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E-Commerce, der Verpackungsmüller?

08112019

E-Commerce, der Verpackungsmüller?

// Tags / Logistik / Nachhaltigkeit / Politik / Statistik

Ein kurzer Blick in den gestern veröffentlichten Bericht des Bundesumweltamtes zu „Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland im Jahr 2017“ macht als einen Verursacher den Onlinehandel aus. Ein Blick in die Zahlen spricht auf den ersten Blick Bände: Der gesamte Verbrauch von Verpackungsmaterial aus Papier, Pappe und Kartonagen (PPK) ist im Distanzhandel zwischen 2015 und 2017 von 769.000 auf 849.000 Tonnen gestiegen. Ein Plus von 10,4 %.

Allerdings ist der Gesamtumsatz des Distanzhandels im gleichen Zeitraum um fast 19 % gestiegen. Zum Vergleich: Im Zeitraum von 2013-2015 lag das Wachstum der Branche bei 20 %, die Zunahme der Verpackungsmenge hingegen noch bei 37 %. Der Online- und Versandhandel ist also einen großen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit vorangekommen. Denn der Erfolg des Onlinehandels führt unweigerlich zu mehr Transportverpackungen, aber die Versender werden nachweislich immer besser darin, Waren mit weniger PPK-Verpackung zum Kunden und ggf. zurück zu bringen.

Noch eindeutiger ist dies im Vergleich der langen Reihe. Zwischen 2000 und 2016 hat sich der Umsatz im Distanzhandel von 21,2 Mrd. Euro auf über 60 Mrd. Euro verdreifacht. Die Zahl der KEP-Sendungen hat sich in dieser Zeit von 1,69 Mrd. auf 3,35 Mrd. Sendungen nur knapp verdoppelt. Auch in den Stückmengen also ein dämpfender Effekt.

Damit zufrieden geben sollte sich der Distanzhandel aber nicht. Insgesamt ist der Verbrauch von PPK von 2015 bis 2017 von 3161,4 Kilotonnen auf 3253,3 Kilotonnen gestiegen. Es genügen die Grundrechenarten, um festzustellen: Von den gut 91.000 Tonnen mehr PPK-Verpackungen in Deutschland im Jahr 2017 gehen 80.000 Tonnen auf das Konto des Distanzhandels.

Es gibt etliche konkrete Ansätze, mit denen unsere Mitglieder und wir versuchen, das gewünschte und erfolgreiche Umsatz- und Absatzwachstum nachhaltiger zu gestalten. Vier Beispiele:

  • Gespräche mit der Industrie, um immer mehr Produktverpackungen so zu gestalten, dass sie mit wenig Umverpackung für den Transport geeignet sind.
  • Volumenreduzierung – früher ein Thema, mit dem vor allem Großversender sich beschäftigen konnten, das heute aber auch dem mittleren Versender sozusagen „PaaS“ (Packaging as a Service) zur Verfügung gestellt wird. Ein schönes Beispiel dafür ist das von einem Deutschen in Amerika gegründete Unternehmen Packsize.
  • Mehrfache Nutzung von Versandverpackungen, wenn der Kunde dies will. Vor allem Versender, die ein höhere Retourenaufkommen haben, setzen Verpackungen schon so ein.
  • Mehrweg-Kartons, wie sie z.B. von Online-Supermärkten und Büroartikel-Versendern genutzt werden.

Kostenseitig ist mit Volumenreduzierung, Mehrfachnutzung und Mehrweg-Kartons organisatorischer Aufwand verbunden, dem ein geringerer Wareneinsatz gegenübersteht. Vor allem die Reorganisation der Packplätze und der nötige Stauraum für rücklaufende Kartons, die geprüft und wieder in den Kreislauf überführt werden müssen, können ggf. teurer kommen als ihre Verwertung und Einsatz neuer Kartonagen in Standardgrößen. Das könnte und sollte jeder Händler bewerten. Allerdings braucht er dazu mehr als nur die Daten der Warenwirtschaft. Denn auch das langfristige Kundenverhalten und ein rechnerischer Preis für die Tonne CO2 gehört in die Kalkulation.

E-Commerce ist erfolgreich, weil der Kunde einen hohen Nutzen dadurch erfährt. Diesen Convenience-Aspekt erkennt auch der Bericht des Umweltbundesamtes – und enthält sich einer Bewertung. „Der Verbrauch von Kartonagen und Folien für die Lieferung über den Versandhandel steigt. Der Endverbraucher kann durch Bestellung im Versandhandel Fahrten oder Gänge zum stationären Einzelhandel vermeiden. Zugleich sind im Versandhandel die Produktvarianten tendenziell vielfältiger.“

Der Bericht konstatiert deshalb auch, dass es eine „Entkopplung von Materialverbrauch und Wohlstand“ geben kann. Und zwar dann, „wenn der Nutzen, der von den Verpackungen durch Reduktion von Last und Stress sowie durch Vermeidung von Verderb und Beschädigung ausgeht, stärker zugenommen hat als der Materialverbrauch.“ (S.67).

Eine in diesem Sinn „positive“ Entkopplung von Verpackungsmaterial und Umsatzwachstum ist im Onlinehandel augenfällig und kann durch die genannten Initiativen noch deutlicher zutage treten. Mehr Anregungen und Antworten zum Thema "E-Commerce und Nachhaltigkeit" finden Sie in unserem "Weißbuch Nachhaltigkeit" und der bevh-Initiative für Nachhaltigkeit

Zum Verpackungs-Buhmann taugt der E-Commerce also nicht.

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