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Einmal China und zurück: bevh spricht auf der „World Food & Agricultural Products E-Commerce Conference 2017“

Ein kurzer (Reise)Bericht von Christian Milster 03.10.17

Vor gut zwei Monaten ist das Committee of E-Comerce on China Association of Trade in Services mit der Bitte auf den bevh zugekommen, auf der „World Food & Agricultural Products E-Commerce Conference 2017“ in Weifang (Shandong Province) einen Vortrag zum Thema “E-Commerce in Germany” zu halten. 

Dies war die zweite Veranstaltung dieser Art. Bereits die erste Konferenz im Jahr 2016 war sehr erfolgreich und wurde zudem von den chinesischen Medien sehr gut aufgenommen. 

Nach kurzer Durchsicht des Programms und der eingeladenen Unternehmen (u.a. JD.com, die National Distance Selling Association Russia, die Mexico Chamber of E-Commerce, die UNIDO – United Nations Industrial Development Organization, die Australian Trade Commission, Yishijia.com u.v.m.) war klar, dass der bevh, als Stimme und Interessenvertreter des interaktiven Handels und E-Commerce in Deutschland, bei dieser Veranstaltung nicht fehlen darf. 

Gesagt, getan: Nachdem alle Formalitäten und administrativen Punkte geklärt waren, habe ich mich am Mittwoch den 20.09.17 hochmotiviert und etwas euphorisch, auf den Weg nach China (Weifang) gemacht. Nicht zuletzt, weil von Berlin bis nach China knapp 8.000 km zurückzulegen sind und China gegenüber Deutschland einen zeitlichen Vorsprung von sechs Stunden hat, bin ich (erst) am Vormittag des 21.09.17 zunächst in Peking (Beijing) gelandet. Von dort ging es mit Air China weiter nach Qingdao. Und dann waren es noch einmal gut zwei Stunden mit dem Auto nach Weifang. Klingt anstrengend? War es auch. Aber die Euphorie hatte mich ganz gut im Griff und hat mich wachgehalten. 

Nachdem ich im Hotel eingecheckt und mein Zimmer bezogen hatte, wollte ich China sofort live erleben. An diesem ersten Abend habe ich sehr schnell gelernt, dass für Mofa- und Fahrradfahrer nicht dieselben Verkehrsregeln gelten, wie für Autofahrer oder Fußgänger. Das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber, wenn man es mal verstanden hat. Und das sollte man... 

Am Freitagmorgen (mittlerweile der 22.09.17) habe ich mich gleich nach dem Frühstück wieder ins Chinesische Leben gestürzt, denn dies war mein einziger „freier“ Tag in China. 

Weifang ist eine sehr moderne und zudem ziemlich westlich anmutende Stadt. Sehr viele Hochhäuser – eher ganze Hochhaussiedlungen, viele breite Straßen und (leider) wenig Ursprüngliches – zumindest auf den ersten Blick. An diesem Freitag bin ich gut 20 km quer durch Weifang gelaufen und habe dabei jedoch vergeblich nach Tempeln, Teehäusern oder kleinen Läden gesucht. Dennoch habe ich viel gesehen und konnte mir einen umfassenden Eindruck von der Stadt verschaffen und habe bestimmt mehrere Hundert Fotos gemacht. Ein paar davon folgen weiter unten. 

Weifang ist jedoch nicht nur groß und zudem relativ sauber, sondern auch sehr grün. Das liegt v.a. an den vielen angelegten und sehr gepflegten öffentlichen Parkanlagen. Wenn es einem mal zu heiß wird – und in China ist es Ende September noch ziemlich warm und sehr schwül – kann man einen Abstecher in einen dieser Parks machen und sich im Schatten der Bäume ausruhen und abkühlen. 

Die in Weifang lebenden Chinesen sprechen kaum englisch, sind aber dennoch sehr kontaktfreudig und freundlich. Während meines Spaziergangs sind viele Menschen auf mich zugekommen, um entweder ein Foto mit mir zu machen oder um mich zu berühren. Das ist anfänglich ein wenig befremdlich, aber man gewöhnt sich schnell daran. 

Am Abend hatten die Organisatoren der Konferenz zu einem gemeinsamen Abendessen mit den anwesenden Speakern geladen. Hierbei hatte ich Gelegenheit, einige der anderen Speaker der Konferenz persönlich kennenzulernen und mich mit diesen auszutauschen. 

Das Committee of E-Comerce on China Association of Trade in Services (Organisator) ist nach meinem Kenntnisstand der wichtigste E-Commerce Verband Chinas. Nicht zuletzt aufgrund seiner sehr engen Verbundenheit zur chinesischen Regierung. Daher wurde es beim Speaker’s Dinner auch einmal kurz sehr förmlich: als nämlich zwei hohe Parteifunktionäre eingetroffen sind und sich kurz mit jedem anwesenden Speaker ausgetauscht haben. 

Am Samstagmorgen (23.09.17) ging es sehr früh los. Eintreffen der Speaker auf der Konferenz war 8.30 Uhr, Konferenzbeginn war pünktlich um 9.00 Uhr. Die Agenda war sehr umfassend, vollgepackt mit Keynotes von Speakern aus der ganzen Welt und daher minutiös durchgetaktet. Insofern wurde von den Organisatoren auch sehr streng auf die Einhaltung der Redezeit geachtet, was weitgehend sehr gut funktioniert hat. 

Meine Keynote war für 10.40 Uhr angesetzt. In dieser habe ich den bevh und seine Mitglieder vorgestellt, Zahlen und Fakten zum E-Commerce in Deutschland präsentiert, umfassende Informationen zum Deutschen Online-Shopper vermittelt sowie relevante E-Commerce Trends in Deutschland vorgestellt. Abschließend habe ich mir (natürlich) nicht nehmen lassen, freundlich aber bestimmt in der Sache die Einhaltung europäischer Vorgaben bei Einfuhren aus China in die EU „anzumahnen“. 

Im Anschluss an meinen Vortrag wurde ich von verschiedenen chinesischen Rundfunkanstalten interviewt. Und dann hatte Zeit und Gelegenheit, mir die folgenden Keynotes anzuhören. Und eines ist dabei sehr deutlich geworden: China ist extrem aktiv im E-Commerce und arbeitet dabei mit sehr modernen Mitteln und Methoden. China ist umfassend digitalisiert und uns in vielen diesbezüglichen Punkten weit voraus. Als ein wesentlicher Aspekt ist hier bspw. die starke Marktdurchdringung von Mobile Payment zu nennen. Sechs von zehn chinesischen Verbrauchern zahlen mittlerweile mobil – in Restaurants, in Einkaufszentren, online und in mobilen Apps. Darüber hinaus wollen chinesische Onlinehändler expandieren und ihre Produkte weltweit verkaufen. (Einige der o.g. Punkte hatte ich in meinem Artikel "E-Commerce in China - schnell und einfach?" schon mal etwas näher beleuchtet.)

Umgekehrt haben aber auch viele andere Staaten – u.a. Russland, Spanien, Mexico, Malaysia und Australien – sehr großes Interesse daran, im chinesischen Onlinehandel Fuß zu fassen. Und das ist nur nachvollziehbar: Denn Chinas E-Commerce-Markt ist der größte der Welt. Dabei sind erst knapp über 50 Prozent aller Chinesen (ca. 585 Mio) mit dem Internet vernetzt. Die E-Commerce-Agentur eShop World prognostiziert bis 2021 etwa 844 Mio. chinesische Online-Shopper. Insofern bedeutet in China selbst ein geringer Marktanteil einen relevanten Umsatz für ausländische Einzel- bzw. Onlinehändler. 

Laut eines McKinsey Reports von 2016 hat China mit mehr als 225 Millionen Menschen zudem die größte Mittelschicht der Welt. Und diese verfügt über ein wachsendes verfügbares Einkommen und interessiert sich darüber hinaus verstärkt für internationale Premium-Produkte. Und dies birgt großes Potential für Einzelhändler und Marken aus dem Ausland. 

Gegen Ende der Konferenz wurde ich eingeladen, die offizielle Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Committee of E-Comerce on China Association of Trade in Services und einem anderen Chinesischen Verband zu bezeugen. 

Voll mit vielen neuen Informationen zum E-Commerce in und mit China sowie einer Vielzahl an Eindrücken bin ich an diesem Abend ein letztes Mal durch Weifang spaziert, um das Gehörte und Gesehene noch einmal Revue passieren zu lassen. 

Am nächsten Morgen (24.09.17) ging es bereits um 4.00 Uhr los zum Flughafen Qingdao und von dort dann wieder zurück nach Deutschland. 

Meine kurze Reise nach China war sehr intensiv und informativ. Ich habe viel gesehen und gelernt. China ist viel moderner, als man zunächst vermuten mag. Und ohne mobile läuft in China eigentlich gar nichts. 

Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass China auch in Zukunft eine zentrale Rolle im globalen E-Commerce einnehmen wird.

„Mobile-First“ in der Praxisumsetzung - Clevere Strategien für das Shop-Design

Ein Gastbeitrag von Johannes W. Klinger

Mit der stetigen Zunahme der Nutzung mobiler Endgeräte im eCommerce stellt die Umsetzung des „Mobile-First“-Gedanken eine wichtige Anforderung dar. Dabei bleibt auch Responsive Design ein Trendthema. Es verspricht die beste Lösung, um Inhalte von Online-Shops, sowohl auf stationären PCs wie auch Handys und Tablets darzustellen. Meist wird hier aber daran gearbeitet die klassische Desktop-Darstellung auf mobile Endgeräte zu projizieren. Im Sinne von „Mobile-First“ geht es aber vielmehr darum, die mobile Usability in den Vordergrund zu stellen. Daher kann es ratsam sein, statt einem Responsive Design für alle Endgeräte eigenständig designte mobile Subshops für den mobilen Einkauf einzusetzen. 

Der Sammelbegriff „mobiles Endgerät“ selbst täuscht darüber hinweg, dass die User Experience auf dem Tablet durchaus anders ausfällt als auf dem Smartphone. Grob gilt, je größer das Display, desto mehr Zeit nehmen sich Nutzer für Recherche oder Surfen. Das wiederum hat Folgen auf die Inhalte, die bereitgestellt werden sollten. Da noch immer nicht überall LTE- oder W-LAN-Verbindungen zugänglichen sind, müssen in einem Responsive Design zahlreiche Inhalte zusätzlich angepasst bereitgestellt werden. Hinzu kommt der hohe Arbeitsaufwand beim Design durch eine gestiegene Vielfalt an mobilen Endgeräten, inklusive deren Bildschirmauflösungen und Browserversionen. 

Der Gesamtaufwand für Responsive-Shops liegt daher wesentlich höher als bei klassischen Webshops: Aufwendig zu erstellende und zu testende Steuerungen des Ladeverhaltens sind dann für einen guten Shop leider zwingende Voraussetzung für ein positives Suchmaschinen-Ranking oder ein hohes Einkaufserlebnis durch kurze Wartezeiten. Dadurch können in Responsive-Design-Projekten die Zeiten für die Erstellung eines guten Shops oftmals unerwartet hoch ausfallen. Auch die spätere Update- und Pflegearbeit an Design und Inhalten wird aufwendiger. Die Erfahrung zeigt, dass die investierte Arbeitszeit insgesamt um das Zwei- bis Dreifache gestiegen ist. Das wiederum macht komplexe Shops für mittelständische Händler schnell unwirtschaftlich. 

 

Doppelt gemoppelt hält auch im eCommerce besser 

Um eine effizientere Lösung zu gewährleisten, gibt es eine clevere Alternative. Sie ist ähnlich zu der Strategie die Google für statische Inhalte wie News oder Blogs favorisiert. Dort sollen nämlich parallel zu den Desktop-Seiten sogenannte AMP-Seiten für mobile Geräte erstellt werden. Auf Shops übertragen bedeutet dies, es werden zwei unabhängige, getrennte Basislayouts erstellt: Zum einen für die Endgeräte mit größeren Bildschirmauflösungen und stationärer Internetanbindung. Hier bedient ein großformatiges Layout die heutigen Anforderungen an Großansichten und Informationen. Zum anderen ein vereinfachtes responsives Layout nur für kleinere, mobile Geräte mit datensparsamen, angepassten Bildern und Inhalten. So wird eine erste Aufwandsersparnis allein durch das intelligente Konzept geschaffen: Bei keinem der beiden Layouts muss ein Kompromiss eingegangen werden. Zudem entfällt der Aufwand, einen fließenden responsiven Übergang zwischen den beiden Designvarianten praktisch umzusetzen und zu gewährleisten. 

Im mobilen Layout wird sinnvollerweise ein Responsive Design erstellt, um den verschiedenen Displaygrößen der Mobilgeräte Rechnung zu tragen. Dabei entsteht eine zweite Aufwandsersparnis: Dieses Responsive Design kann deutlich einfacher umgesetzt werden. Denn: Im Wesentlichen müssen Inhalte nur noch verkleinert oder vergrößert dargestellt werden. Größere Layout-Anpassungen beziehungsweise komplexe Ladesteuerungen für unterschiedlich große Grafiken je nach Zielsystem sind kaum noch notwendig. Dadurch kann das Responsive Design die Fülle unterschiedlich großer mobiler Endgeräte effektiver unterstützen. Das Layout für Kunden, die von einem Desktop, Laptop oder größerem Tablet mit W-LAN-Verbindung auf den Shop zugreifen, muss dagegen aufgrund der größeren Darstellungsfläche, wenn überhaupt, nur in sehr geringem Umfang responsive programmiert werden. Das wiederum reduziert die Arbeitszeit für die Erstellung deutlich. Für Händler, die bereits einen Onlineshop betreiben, heißt das, eine zusätzliche Mobile-Shop-Variante zu erstellen, die gezielt für die mobile Anwenderfreundlichkeit konzipiert ist, anstatt den gesamten Shop in eines der häufig zu sehenden Kompromiss-Designs zu zwingen. 

Subshops: benutzer- und SEO-freundlich 

Damit ein solches Konzept funktioniert, muss der Shop-Server lediglich erkennen, ob der Besucher von einem stationären oder mobilen Gerät aus zugreift und welche Anzeigegröße benötigt wird. Nutzt der Händler eine SaaS (Software-as-a-Service) Shop-Plattform, ist diese Erkennung bei guten Anbietern als Option verfügbar. Ein weiterer Vorteil von SaaS-Anbietern ist die Erfahrung aus Entwicklung und Betrieb von Shopsystemen, die in diesem Fall für den erfolgreichen Einsatz einer Subshop-Technologie für mobile Shops genutzt werden kann. Solche cleveren Konzepte von zwei parallelen Shop-Layouts erlauben es zudem, beliebige textliche und sonstige Inhalte, auch SEO-Inhalte, in den einzelnen Subshops bedarfsgerecht anzupassen und exklusiv für den jeweiligen Subshop bereitzustellen. 

So entfällt die für Suchmaschinen unvorteilhafte Bereitstellung teils gleicher Inhalte in mehreren Varianten im HTML-Code auf einer einzigen Seite – zum Beispiel eines langen Textes für Desktop und eines kurzen Textes für Mobile oder eines Bildes sowohl in Groß- als auch Kleinformat. Wenn übliche Kennzeichnungen stationärer und mobiler Inhalte für die beiden alternativ erstellten, unterschiedlichen Seiten verwendet werden, unterscheiden Suchmaschinen ganz explizit zwischen den Inhalten für die zwei verschiedenen Zielgruppen. Das Ranking bleibt für beide Subshops erhalten, da die Inhalte suchmaschinenkonform gekennzeichnet sind und so nicht als konkurrierender Duplicate Content abgewertet werden. Durch Subshops kann die SEO-Optimierung bei Bedarf sogar noch feiner gesteuert werden als über einen einzigen (Responsive-) Shop, in dem alle Inhalte für alle Zielgruppen zusammengefasst werden. 


Fazit 

Die mobile Nutzung wird im Onlinehandel auch zukünftig weiter steigen. Die Anpassung mobiler Shops an die Anforderungen des mobilen Shoppings ist unausweichlich und sollte bei Onlinehändlern fest in ihrer Strategie verankert sein. Die Einführung mobiler Subshops, die den „Mobile First“-Gedanken von Grund auf berücksichtigen, stellt dabei für Onlinehändler einen wichtigen Baustein für den erfolgreichen Handel der Zukunft dar. 


Über den Autor:
Johannes W. Klinger ist Vorstandsvorsitzender der Websale AG. Das Unternehmen entwickelt und betreibt seit 1996 die gleichnamige Shop-Plattform „Websale“ für Online-Händler und gilt als First-Mover für SaaS-Shopsysteme in Deutschland. Es hat jede Station in der Entwicklung des eCommerce gestaltet und passte die Shopsoftware immer wieder den neuen Anforderungen an. Aktuell wird es unter dem Namen „V8s“ in der achten Version betrieben.

EBA, RTS, SCA, RBA – WTF? Oder: Wie die Europäische Bankenaufsicht beim Thema Sicherheit den Verbraucher aus den Augen verliert

Gedanken zur Zukunft des Payment von Sebastian Schulz

Neben der Schaffung einer europaweit einheitlichen Rechtsgrundlage für Online-Zahlungen und der Gewähr des Zugangs für Zahlungsdienstleistungen Dritter soll die im Januar 2016 in Kraft getretene PSD2 vor allem für eines sorgen: Mehr Sicherheit im Online-Payment. Elektronisch angebotene Zahlungsdienste sollen sicher abgewickelt werden, „wobei Technologien einzusetzen sind, die eine sichere Authentifizierung des Nutzers gewährleisten und das Betrugsrisiko möglichst weitgehend einschränken können.“ Jedenfalls bei den in der Praxis relevanten Vorgängen, etwa dem Zugriff auf ein Zahlungskonto oder der Auslösung eines elektronischen Zahlungsvorgangs, versteht der Richtliniengeber unter einer „sicheren“ stets eine „starke“ Kundenauthentifizierung“ (Stichwort: „2 aus 3“). Technische Regulierungsstandards (RTS) zum Leitbild der starken Kundenauthentifizierung (SCA) sollen gemäß Artikel 98 der Richtlinie durch die Europäische Bankenaufsicht (EBA) erarbeitet werden. Im Rahmen dieses delegierten Rechtsaktes sind sowohl die „Erfordernisse des Verfahrens zur starken Kundenauthentifizierung“ als auch „Ausnahmen von der Anwendung“ festzulegen. Wohlgemerkt; das Mandat der EBA erstreckt sich ausdrücklich auch auf die Definition solcher Szenarien, in denen abweichend vom Grundsatz eine starke Kundenauthentifizierung gerade nicht erforderlich ist.

Vor diesem Hintergrund kommt das durch die EBA im August 2016 vorgelegte Consultation Paper – vorsichtig ausgedrückt – etwas eingleisig daher. Anders als durch die PSD2 vorgegeben, finden sich darin ausschließlich Vorgaben zur Implementierung und Umsetzung einer SCA, nicht aber Ausführungen zu Ausnahmen vom Grundsatz (von der Ausnahme für Kleinstbeträge einmal abgesehen). Würden die Vorschläge der Londoner Beamten am Ende tatsächlich Gesetz, bedeutete dies damit nichts Anderes als eine Zäsur im Paymentsektor. Dynamische („targeted“) Authentifizierungsverfahren, orientiert am tatsächlichen Transaktionsrisiko, gehörten der Vergangenheit an. Die Komplexität eines jeden Bezahlprozesses würde signifikant erhöht. Aus Angemessenheit würde Regelversessenheit.

Um zu verstehen, welchen massiven Impact derartige Pläne auf den E-Commerce hätten, muss man sich nur die Relevanz des Themas „Payment“ im Onlinehandel im Allgemeinen vor Augen führen.

Die klassische Handelslehre unterscheidet zwischen drei „Strömen“ im Handel: Dem Informationsstrom, dem Warenstrom und dem Strom der Nominalgüter – dem Geldfluss. „Kassieren“ ist eine Kernkompetenz, wie man an der deutlichen Gewichtung in der Ausbildung der Verkäufer und Kaufleute im Einzelhandel erkennen kann. Auch im E-Commerce gibt es die „Kassenzone“, den Checkout, als wichtigen Bestandteil im Kaufprozess. Im Checkout bleiben viele Warenkörbe stecken. Warum? Der Kunde hat Bedenken. Bedenken über den Preis – denn den Gesamtpreis sieht er hier schon bevor die imaginäre Kassiererin die einzelnen Produkte abgescannt hat. Bedenken wegen des Aufwands, eine Vielzahl von Informationen ein- und von sich Preis geben zu müssen. Und – es geht ums Geld! – freilich auch Bedenken wegen der (Daten-)Sicherheit.

Sicherheit ist dabei aber längst nicht allein ein Bedürfnis auf Kundenseite. Das Anbieten sicherer Zahlungsmethoden ist eine von drei zentralen Herausforderungen, denen sich Onlinehändler tagtäglich stellen müssen. Zum einen besteht die Aufgabe darin, die Zahlung so einfach wie möglich zu machen. Jeder Zwischenschritt an der virtuellen Kasse erhöht nachweislich die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde den Einkauf abbricht. Andererseits muss der Händler aus ureigenen Interessen heraus Zahlverfahren anbieten, die das Risiko des eigenen Zahlungsausfalls minimieren. Neue Dienstleister wie optile.net fungieren hier als intelligente Aggregatoren, die bei jedem einzelnen Kauf aufgrund des Kundenverhaltens und des Warenkorbes passende Zahlverfahren sogar von unterschiedlichen Payment-Dienstleistern vorschlagen. Das Thema Zahlungssicherheit ist Nummer Drei. Unternehmen, die wiederholt Datenklau, Betrug oder Identitätsmissbrauch Tür und Tor öffnen, sind weg vom Fenster. All das unterstreicht: Beim Payment muss der Onlinehändler akribisch arbeiten. Schon eine Umstellung der Reihenfolge von Abfragen im Checkout-Prozess kann zu einer Verbesserung der Conversion oder umgekehrt zum Abschmelzen wertvoller Marktanteile führen.

Studien belegen, was aus Einzelbeispielen lange bekannt ist: Der Kunde belohnt Händler, die ihm das Einkaufen auf jeglichem Kanal so einfach wie möglich machen. Ein bekanntes Modeunternehmen hat in einem Test festgestellt, dass das Angebot nur eines weiteren digitalen Bezahlverfahrens die Zahl der Conversions im Checkout signifikant erhöht hat und in kürzester Zeit bei fast jedem dritten Kauf eingesetzt wurde. Eine Analyse zeigte, dass der Checkout-Prozess sich für den Kunden von über zwei Minuten auf lediglich 30 Sekunden verkürzte. Zeit ist Geld, auch und gerade im E-Commerce.

Umgekehrt haben die Händler mit dem 3D-Secure-Verfahren faktisch ohne Ausnahme überaus negative Erfahrungen gemacht. Die Umleitung auf eine externe Seite mit separater Verifikation über ein weiteres Passwort erhöhte die Kaufabbrüche deutlich. Seit der Einführung 2009 hat sich die negative Auswirkung zwar durch Verfahrensänderungen abmildern lassen. Dennoch haben in der gleichen Zeit die „einfachen sicheren“ Zahlverfahren so deutlich zugelegt, dass im Jahr 2016 erstmals im E-Commerce die Online-Lastschrift sogar den Rechnungskauf überholte und mit 30 Prozent die am häufigsten genutzte Zahlweise war. Während im gleichen Zeitraum nach Erhebung des bevh der Kauf per Kreditkarte von 17 auf 15 % zurückfiel, erhöhte sich der Anteil der digitalen Zahlverfahren von 19 auf 22 %.

Nun mag man einwenden, die hier aufgezeigten wirtschaftlichen Implikationen müssten angesichts des übergeordneten Ziels eines Mehr an Rechtssicherheit zurückstehen. Und noch einmal: Die Bedeutung von größtmöglicher Sicherheit bei Zahlungsvorgängen steht außer Frage. Eine obligatorische starke Kundenauthentifizierung mag auch grundsätzlich als geeignet erscheinen, dieses Ziel zu erreichen. Rechtliche Vorgaben müssen jedoch nicht nur geeignet, sondern vielmehr auch verhältnismäßig sein. Eine Übergewichtung des einen Ziels zulasten anderer, im Zweifel auch kollidierender Ziele, ist zu vermeiden. An dieser Stelle bleiben sowohl EU-Kommission als auch EBA bereits den Nachweis schuldig, dass überhaupt ein vom geltenden Recht abweichendes Regelungsbedürfnis besteht. Freilich verwundert das am Ende nicht, bleibt doch die viel bemühte Fraud-Rate im Verhältnis zu den exponentiell anwachsenden Transaktionsvolumen im E-Commerce vergleichsweise gering. Die Kriterien der durch die EBA (zwingend!) vorzunehmenden Verhältnismäßigkeitsprüfung werden durch die PSD2 übrigens sogar detailliert vorgegeben. So heißt es beispielsweise in den Absätzen 2 und 3 von Artikel 98, dass „benutzerfreundliche, allgemein zugängliche und innovative Zahlungsmittel“ ermöglicht bleiben sollen. Ausnahmen vom Grundsatz einer SCA sollen sich an dem mit der Dienstleistung verbundenen Risikoniveau orientieren. Welcher Raum für Innovationen bleibt aber bei einer sakrosankten Fokussierung auf SCA?

Festzuhalten bleibt: Mit den bislang bekannt gewordenen Vorschlägen für Regulatory Technical Standards und der Abwesenheit von Ausnahmen vom Grundsatz der starken Kundenauthentifizierung verkompliziert die EBA Bezahlverfahren in einer für den E-Commerce inakzeptablen Weise. Mögen einzelne PSPs den gemachten Vorschlägen Positives abgewinnen, im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher sind diese nicht. Vorzugswürdig ist und bleibt ein risikobasierter Ansatz, im Rahmen dessen Handel und PSP auf Erfahrungswerte und Algorithmen gestützte Sicherheitsabwägungen treffen und so dem Kunden, d.h. uns allen, weiterhin ein gleichermaßen sicheres wie „convenientes“ Einkaufserlebnis ermöglichen können. Dass sich, wie die SZ vergangene Woche bereits wusste, die EBA in den überarbeiteten RTS zumindest für eine signifikante Heraufsetzung der Schwellenwerte (>500 EUR), ab denen eine SCA vorgenommen werden muss, ausgesprochen hat, ist ein positives Signal. Richtig und besser wäre es freilich, wenn die EBA das bestehende System einer risikoorientierten Prüfung vollständig beibehalten und sich stattdessen den sicher drängenderen finanzpolitischen Fragen dieser Zeit widmen würde. Die Vorlage der finalen RTS der EBA sind für diese Woche angekündigt. Es bleibt spannend.

IoT: E-Commerce ohne Onlineshop

Trendbeschau von Martin Groß-Albenhausen 27. Januar 2017

In einem Finanzierungszeitraum von 50 Tagen hat das amerikanische Startup EyeQue auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter die Mindestfinanzierung für den „Personal Vision Tracker“ erreicht; nach 70 Tagen betrug die aus Aufträgen generierte Summe über 130.000 Dollar. Parallel erhielt das Unternehmen den „Best of Innovation“-Award der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas.

Der Personal Eye Tracker ist ein Sehtest für Zuhause. Im Prinzip nicht mehr als ein Okular, das in Verbindung mit einer App Sphäre, Zylinder und Achse vermisst. Wie bei einem Optiker, nur eben in Verbindung mit einer App, die auf ausreichend hoch auflösenden Smartphones funktioniert (>500 ppi). Das Okular kostet nur wenige Dollar; die Daten werden online gespeichert, so dass die Nutzer auch die Veränderung ihrer Sehfähigkeit verfolgen können. Die Daten sollen es dem Kunden ermöglichen, Brillen in der richtigen Sehschärfe im Onlinehandel zu kaufen – und damit auch in diesem sensiblen Bereich die Brücken zum stationären Partner abzubrechen.

Abseits aller Bedenken um die Qualität und Verlässlichkeit solcher Tests zeigt sich hier, wie neue E-Commerce-Modelle entstehen. Modelle, die ohne Shop funktionieren und alle Funktionalität in technische Prozesse hineinverlagern. Oder in die technischen Produkte an sich.

Diese Entwicklung betrifft zuerst „Fast Moving Goods“ – auch im gewerblichen Bereich. Bekannt sind Lösungen wie z.B. das ORSYmat FP System von Würth, das automatisch nachordert, wenn etwas zur Neige geht. Aber dieses noch sehr handelsnahe Modell kann in der nächsten Stufe aus den Automaten in die Maschinen selbst verlagert werden. Ein Bohrmaschine kann selbständig melden, dass das Bohrfutter oder der Bohrer selbst sich abnutzen.

Im Consumer-Bereich drängen sich Modelle wie der Thermomix auf. Anlässlich der Grünen Woche wurde die Kooperation mit REWE angekündigt, um die Rezepte auf Knopfdruck liefern zu lassen. Die Waschmaschine kann die Anzahl der Waschgänge und die Verbrauchsmenge an Spüler erfassen und die Nachorder übernehmen.

Zurück aber zum Einstieg: Die Vereinfachung ehemals komplexer Technologie wird viele der Beratungleistungen im Handel in Self-Service-Lösungen einkapseln. Einkapseln insofern, als eine App auf eine spezifische Einkaufssituation zielt. Wie Amazons Dash, nur eben auch für komplexere Produkte.

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Jahresbericht 2017


                                 

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