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#bevh_Generationsprojekt - Folge 4: Arnulf Betzold – Viel erreicht, viel weiterzugeben

04082022

#bevh_Generationsprojekt - Folge 4: Arnulf Betzold – Viel erreicht, viel weiterzugeben

// Tags / #bevh_Generationsgeschichten / #bevh75 / Nachhaltigkeit

In unserer Reihe "#bevh_Generationsprojekt" zeigen wir, wie Generationswechsel im Unternehmen oder in der Technologie, in der Organisation und nicht zuletzt bei den Kunden zu Innovation im E-Commerce & Versandhandel geführt haben. Innovationen, die das Verkaufen „auf Distanz“ zum Motor des gesamten Handels gemacht haben. Viel Spaß dabei!

Das Unternehmen, das Arnulf Betzold mit seiner damaligen Verlobten und späteren Frau Justina 1970 noch in seinem Elternhaus am Schreibtisch seines Vaters mit 15 Quadratmeter Lagerfläche gegründet hat, ist in den vergangenen 50 Jahren zu einem der größten Bildungsexperten im Versandhandelsbereich im deutschsprachigen Raum gewachsen. Heute beschäftigt Betzold in Verwaltung, Logistik und Produktion rund 380 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; die Lagerfläche wuchs auf mehr als 20.000 Quadratmeter – Tendenz steigend. Das Familienunternehmen wird mittlerweile in zweiter Generation von den Söhnen Ulrich und Albrecht Betzold geführt.

Die Wurzeln der Arnulf Betzold GmbH liegen in Giengen an der Brenz: Dort meldete Firmengründer Arnulf Betzold am 1. Oktober 1970 ein Gewerbe als Lehrmittelhändler an:

„Schon seit meiner Kindheit gefiel es mir nicht, wenn mir andere Leute sagten, was ich tun soll. Seit Mitte der 1960er-Jahre war mir klar, ich würde als weisungsgebundener Angestellter nie froh werden, und ich beschloss, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Ich nahm mir vor, etwas herzustellen oder zu vertreiben, das den Mitmenschen nützt. In welcher Branche konnte ich also Erfolg haben? Dann fiel mir ein nur wenigen Leuten bekannter Wirtschaftszweig auf: Schulen benötigten Lehrmittel, Wandtafeln, Möbel, Musikinstrumente, Sportgeräte und vieles mehr. Zunächst wollte ich beobachten und fing als ‚freier Handelsvertreter‘ an.“

Nachdem für die ersten Monate die Wohnung der Eltern als Geschäftssitz dienen musste, erfolgte 1971 ein Umzug nach Schwäbisch Hall, wo Arnulf Betzold mit seiner Frau Justina einen Laden- und Büroraum mietete. Mit dem Kundenstamm aus der Vertreterzeit und guten Marktkenntnissen stellten sich erste Erfolge schnell ein. Aus dieser Zeit stammt auch der erste Katalog – getippt auf einer Reiseschreibmaschine und noch in Schwarz-Weiß gedruckt. Mit dem Katalog im Gepäck war Arnulf Betzold in dieser Zeit viel unterwegs, um Neukundinnen und -kunden zu gewinnen und vorhandene Abnehmerinnen und Abnehmer zu versorgen.

 

Betzold-Katalog aus dem Jahr 1973

Von 1973 bis 1976 war der kleine Ort Regelsweiler bei Dinkelsbühl Firmensitz, wo dem jungen Unternehmen neben zwei Büroräumen ein Schuppen als kleines Warenlager zur Verfügung stand.

Arnulf Betzold in seinem Büro in Regelsweiler

Von 1973 bis 1976 war der kleine Ort Regelsweiler bei Dinkelsbühl Firmensitz, wo dem jungen Unternehmen neben zwei Büroräumen ein Schuppen als kleines Warenlager zur Verfügung stand.

1973 stellte Betzold seine Produkte zum ersten Mal auf einer Schulmesse in Ulm aus und konnte neue Lieferanten gewinnen. Auch der Kundenstamm in der Region wuchs stetig an und machte 1976 einen Umzug nach Rindelbach, einem Ortsteil von Ellwangen, nötig. Im Büro und auch im Außendienst verstärkten nun Angestellte das Team.

Auf dem Weg zum Versandhandelsunternehmen

In den 1980er-Jahren veränderte sich das Geschäftsmodell: Die Werbung mit Katalogen sorgte für mehr Neukundinnen und -kunden als die Vertreterinnen und Vertreter. So fiel die Entscheidung für die Umstellung auf farbigen

Druck und den Versand der Kataloge im gesamten Bundesgebiet. Die steigende Anzahl von Bestellungen machte eine Neuorganisation der Logistik und Warenwirtschaft not- wendig. Statt die Waren selbst auszuliefern oder am Postschalter aufzugeben, hielten jetzt die Post-Lkw am Unternehmenssitz. Betzold war auf dem Weg zum Versandhandelsbetrieb. 1984/85 erfolgte die Rationalisierung der Büroarbeit durch die damals noch nicht selbstverständliche EDV.

Infolge der deutschen Wiedervereinigung erweiterte sich der Kundenkreis nochmals erheblich und die Entscheidung für einen Neubau im Ellwanger Industriegebiet erfolgte. Zur Zeit des Umzugs 1993 war das Unternehmen so groß, dass es ausreichend Gewinn abwarf.

Firmensitz in der Veit-Hirschmann-Straße 1998

Die Weichen für die Zukunft werden gestellt

Für Arnulf Betzold war dies eine Zeit, um über die Zukunft und die weitere Entwicklung des Unternehmens nachzudenken: „Sollten wir von nun an nur noch auf Sicherheit achten oder uns weiter um Wachstum bemühen? Als unsere Söhne Ulrich und Albrecht zusagten, eines Tages die Firma zu übernehmen, entschlossen wir uns zum weiteren Wachstum.“

Neben der Verbesserung der Katalogwerbung wurde der B+B Direktversand gegründet, der Kindergärten mit Lehr- und Lernspielzeug beliefern sollte. Inzwischen ist B+B in die Arnulf Betzold GmbH eingegliedert. Das erhoffte Wachstum stellte sich ein. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Ausweitung der Firmentätigkeit nach Österreich, wo 1997 in Kramsach (Tirol) die Arnulf Betzold AT GmbH gegründet wurde.

Go-live des ersten Betzold-Webshops

Ein wahrscheinlich noch wichtigerer Meilenstein war aber der erste Onlineshop! Er entstand 1998 – mit Frontpage und selbst geschriebenem HTML händisch erstellt. Jede einzelne Artikeldetailseite wurde manuell aufgebaut, jeder Text aus dem Katalog übernommen und jedes Foto einzeln eingefügt. „Das war echte Pionierarbeit, aber dafür hatten wir uns dadurch auch lange vor den Wettbewerbern mit dem Thema befasst“, erinnert sich Arnulf Betzold.

Der Generationenwechsel wird vorbereitet

Da sich die Platzprobleme erneut verschärft hatten, stand im Jahr 2000 ein erneuter Umzug in größere Lagerräume an. Im Folgejahr trat Ulrich Betzold als Geschäftsführer in das Unternehmen ein und kümmerte sich um den Bau eines neuen Bürogebäudes am Standort der frisch bezogenen Lagerräume.

Büro und Lagerräume in der Wilhelm-Maybach-Straße

Arnulf Betzold war damals 63 Jahre alt und gab so viele Funktionen wie möglich an seinen Sohn ab, plante aber noch einige Jahre Kataloge und suchte nach neuen Artikeln. Noch heute fährt der Firmengründer täglich ins Büro, arbeitet dort allerdings nicht mehr an Katalogen, sondern schreibt an der Betzold-Familiengeschichte. 2007 trat Albrecht Betzold als weiterer Geschäftsführer in die Betzold-Firmengruppe ein.

Ulrich Betzold, Arnulf Betzold und Albrecht Betzold

Auch die neue Generation wurde schnell mit dem immer wiederkehrenden Platzmangel konfrontiert. Man entschied sich für einen Neubau: Ab 2009 entstanden in drei Bauabschnitten ein vollautomatisches Hochregallager, eine Lager-, Pack- und Kommissionierhalle mit neuesten Logistiksystemen sowie ein großes Bürogebäude.

Das Unternehmen hatte sich in wenigen Jahren so verändert, dass man es mit dem früher betriebenen nicht mehr vergleichen konnte. Jetzt war es möglich, mehr als 3.000 Pakete an einem Tag zu packen und zu versenden. Für die Katalogerstellung standen von nun an Fotoateliers mit modernster Ausstattung zur Verfügung.

Aktuelles Bürogebäude in der Ferdinand-Porsche-Straße

Betzold entwickelt sich vom Katalogversen- der zum E-Commerce-Unternehmen

Mit der Weiterentwicklung der Webshops, dem Start als Marktplatzhändler auf Amazon und eBay, dem Betzold-Blog für Pädagoginnen und Pädagogen, Betzold TV auf YouTube sowie starken Social-Media-Kanälen auf Facebook, Instagram und Pinterest entwickelte sich Betzold vom Katalogversender zum E-Commerce-Unternehmen. Neben den Produkten bietet das Unternehmen seinen Kundinnen und Kunden damit wertvolle Informationen rund um das Thema Bildung. Seit 2020 auch in eigenen Fortbildungszentren für Pädagoginnen und Pädagogen, den Betzold DIGIBIZ: online und vor Ort in Berlin, Ellwangen und Schaffhausen (CH).

Inzwischen entwickelt und stellt Betzold viele Produkte selbst her. Mehr Unabhängigkeit brachten hierbei seit 2014 bzw. 2016 die eigene Möbel- und Kunststoffproduktion direkt am Standort in Ellwangen.

Arnulf Betzold resümiert die Entwicklung des Unternehmens wie folgt: „Das Wichtigste für meine Frau und mich war immer, das Geschaffene an unsere Kinder weitergeben zu können. Dass das so gut geklappt hat, und die Entwicklung des Unternehmens seither, freut mich außerordentlich!“

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