Nach der bvh-Asienreise - Interview mit Andreas du Plessis, Geschäftsführer MetaPack GmbH

Befragt am 25.04.2013 von Christin Schmidt

Nach der Zeit in Japan, haben sich deine Erwartungen an das E-Commerce-Business vor Ort erfüllt?

„Vollkommen. eCommerce ist in Japan bereits sehr weit entwickelt, sowohl was Retailer und das größte B2B/B2C-Portal Rakuten angeht, als auch in Hinblick auf die operative Abwicklung bei 3PLs / Logistikern und den lokalen Carriern. Interessanterweise ist neben dem Bereich Fashion gerade der Lebensmittelbereich eine der populärsten Kategorien im japanischen eCommerce. Das zeigt den hohen Reifegrad im Netz der lokalen Zustelldienste: Es wird zum Beispiel von kleinen, lokalen Fischereien online über Rakuten bestellter Frischfisch in Tiefkühltransportern same-day quer durch das (mit 1.300 km ziemlich lange) Land zum Konsumenten geliefert.

Der größte Unterschied scheint mir die Konsequenz in der Fokussierung auf die Bedürfnisse des Kunden zu sein: Die gesamte Kauferfahrung wird durchgehend optimiert, denn der Haupt-USP der Online-Händler ist das Vertrauen der Kunden. Das nimmt beinahe stereotypische Züge an, wenn die Mitarbeiter des größten privaten japanischen Zustelldienstes Yamato darin geschult werden, bei der Lieferung an den Kunden auch die korrekte Verbeugung mit dem richtigen Lüpfen der Mütze zu verbinden. „We all represent the company“ ist dabei der Slogan über die gesamte eCommerce Prozesskette und nicht anders ist es bei den anderen Playern. Mir scheint darin ein Aspekt zu liegen, den Deutsche Online-Händler über alle Optimierungen im Front- und Back-End noch vergessen: Im Endeffekt geht es darum, dass der Kunde seine Ware – denn die kauft er nun einmal, und nicht das Shopping Erlebnis – auch so bekommt, wie er es will. Und da liegt Japan zum Beispiel in Punkto kundenorientierte Zustellung mit standardmäßiger Lieferung innerhalb eines 2-Stunden Fensters, individuell planbarer zusätzlicher Zustellversuche und der Nähe zum Kunden in allen Prozessen einfach vorne.“

Wo lag dein persönlicher Fokus bei der E-Commerce-Reise?

"Dass China DER nächste große Markt ist, haben mittlerweile alle europäischen Brands wahrgenommen und derzeit kämpfen viele von ihnen dort mit bürokratischen wie operativen Herausforderungen. Meiner Meinung nach ist das aber nur der erste Schritt, dem die Erschließung des gesamten asiatischen Marktes mit sich schnell entwickelnden eCommerce-Rahmenbedingungen folgen wird: Länder wie Japan, Hong-Kong, Singapur, Südkorea und dann auch Vietnam und Indien werden mit ihren bestehenden oder wachsenden eCommerce-Märkten mittelfristig signifikant zum weiteren Wachstum europäischer Brands im Auland beitragen.

Jetzt ist die Gelegenheit für einen großen Teil der Welt eine langfristige, regionale plain-field Strategie aufzubauen, die die bisherige gehypte Diskussionen über „Multi-Channel“ tatsächlich umsetzt und grenzübergreifend die Warenströme von Wholesale, Retail und eCommerce für eine Region konsolidiert und so unlogische und ineffiziente Trennungen überkommt. Mein Fokus liegt darauf, Brands und Retailer bei ihrem Eintritt in den asiatischen Markt mit genau der Lösung zu unterstützen, die ihrem jeweiligen Reifegrad in der Region entspricht. Das kann mit einem Cross-Border Export aus einem europäischen Zentrallager über individuell optimierte Line-Haul Lösungen beginnen und sich dann, über anfängliche Retourenlager in den Kernländern hin zu Regionalen Hubs und lokalen Operations in den Schwerpunktmärkten entwickeln. Für jede Brand sieht dieser Weg anders aus, für alle erfordert er aber Kenntnis der Besonderheiten des jeweiligen Marktes wie das Blicken über den Tellerrand.“

Welche Fakten der gesehenen Unternehmen Yamato YDM und QVC Japan haben dich besonders begeistert?

„Yamato – der führende japanische private Carrier mit rund 40 % Marktanteil wie auch dessen Direktmarketing Joint-Venture mit DHL, Yamato YDM, überzeugen durch Perfektion kombiniert natürlich mit ihrer Erfahrung im lokalen Markt. Jedes Unternehmen sollte für seinen Eintritt in einen neuen, unbekannten Markt die lokale Expertise mit einem kulturell nahestehenden Partner verbinden. Die Operations im Tokyoter Distributionszentrum, das wir besuchen dürften, bewegen sich voll auf europäischem Niveau und Effizienz wie Kundenfokus scheinen noch darüber zu liegen.

QVC Japan beeindruckt dadurch, wie sie das Teleshopping Konzept auf die kulturellen Vorlieben der Japaner angepasst haben: Hier laufen neben der Verkaufs-Show zeitgleich alle Social Media Komponenten wie Kundenbewertungen, Produktdiskussionen via Twitter & Facebook und eine direkte Interaktion zwischen Presenter und Publikum.“

 

Hier finden Sie weitere Informationen über die Metapack GmbH.

 

Christin SchmidtPermalinkTrackback-Link
Tags: bvh-asienreise, bvh-e-commercereise, andreas du plessis, metapack gmbh
Views: 6439
  •  
  • 0 Kommentar(e)
  •  

Mein Kommentar

Zurück

Anmelden

Passwort vergessen.

registrieren

Letzte Kommentare

My up to date suss out d evolve
15.07.2018 01:55
Aufrichtiges Beileid
18.05.2018 09:11
Du wirst uns fehlen
12.05.2018 09:18
Trauer
11.05.2018 08:18

Kopieren Sie diesen Link in Ihren RSS-Reader

RSS 0.91Nachrichten
RSS 2.0Nachrichten

Meist gelesene Posts

The A-Z of e-Commerce Death Stars
107986 Mal angesehen
03.01.2013 13:47
Gibt es ein Leben nach Amazon?
72514 Mal angesehen
28.06.2013 07:21
Erfolgreicher Auftakt des etailment Summit 2.013 in Berlin
62944 Mal angesehen
07.11.2013 18:33
Touché, Microsoft!
62273 Mal angesehen
09.03.2012 08:00