03.01.2018
08:38

Insolvenz in der Eigenverwaltung – Ein Lösungsansatz für Händler und E-Commerce Unternehmen in der Krise?

Gastbeitrag von Ralf Strehlau, ANXO Management Consulting GmbH / Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater BDU e.V.; gefragt von Susan Saß am 03.01.2018

Was bedeutet Insolvenz in Eigenverantwortung für Sie?

Ob Multi-Channel-Händler wie Butlers oder Online-Pure-Player wie Bloomy Days, der Wettbewerbsdruck in und durch den digitalen Wandel treibt Unternehmen immer wieder und zunehmend in die Krise.

Die digitale Entwicklung stellt etablierte Unternehmen, insbesondere im Handel, vor die Frage, ob das eigene Geschäftsmodell noch zeitgemäß ist. Gleichzeitig müssen E-Commerce-Unternehmen feststellen, dass Sie dem Wettbewerbsdruck von anderen Playern nicht mehr gewachsen sind. Die Kostenstrukturen stimmen nicht mehr, IT-Systeme sind überholt, Investitionsruinen in Technik, Standorten oder Logistikinfrastruktur bestehen.

Eigentlich hat die Marke oder die unternehmerische Vision aber weiterhin eine Strahlkraft und Zukunftsfähigkeit. Viele Unternehmen, Unternehmer, Manager, Führungskräfte und Mitarbeiter glauben weiterhin an das Unternehmen, die Marke oder das Geschäftsmodell. Sie wissen aber, dass es irgendwie nicht weitergeht und das Unternehmen immer weiter in die Krise rutscht - Von der Umsatz-, in die Ertrags- und dann auch noch in die Liquiditätskrise. Das Unternehmen befindet sich in einer Abwärtsspirale. Lässt sich diese noch stoppen? Natürlich gibt es eine Vielzahl von klassischen Restrukturierungsansätzen, für die es aber häufig schon zu spät ist.

In dieser Situation ist die Insolvenz in der Eigenverwaltung eine Chance für einen Re-Start des Unternehmens!

Was raten Sie Unternehmen, die sich genau in dieser Abwärtsspirale befinden?

Die Unternehmen sollten sich mit dem Instrument der Insolvenz in der Eigenverwaltung auseinandersetzen. Was macht dieses Verfahren aus? Die Eigenverwaltung ist laut den §§ 270ff. der deutschen Insolvenzordnung die Möglichkeit eines Schuldners, die Insolvenzmasse unter Aufsicht eines Sachwalters selbst zu verwalten und über sie zu verfügen. Der eigenverwaltende Schuldner wird so gleichsam zum Insolvenzverwalter in eigener Sache.

Was sind die Vorteile einer Eigenverwaltung?

  • In der Eigenverwaltung bleibt das Management in der Verantwortung und kann den Prozess weitgehend selbst bestimmen. 

  • Mit dem Insolvenzgeld, im Rahmen dessen drei Monate Lohn und Gehalt gezahlt werden, besteht ein wichtiger Finanzierungsbaustein für eine Sanierung. 

  • Gut vorbereitet sollte das Verfahren nicht länger als 1/2 Jahre dauern.
  • Durch das Verfahren können nicht benötigte Lasten abgeschnitten werden, insbesondere zu hohe Verbindlichkeiten, aber auch das Unternehmen belastende Verträge, wie z.B. Mietverträge.
  • Das Insolvenzarbeitsrecht ermöglicht spezielle Optionen für Personalanpassungsmaßnahmen.

Welche Nachteile oder Risiken sollten berücksichtigt und aktiv gemanged werden?

  • Die hohen Kosten des Verfahrens: Hier muss genau analysiert werden, was die Kosten verursacht. Eine „anständige“ Eigenverwaltung kostet nicht mehr als ein Insolvenzverfahren.
  • Die entsprechenden Vereinbarungen werden typischerweise mit Zustimmung der Gläubiger getroffen.
  • Natürlich besteht das Risiko, dass auch mit der Insolvenz in der Eigenverwaltung „alles“ zusammenbricht. Durch eine strukturierte Vorbereitung, in der man mögliche Risiken antizipiert und Gegenmaßnahmen entwickelt, kann dieses Risiko deutlich reduziert werden. 


Der Kontrollverlust: Wird dem Unternehmer bzw. dem Management der Geschäftsbetrieb aus der Hand genommen? Nein, dies ist bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung nicht der Fall. Voraussetzung ist aber, dass man sich gegenüber dem vom Gericht eingesetzten Sachwalter sowie dem 
Gläubigerausschuss, der als Vertretungsorgan der Gesamtgläubigerschaft fungiert, offen und transparent zeigt. Auch das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bleibt ein Verfahren mit dem Ziel, die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen. Häufig ist aber genau das gerade in einer gut organisierten Sanierung der Fall. Interesse der Gläubiger und des Unternehmers fallen dann so zusammen.

In Gesprächen mit Unternehmern und Führungskräften wird häufig die Angst deutlich, dass Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter während des Insolvenzverfahrens abspringen. Die Erfahrung zeigt aber, dass offene Kommunikation die Gefahr von nicht mehr liefernden Lieferanten oder nicht mehr kaufenden/bezahlenden Kunden deutlich reduziert. Mit klarer, ehrlicher und offener Kommunikation kann man auch die Mitarbeiter überzeugen, die häufig dankbar sind, dass endlich gehandelt wird.

Die Insolvenz in der Eigenverwaltung kann ein sehr gutes Instrument sein, um die Ziele von Unternehmer (Sanierung) und Gläubiger (bestmögliche Befriedigung) zusammenzubringen. Das gelingt jedoch nur, wenn noch unternehmerischer Spielraum und / oder Liquidität vorhanden sind. Ist die Kasse erst völlig leer, bleibt fast nur noch der Weg ins Regelinsolvenzverfahren. Daher sollte das Instrument Insolvenz in der Eigenverwaltung frühzeitig als Option betrachtet werden!

 

Haben Sie Fragen zur Insolvenz in der Eigenverwaltung? Gerne können Sie sich an den geschäftsführenden Gesellschafter, Ralf Strehlau, wenden. Sie erreichen ihn unter ralf.strehlau(at)anxo-consulting.com oder telefonisch unter 06192 402 69 0.

 

 

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