sie lange Zeit gesucht haben. Gerade dieser Aspekt führt dazu, dass Kunden langfristig treu bleiben und das entsprechende Produkt beziehungsweise die Dienstleistung noch häufiger weiterempfehlen. Im Zuge dessen bietet es sich für Händler an, auf Fragen und Wünsche ihrer Kunden genau zu achten: Auf diese Weise lassen sich weitere Problemstellungen ablesen, die entsprechende Lösungen erfordern. Gelingt es dem Händler, auch künftig die gewünschten Dienstleistungen und Produkte anzubieten, ist langfristiger Erfolg durchaus wahrscheinlich. 

Wie können Händler die Aufmerksamkeit für ihr Nischenprodukt steigern?

Gerade aufgrund der verhältnismäßig speziellen Eigenschaften von Nischenprodukten beziehungsweise -Webshops ist es von großer Bedeutung, das entsprechende Angebot bekannt zu machen. Dies gelingt mit ausgeklügelten Werbe- und Marketingmaßnahmen: Social Media Plattformen, insbesondere Facebook, Pinterest und Instagram, bieten eine gute Gelegenheit, potenzielle Kunden mit den eigenen Produkten vertraut zu machen. Das Schalten von individuell gestalteten Werbeanzeigen trägt zu einer noch größeren Reichweite bei. Wer einen eigenen Blog pflegt, kann auch darüber zahlreiche User ansprechen, sofern bereits eine verhältnismäßig große Leserschaft aufgebaut wurde.

Abschließend lässt sich festhalten, dass das Bedienen eines Nischenmarkts durchaus erfolgsversprechend sein kann: Am wichtigsten ist es, die Einzigartigkeit beziehungsweise die Seltenheit des Angebots zu bewahren, um den USP („Unique Selling Proposition“) zu erreichen. Durch den einzigartigen Nutzen sollen potenzielle Konsumenten zum Kauf angeregt werden. Um dies zu gewährleisten, ist eine durchgehende Beobachtung des entsprechenden Markts und das passende Reagieren in Form von angebotenen Produkten beziehungsweise Dienstleistungen unerlässlich.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Erfolg basiert auf Kundenverständnis

Gastbeitrag von: Oliver Peters, Country Manager DACH bei Lengow

Zunehmend vernetzt, nomadisch und volatil, zwingen Verbraucher Online-Händler dazu, ihre Strategien ständig zu überdenken. Um ein reibungsloses, schnelles und einzigartiges Einkaufserlebnis für Verbraucher zu schaffen, ist es wichtig, seine Kunden zu kennen, damit ihnen zum richtigen Zeitpunkt das beste Angebot gemacht werden kann. Was sind die Erwartungen und Bedürfnisse der Kunden? Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um sie perfekt anzusprechen? Wie ist es möglich, einen Erfolg oder Misserfolg zu seinen Gunsten zu nutzen? Es gibt zahlreiche Schritte zu berücksichtigen, um das Tandem Händler-Kunde zu einem Erfolg zu machen. 

1/ Kaufmöglichkeiten für die Kunden erhöhen

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist mittlerweile über Desktop, Smartphone oder Tablet mit dem Internet verbunden, so der aktuelle Internet Trends-Bericht der US-Analystin Mary Meeker. Der Zugang zum Internet breitet sich unaufhaltbar aus und immer mehr Nutzer werden zu E-Shoppern auf der Suche nach Schnäppchen, exklusiven Neuheiten und einer größeren Auswahl an Produkten.

Verbraucher haben viele Facetten, die es zu entdecken gilt, bevor man ihnen ein Produkt bzw. eine Dienstleistung anbietet. Hier ein paar verschiedene Shopping-Typen: Da wären der sparsame Shopper (Schnäppchenjäger), der vergleichende Shopper (vergleicht Preise und Produkte), der faule Shopper (bricht Kauf durch zu lange Anmeldeprozesse ab) oder auch der opportunistische Shopper (wartet auf Ausverkaufsperioden). Die Vielfalt des menschlichen Charakters scheint sich auch in den verschiedenen Shopper-Typen zu spiegeln. Jeder Typus sollte richtig angesprochen werden und es muss darauf geachtet werden, wo jeder am liebsten „shoppt“.

Hinzu kommt, dass die Kaufgewohnheiten vielfältig und komplex geworden sind. Als Omnikanal-Enthusiasten wollen Kunden Einkäufe tätigen, wo und wann sie wollen, und jonglieren geschickt zwischen Desktop-PC und Smartphone bzw. zwischen Online und Offline.

Angesichts dieser Nachfrage sind sowohl Online- als auch Offline-Geschäfte wieder in vollem Gange, wie die zunehmende Zahl von Allianzen zwischen Einzelhandel- und E-Commerce-Unternehmen zeigt: Walmart und Microsoft, Carrefour und Tencent oder Auchan und Alibaba. Ziel dieser Kooperationen ist es, allen Marktteilnehmern ein einheitliches, innovatives und punktgenaues Einkaufserlebnis zu bieten und gleichzeitig die eigene Attraktivität zu steigern.

Diese neue Schlagkraft muss auch für den grenzüberschreitenden E-Commerce eingesetzt werden, da E-Shopper nun vermehrt auch Cross-Border Produkte kaufen. So erwerben beispielsweise 70 Prozent der europäischen E-Kunden im Ausland Produkte. Geographische Barrieren verschwinden damit endgültig zugunsten des globalisierten Handels.

2/ Mit dem Kunden zur richtigen Zeit am richtigen Ort interagieren 

Auch wenn China und Indien die meisten Internetnutzer haben sind es die USA und China, die mit Akteuren wie Amazon und Alibaba den internationalen E-Commerce-Markt dominieren. Beide Firmen, die respektiv zu den GAFAM (Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft) bzw. BATX (Baidu, Alibaba, Tencent und Xiaomi) gehören, führen einen unerbittlichen Kampf. Die zwei Giganten, die zusammen einen Umsatz von 60 Milliarden Euro im ersten Quartal 2018 erwirtschafteten, erweitern Tag für Tag ihr Handelsgebiet, um ihren Marktanteil zu erhöhen und ihre Dominanz auf dem internationalen Markt zu festigen.

Um den E-Commerce von morgen zu erfinden, bringen große sowie kleine Unternehmen disruptive Innovationen auf den Markt und stärken ihr Ökosystem durch Investitionen in F&E oder durch Kooperationen, wie oben bereits erwähnt. Von der künstlichen Intelligenz bis zum Phygital stellen sie sich neuen Herausforderungen, um ihre Präsenz bei den Verbrauchern zu stärken, um diese zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu erreichen, unabhängig von Land und Kontaktpunkt.

Im Jahr 2018 wird der Markt für künstliche Intelligenz 7,35 Mrd. US-Dollar schwer sein. Er wird viele Sektoren, einschließlich des Handels, verändern. Visuell nach einem Produkt suchen, einen Bot fragen, Einkäufe über einen Sprachassistenten bestellen, ein Angebot erhalten, das auf einem persönlichen „Einkaufspfad“ basiert etc. – all das wird möglich. Künstliche Intelligenz gepaart mit Datenverwertung ist in Zeiten der Hyperpersonalisierung unabdingbar, um den Kunden perfekt anzusprechen. Dabei muss natürlich immer der rechtliche Rahmen der Benutzung personenbezogener Daten beachtet werden. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die am 25. Mai in Kraft getreten ist, hat zu dem Thema viel beigetragen.      

Neben einem personalisierten Einkaufserlebnis wünschen sich die Verbraucher von morgen vor allem auch Einfachheit. Die Eröffnungen von Hema Fresh in China oder von Amazon Go in den USA zeugen von einer ganz realen (R)Evolution, bei der sich die virtuelle und die reale Sphäre zugunsten einer vereinfachten Beziehung vereinen, in der das Mobile im Mittelpunkt steht.
 

3/ Innovationen, um den Kunden zufriedenzustellen

Projekte und Ideen, um die Kundenzufriedenheit zu steigern, bringen dem Sektor echte Fortschritte. Um mit den sich ändernden Kaufgewohnheiten der Verbraucher und dem zunehmenden und nun globalen Wettbewerb Schritt halten zu können, müssen sich die Marktteilnehmer ständig erneuern. Der Schlüssel zum Erfolg besteht darin, den Kunden und dessen Einkaufserlebnis in den Mittelpunkt der Strategie zu stellen.

Um die „Customer Journey“ und Innovationen in dem Bereich zu diskutieren, haben wir den diesjährigen Lengow Day, eines der größten E-Commerce-Events in Europa, genau diesem Thema gewidmet. Sie sind herzlich dazu eingeladen, am 27. September 2018 beim Lengow Day in Paris im Pavillon Gabriel teilzunehmen. Lengow möchte Händler dabei unterstützen, ihr (Online-)Geschäft weiter auszubauen und ihnen dazu verhelfen, Hauptakteure in der internationalen E-Commerce-Branche zu werden. Die eintägige Veranstaltung mit zahlreichen Konferenzen, Workshops und Networking-Sitzungen liefert dafür den Rahmen. Mit dem Motto „Go Beyond“ widmet sich die sechste Ausgabe des Lengow Day der „Customer Journey“ anhand von drei Themenkomplexen: "Get To Know Your Future Customers", "Think Better, Act Closer" und "Go Beyond Your Achievements".

Eckdaten zum Lengow Day 2018

Termin: Donnerstag, 27. September 2018

Veranstaltungsort: Pavillon Gabriel, 5 avenue Gabriel, 75008 Paris

Format: Keynotes, Round Tables, Workshops und Case Study Präsentationen

Teilnehmer: 400 E-Commerce-Experten und -Entscheider aus ganz Europa

Bewerbung Startups: http://ow.ly/LEYA30l1BWJ

Normale Tickets: http://lengow.com/lengowday/

Mehr Selbstbestimmung der europäischen Digitalwirtschaft durch Allianzen

Gastbeitrag von Jan Oetjen, CEO 1&1 Mail & Media Applications SE mit den Marken WEB.DE und GMX

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kommen die Gewinner der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) aus Amerika. Amazon, Facebook und Google können ihre Dominanz weiter ausbauen, indem sie durch die zahlreichen Nutzerkontakte über Suche, Social Network, Messenger oder Shopping App weitreichende Einwilligungen zu ihren Datenschutzbedingungen erzielen. Bereits heute nehmen Google und Facebook zwei Drittel der weltweiten Ausgaben für Online-Werbung ein. Im E-Commerce dominiert Amazon, obwohl nationale Anbieter in Sachen Preis und Service durchaus konkurrenzfähig sind.

Durch die dominante Stellung der US-Dienste fließt ein Großteil des Umsatzes bei Werbung und Handel an nationalen Anbietern vorbei. Damit nicht genug – aus Asien drängen neue Plattformen auf den europäischen Markt. Doch auch weitere Faktoren sind für die deutsche Wirtschaft kritisch, etwa die Datenkonzentration bei diesen Plattformbetreibern sowie die Machtposition beim Setzen der Standards in den digitalen Schlüsseltechnologien. Weder der Nutzer noch ein europäisches Unternehmen, das am digitalen Leben teilnehmen möchte, kann sich den Vorgaben und Standards der GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon) entziehen. So ist bereits die Einrichtung eines Smartphones ohne Google- oder Apple-Konto kaum möglich. Die neuen Datenschutz-Regelungen verstärken diese Entwicklung noch einmal dramatisch, denn der Umgang mit Nutzerdaten wird durch sie erheblich erschwert. Wer keine eingeloggten Nutzer hat, wird sich schwer tun, die notwendigen Opt-ins dauerhaft einzusammeln und seine Shop-Besucher im Netz wiederzufinden.

Offenkundigstes Beispiel ist die Verwendung von Cookies. Überall im Internet tauchen seit dem 25. Mai Cookie-Laschen oder komplette Einwilligungsseiten auf, die der Nutzer vor Ansicht einer Website bestätigen muss. Dumm nur, dass oftmals die Cookies automatisch geblockt oder gelöscht werden und das Spiel von vorne beginnt. Das nervt die Nutzer zunehmend, weil es das Surf-Erlebnis stört und die Nutzer mittelfristig eher animiert, in den geschlossenen Ökosystemen von Facebook oder Amazon zu bleiben, denn die holen die Einwilligung für all ihre Dienste einmal zentral beim Log-in ein und müssen den Nutzer danach nicht mehr behelligen.

Hinzu kommen technologische Entwicklungen, die den Bedeutungsverlust der Cookies zusätzlich fördern. Die Multi-Screen-Nutzung ist Alltag geworden, doch mit dem Cookie lässt sich kein Cross-Device-Targeting bewerkstelligen. Zudem unterdrücken Adblocker sowie die Browser – auch hier bestimmen Google und Apple die Spielregeln – die Verwendung von Cookies. Werden aktuell über drei Viertel der Nutzerinformationen noch in Cookies gespeichert, wird sich dies ab 2019 im Rahmen der digitalen Neuordnung stark auf die digitale Identität des Nutzers verlagern. Kurz gesagt: Wir befinden uns am Ende der Cookie-Ära und am Anfang der ID-Ära.

Steht ein Wandel der Digitalwirtschaft bevor und wie können Unternehmen davon profitieren?
In der kommenden ID-Ära gelten neue Spielregeln. Das heißt nicht, dass der Cookie vollkommen verschwindet, aber er verliert seine dominante Stellung. Nutzer werden stattdessen ihre Identität über dauerhafte Log-ins angeben und verwalten – anders werden die erforderlichen Nutzerzustimmungen und Profildaten nicht für den Nutzer transparent und die Unternehmen nutzbar sein. Um nicht bei jedem Dienst einen neuen Account anlegen zu müssen, wird es Single Sign-on-Lösungen geben müssen. Diese ermöglichen es dem Nutzer, sich mit einem Log-in über verschiedene Dienste zu bewegen.

Wer von diesem Wandel profitieren will, braucht Allianzen. Um mit der digitalen Identität nicht eine weitere Schlüsseltechnologie an die großen US-amerikanischen Wettbewerber zu verlieren, haben Mediengruppe RTL Deutschland, ProSiebenSat.1 sowie United Internet die European netID Foundation gegründet. Die Initiatoren führen mit der netID einen offenen und rechtssicheren Standard ein, der die technischen Standards für die übergreifende ID des Nutzers regelt. Dezentral, transparent und europäisch sind die Säulen des Konzeptes. So wird die Governance über eine neutrale Stiftung orchestriert, die der Branche offen steht. Die Single Sign-on-Lösung wird sich durch eine transparente und standardisierte Erfassung von Daten und Nutzereinwilligungen differenzieren. Wichtiger Punkt ist die Offenheit – jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, sich dem Standard anzuschließen und ihn aktiv mit zu bestimmen und zu gestalten. 

Wie verändert die netID den Markt?
Die Schaffung eines unabhängigen, offenen Standards für die digitale Nutzeridentität ist die letzte Chance für die europäische Digitalindustrie, sich nicht vom Zugang zum Nutzer abschneiden zu lassen. Es kann nicht das Ziel sein, dass Google, Apple, Facebook und Amazon als alleinige Gatekeeper fungieren. Die Chancen der neuen Datenschutzregeln zu nutzen, gelingt nur in übergreifenden und offenen Initiativen, die die europäische Industrie auf Augenhöhe mit internatio­nalen Playern bringen. Die gesamte Digitalindustrie aus Online-Händlern, Werbekunden, Agenturen, Publishern und Vermarktern hängt zusammen. Sie kann auch nur eine begrenzte Anzahl von Systemen und Stan­dards unterstützen. Gleichzeitig besitzen nur wenige Anbieter alleine eine für den Markterfolg kritische Größe, deshalb sind Kooperationen entscheidend für die Zukunftssicherung der europäischen Digitalindustrie.

Bei Allianzen gilt: je größer, desto besser. Daher möchte die European netID Foundation so viele Partner wie möglich gewinnen. Um weiterhin in der Digitalwirtschaft bestehen zu können, gerade in Anbetracht der neuen EU-Datenschutzrichtlinien, müssen die Unternehmen zusammenarbeiten und europäisch denken. Dies haben nicht nur die Gründungspartner verstanden. Sowohl national als auch international ist das Interesse an einem Beitritt zur European netID Foundation sehr groß. So konnte die Zalando Group als Partner gewonnen werden. Mit 60 Unternehmen aller Branchen führen wir derzeit Gespräche über eine Kooperation. Auch im europäischen Ausland ist das Interesse groß, so hat z.B. der österreichische Handelsverband bereits eine Kooperation mit der netID geschlossen um den Standard auch in Österreich zu verbreiten. 

Wie wird die Stiftung den Handel, insbesondere den E-Commerce, beeinflussen?
Die Etablierung eines gemeinsamen europäischen Log-in-Standards hat zahlreiche Vorteile für die digitale Industrie und insbesondere für den Online-Handel. Sowohl die Schlagkraft als auch die Reichweite steigen für die Unternehmen enorm. Insgesamt erreichen die Initiatoren bereits zum Start der netID im Sommer rund 50 Millionen Unique User, von denen bereits ca. 35 Mio. einen netID-Account haben. So können sich z.B. alle monatlich aktiven Nutzer von WEB.DE und GMX im DACH-Raum direkt mit ihrer E-Mail-Adresse und dem dazugehörigen Passwort beim Partner anmelden und bei einer Bestellung ihre Adressdaten mit einem Klick aus dem WEB.DE oder GMX Konto übertragen.

Der Nutzer kann jederzeit selbst bestimmen, welche Daten verwendet werden sollen und welche nicht – die Datensouveränität liegt komplett bei den Usern. 

Gleichzeitig bringt die netID auch der Branche wieder mehr Selbstbestimmung, denn die Standards werden in Europa gesetzt und nicht in den USA oder Asien.

Chinas E-Commerce-Gigant JD.com – Ein starker Player im globalen Handel, den wir ernst nehmen sollten

Ein Kommentar von Elena Gatti, Managing Director DACH Azoya

Amazon und Alibaba dominieren die Schlagzeilen im globalen Einzelhandel und nur wenige kennen in Deutschland den chinesischen Einzelhändler JD.Com, und dass obwohl das Unternehmen jedes Jahr mehr Einnahmen generiert als Alibaba. Das wird sich nun wohl ändern, denn JD.com expandiert nach Deutschland. 

Seine globale Expansion hat JD.Com bereits vor einer Weile begonnen – der Fokus lag allerdings bislang nicht auf Europa. Jetzt kommt der E-Commerce Gigant zu uns und ich gebe einen kleinen Einblick, warum JD.Com so spannend ist, welche großen strategischen Schritte das Unternehmen schon gegangen ist und warum auch deutsche Händler den Konzern aus Fernost im Auge behalten sollten. 

JD.coms Inhouse-Modell versus Alibabas Ökosystem 
Alibaba kennt (fast) jeder, JD.Com weniger – daher ist eine wichtige Frage: Was unterscheidet die beiden Player? 

Das Geschäftsmodell von JD.com legt seinen Schwerpunkt auf Direktvertrieb, Inhouse-Logistik und engagierten Kundenservice. JD.com betreibt für seine inhouse-Logistik fast 500 Lager im ganzen Land und beschäftigt mehr als 150.000 Mitarbeiter. 

Alibaba hingegen baut in erster Linie auf ein „Asset-Light-Marktplatzmodell“, bei dem Technologie und Logistikpartner von Drittanbietern eingesetzt werden, um Händlern beim Verkauf und der Lieferung an Verbraucher zu helfen. 

Kurz gesagt, JD.com ist in erster Linie ein Online-Händler, der Produkte kauft und verkauft, während Alibaba in erster Linie eine Plattform für Drittverkäufer ist. Grundsätzlich aber haben beide Konzerne sich in den letzten Jahren immer stärker in den “Bereich” des anderen verzweigt. JD.coms starke Customer Experience hat dazu beigetragen, den Umsatz des Unternehmens auf 55,7 Milliarden Dollar pro Jahr zu steigern. Mit einem Marktanteil von rund 32,5 Prozent in Chinas hart umkämpfter B2C-E-Commerce-Branche ist JD.com der größte Online-Direkthändler in China.

Die grenzenlose “Retail Alliance” von JD.com
JD.com hat den Social-Media-Giganten Tencent, die Suchmaschine Baidu und den E-Commerce-Konkurrenten Vipshop als Partner für seine grenzenlosen “Retail-Allianz” gewinnen können. Tencent hält 18 Prozent der Aktien von JD.com und hat sich mit JD.com zusammengeschlossen und hat im vergangenen Dezember 864 Millionen Dollar in Chinas drittgrößte E-Commerce-Plattform Vipshop investiert. Wal-Mart besitzt 10 Prozent der Anteile von JD.com und ist seit 2016 Partner in einer Reihe von Initiativen. Google hat trotz seiner begrenzten Präsenz auf dem chinesischen Markt im Juni eine Investition von 550 Millionen Dollar in JD.com angekündigt. 

Was bedeuten diese strategischen Partnerschaften, und wie können diese Akteure JD.com in ihrem Bemühen um eine globale E-Commerce-Dominanz unterstützen?

Googles Daten ermöglichen JD.com einen wichtigen Aufschwung
Google und Baidu – beide dominante Suchmaschinen – haben in der Vergangenheit versucht, in den E-Commerce vorzudringen – mit wenig Erfolg. Baidu unterzeichnete im August 2017 eine strategische Partnerschaft mit JD.com und Google gab kürzlich eine Investition von 550 Millionen Dollar in JD.com bekannt. Warum?

E-Commerce-Plattformen geben jedes Jahr viel Geld für Suchanzeigen aus, um sicherzustellen, dass ihre Produkte an der Spitze jeder Suche stehen. Da sie selbst jedoch größer werden, beginnen Kunden, direkt zu E-Commerce-Plattformen zu gehen, um nach Produkten zu suchen. Dort können Einzelhändler und Brands Anzeigen kaufen, die den Traffic direkt zu ihren Produkten führen. Keine Suchmaschine mehr nötig. Um hier gegenzusteuern, sind beide eine Partnerschaft mit JD.com eingegangen. Die großen Datenbestände von JD.com geben ihnen Einblicke in das Kaufverhalten der Kunden und sie können JD.com bei der Anzeigenplatzierungsstrategie beraten. JD.com platziert zudem Bannerwerbung in seinem riesigen Werbenetzwerk. Mit diesen Partnerschaften können sie gemeinsam ihre Anzeigen so positionieren, dass sie mit denen von Alibaba konkurrieren können, wahrscheinlich in Südostasien, wo JD.com seine Präsenz schon rasch ausbaut.

JD.coms Partnerschaft mit dem weltgrößten Einzelhändler Wal-Mart
Bereits im Jahr 2016 schließt JD.com eine Partnerschaft mit Wal-Mart, dem weltweit größten Einzelhändler. Diese Partnerschaft ist insofern bedeutsam, als dass der größte Offline-Händler der Welt mit der zweitgrößten E-Commerce-Plattform in China zusammenarbeitet. Wal-Mart kann den Marktplatz und die User von JD.com nutzen, um direkt an chinesische Verbraucher zu verkaufen und so sein Offline-Geschäft im Land smart ergänzen. Die JD-Plattform „Daojia“ ist ein O2O-Lebensmittelzustelldienst (Offline to Online), der Lebensmittel innerhalb einer Stunde an Kunden liefert, und Wal-Mart ist ein wichtiger Lieferant.

JD.com kann seine Waren auch offline in Wal-Mart-Shops verkaufen und sie auch als Distributionszentren nutzen. Da JD.com seine Waren in erster Linie in zentralen Lagern in Kundennähe lagert und sich auf die Last-Mile-Delivery konzentriert, nicht auf die Bereitstellung einer End-to-End-Logistik, ist die Aufnahme der physischen Standorte von Wal-Mart in ganz China ein beträchtlicher Vorteil. Und da JD.com plant, bis Ende dieses Jahres auf den US-Markt zu expandieren, könnte Wal-Mart eine entscheidende Rolle dabei spielen, JD.com bei seinen Plänen zu unterstützen.

JD.com globalisiert – auch nach Deutschland
All diese Partnerschaften führen dazu, dass JD.com heute in der Lage ist, Alibaba und möglicherweise auch Amazon auf der globalen Bühne herauszufordern. JD.com ist mit seiner internationalen Version Joybuy, die erst im vergangenen Monat in Spanien eingeführt wurde, bereits auf dem Vormarsch. JD.com hat auch lokale Websites in Thailand und Indonesien gestartet. Zudem hat das Unternehme öffentlich erklärt, dass es beabsichtigt, Amazon um den Vorrang in den USA anzufechten und es ist wahrscheinlich, dass Wal-Mart und Google eine Schlüsselrolle spielen werden. JD.com kann wichtige Marktanteile gewinnen, indem es Waren zu einem niedrigeren Preis in China beschafft als Amazon. 

Das Herzstück von JD.com in China ist der direkte Einzelhandel, indem das Unternehmen Lagerbestände kauft und Produkte in kundennahen Lagern lagert, um den Kunden ein bestmögliches Einkaufserlebnis zu bieten. Für Deutschland würde dies im ersten Schritt vor allem eines bedeuten: JD.com muss sich zunächst ein Logistiknetzwerk aufbauen, damit es sein Geschäftsmodell auch hier einbringen kann. Und wenn man die bisherige Arbeitsweise des chinesischen Konzerns betrachtet, kann man annehmen, dass auch hierzulande strategische Partner gesucht werden – und das sowohl als auch offline. Wie diese Partnerschaften genau aussehen könnten, dazu kann ich nur mutmaßen. Sicher ist aber, dass JD.com eine starke Kraft im globalen Einzelhandel sein wird und deutsche Händler das Vorgehen der Chinesen im Auge behalten sollten, denn sie sind ein ernstzunehmender Player, der sich vor allem durch eins auszeichnet: Eine sehr gute Customer Experience. 

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Jahresbericht 2017


                                 

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