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Warum gehen wir eigentlich jeden Morgen arbeiten?

14082019

Warum gehen wir eigentlich jeden Morgen arbeiten?

// Tags / B2B / Logistik / Nachhaltigkeit / Politik / Recht / Technik und IT

Dumme Frage? Nein, es geht hier nicht um Sozialpolitik oder volkswirtschaftliche Zusammenhänge. Sondern um Strukturpolitik. Und darum, dass wir Digitalisierung immer noch nicht verstanden haben. Geschweige denn entschieden alle Möglichkeiten ausschöpfen.

Denn längst löst die Digitalisierung die räumlich-zeitlichen Sachzwänge auf. Für eine Vielzahl von Tätigkeiten. Zwar gibt es weiterhin zahlreiche Betriebe, in denen gefertigt wird oder – etwa in der Logistik – manuelle Arbeit vor Ort geleistet wird. Aber bis in die Industrie hinein verändern sich die Arbeitsweisen, wenn etwa sowohl bei der Entwicklung als auch in der Maintenance an Digitalen Zwillingen gearbeitet wird.

Arbeit muss nicht zwangsläufig im Büro erfolgen. Wenigstens nicht in dem Büro, für das sich Tag für Tag Millionen Pendler in Autos und öffentlichem Nahverkehr über die Straßen und Schienen bewegen. Wir müssen nicht zur Arbeit gehen. Wir müssen ... arbeiten. Sollten wir nicht endlich ernst mit dieser "Digitalisierungsprämie" machen?

Politisch sind wir auf einem guten Weg. Die GroKo hat mit dem Recht auf Heimarbeit einen sinnvollen Vorschlag gemacht, der sich in vielen Betrieben noch an der Organisation stört. Demnächst wird die Zeiterfassung ohnehin Pflicht und auch über Anwendungen auf Smart Devices sicher umsetzbar.

Bleibt die Sorge, dass die Arbeitnehmer die Heimarbeit einerseits als Entgrenzung wahrnehmen – kein Ende finden –, ihnen andererseits das soziale Umfeld der Arbeit fehlt. Eine Videokonferenz kann das Gespräch während der Pause oder mit dem Büronachbarn nicht gleichwertig ersetzen.

Gerade hier kann eine Chance für die Region entstehen. Digitale Cluster müssen nicht zwangsläufig durch die Ansiedlung neuer Betriebe entstehen. CoWorking-Spaces können eine wohnortnahe Lösung abseits der Metropolen bieten. Solche Ansiedlungen zu entwickeln, kann dem Digitalpakt eine Perspektive und der Debatte um Teilhabe eine Richtung geben.

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und der Thinktank Neuland 21 haben 18 Projekte untersucht, in denen solche „urbanen Dörfer“ entstehen. Derzeit noch stark durch die zu erwartenden Digitalarbeiter – Programmierer, Architekten, Journalisten, Kulturmanager. Aber mit der fortschreitenden Digitalisierung entsteht neben der „Digitalen Boheme“ (Sascha Lobo) eine immer breitere Bevölkerungsschicht, die so arbeiten könnte.

E-Commerce tut das seine, nicht nur Ware, sondern auch Arbeit aufs Land zu bringen. Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse kann dank Digitalisierung erreicht werden. Die Entlastung der CO2-Bilanz gleich inbegriffen.

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