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Zukunftsbranche E-Commerce: Ein Interview mit Daniela Bleimaier

07072021

Zukunftsbranche E-Commerce: Ein Interview mit Daniela Bleimaier

// Tags / Studie / KMUs / Konsumverhalten

Die vergangenen Jahre und ganz besonders der Einfluss der Corona-Krise haben unserer Gesellschaft einen digitalen Schwung verliehen. Sicherlich ist noch einiges zu tun, vieles ist inzwischen aber auch schon ganz alltäglich geworden – so auch das Einkaufen über das Internet. Immer mehr Händler digitalisieren sich und steigen in den Onlinehandel ein.
Gleichzeitig wird der Onlinehandel oftmals aber auch als Bedrohung wahrgenommen. Aber ist dem wirklich so? Oder wird übersehen, welche Chancen der E-Commerce für den Handel, unsere Gesellschaft und die gesamte deutsche Wirtschaft mit sich bringt?

Erstmals haben in diesem Jahr drei wissenschaftliche Studien das tatsächliche Ausmaß und die Bedeutung der digitalen, web-basierten Handels-Wertschöpfung gemessen. Sie leisten damit einen neuen und wichtigen Beitrag zu einer wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Folgenabschätzung weit über den Einzelhandel hinaus.
Die wichtigsten Erkenntnisse der Studien wurden Mitte Juni im Rahmen eines Online Symposiums vorgestellt.

Über einige Erkenntnisse und die damit verbundene Bedeutung haben wir für den bevh Blog mit Daniela Bleimaier, Leiterin Public Affairs Deutschland & Regionales, unter dem Stichwort „Zukunftsbranche E-Commerce“ gesprochen:

Inzwischen gibt es in Deutschland über 37 Tausend Unternehmen, die primär im E-Commerce tätig sind. Welche Unternehmensgröße profitiert denn besonders vom Onlinehandel?

Daniela: Gerade für viele kleinere Unternehmen, die noch keine feste Kundenbasis aufgebaut haben und vor großen Ausgaben stehen, bietet der Onlinehandel eine große Perspektive. Online-Marktplätze wie Amazon, Mercateo, Otto und Zalando bieten gerade den kleinen und mittelständischen Unternehmen dank ihrer Infrastruktur einen unkomplizierten Markteinstieg. So können sich auch kleine Händler ohne einen eigenen Webshop ein zweites Standbein aufbauen und deutlich mehr Kunden als zuvor erreichen. Während der Pandemie sind dazu zahlreiche Hilfsprojekte der großen E-Commerce Unternehmen entstanden, um die Händler „online zu bekommen“.

Online-Marktplätze – auf die knapp die Hälfte aller B2C-Transaktionen in Deutschland entfallen – machen es kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) leicht in die Welt der digitalen Wirtschaft einzutreten. Dort können diese ihr Geschäft auf Augenhöhe mit größeren Mitbewerbern aufnehmen und ausbauen. Studien belegen, dass unter den deutschen Unternehmen, die online verkaufen, die kleinsten Unternehmen fast 30 Prozent ihres Umsatzes über Webshops und Apps umsetzen. Dieser Anteil lag bei größeren Unternehmen zwischen 19 und 21 Prozent. 

Wie nehmen die Händler das Angebot an und wie hat sich diese Option während der Pandemie ausgewirkt?

Daniela:Laut einer Studie des IFH hat sich die Zahl der Onlinehändler in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Dies allein zeigt, welche Kraft im E-Commerce liegt. Gerade in der Pandemie wollten viele Händler nicht einfach diese schwierige Situation aussitzen, sondern Alternativen finden und schaffen. Daher sind viele Händler auf die Angebote eingegangen und haben einen weiteren Kanal für sich und ihre Kunden hinzugewonnen - mit Erfolg.

Wie sehr ist der E-Commerce mittlerweile bei den Kunden und Kundinnen angekommen? Gibt es eine konkrete Erwartungshaltung der Verbraucher*innen, was das Angebot der Händler angeht?

Daniela: Der E-Commerce ist inzwischen ganz in unserem Alltag integriert. Menschen kaufen heute von den kuriosesten Orten ein: Im Wartezimmer, als Beifahrer im Auto, zu Fuß beim Spazierengehen. Kein Wunder, denn wir sind immer häufiger unterwegs und der Onlinehandel passt sich exzellent an unseren immer schneller werdenden Alltag an. 67 Prozent aller jungen Händler starten daher mit einem rein digitalen Geschäftsmodell. Und auch 87 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher setzen voraus, dass Händler online sichtbar sind. Diese Zahlen sprechen für sich und für den Erfolg der Branche. Wer nun glaubt, nur die junge Generation shoppt gerne online, täuscht sich allerdings. Inzwischen machen die sogenannten Silver-Surfer, die Ü50 und Ü60-jährigen, den größten Anteil der Online-Kunden aus.

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