Chinas E-Commerce-Gigant JD.com – Ein starker Player im globalen Handel, den wir ernst nehmen sollten

Ein Kommentar von Elena Gatti, Managing Director DACH Azoya

Amazon und Alibaba dominieren die Schlagzeilen im globalen Einzelhandel und nur wenige kennen in Deutschland den chinesischen Einzelhändler JD.Com, und dass obwohl das Unternehmen jedes Jahr mehr Einnahmen generiert als Alibaba. Das wird sich nun wohl ändern, denn JD.com expandiert nach Deutschland. 

Seine globale Expansion hat JD.Com bereits vor einer Weile begonnen – der Fokus lag allerdings bislang nicht auf Europa. Jetzt kommt der E-Commerce Gigant zu uns und ich gebe einen kleinen Einblick, warum JD.Com so spannend ist, welche großen strategischen Schritte das Unternehmen schon gegangen ist und warum auch deutsche Händler den Konzern aus Fernost im Auge behalten sollten. 

JD.coms Inhouse-Modell versus Alibabas Ökosystem 
Alibaba kennt (fast) jeder, JD.Com weniger – daher ist eine wichtige Frage: Was unterscheidet die beiden Player? 

Das Geschäftsmodell von JD.com legt seinen Schwerpunkt auf Direktvertrieb, Inhouse-Logistik und engagierten Kundenservice. JD.com betreibt für seine inhouse-Logistik fast 500 Lager im ganzen Land und beschäftigt mehr als 150.000 Mitarbeiter. 

Alibaba hingegen baut in erster Linie auf ein „Asset-Light-Marktplatzmodell“, bei dem Technologie und Logistikpartner von Drittanbietern eingesetzt werden, um Händlern beim Verkauf und der Lieferung an Verbraucher zu helfen. 

Kurz gesagt, JD.com ist in erster Linie ein Online-Händler, der Produkte kauft und verkauft, während Alibaba in erster Linie eine Plattform für Drittverkäufer ist. Grundsätzlich aber haben beide Konzerne sich in den letzten Jahren immer stärker in den “Bereich” des anderen verzweigt. JD.coms starke Customer Experience hat dazu beigetragen, den Umsatz des Unternehmens auf 55,7 Milliarden Dollar pro Jahr zu steigern. Mit einem Marktanteil von rund 32,5 Prozent in Chinas hart umkämpfter B2C-E-Commerce-Branche ist JD.com der größte Online-Direkthändler in China.

Die grenzenlose “Retail Alliance” von JD.com
JD.com hat den Social-Media-Giganten Tencent, die Suchmaschine Baidu und den E-Commerce-Konkurrenten Vipshop als Partner für seine grenzenlosen “Retail-Allianz” gewinnen können. Tencent hält 18 Prozent der Aktien von JD.com und hat sich mit JD.com zusammengeschlossen und hat im vergangenen Dezember 864 Millionen Dollar in Chinas drittgrößte E-Commerce-Plattform Vipshop investiert. Wal-Mart besitzt 10 Prozent der Anteile von JD.com und ist seit 2016 Partner in einer Reihe von Initiativen. Google hat trotz seiner begrenzten Präsenz auf dem chinesischen Markt im Juni eine Investition von 550 Millionen Dollar in JD.com angekündigt. 

Was bedeuten diese strategischen Partnerschaften, und wie können diese Akteure JD.com in ihrem Bemühen um eine globale E-Commerce-Dominanz unterstützen?

Googles Daten ermöglichen JD.com einen wichtigen Aufschwung
Google und Baidu – beide dominante Suchmaschinen – haben in der Vergangenheit versucht, in den E-Commerce vorzudringen – mit wenig Erfolg. Baidu unterzeichnete im August 2017 eine strategische Partnerschaft mit JD.com und Google gab kürzlich eine Investition von 550 Millionen Dollar in JD.com bekannt. Warum?

E-Commerce-Plattformen geben jedes Jahr viel Geld für Suchanzeigen aus, um sicherzustellen, dass ihre Produkte an der Spitze jeder Suche stehen. Da sie selbst jedoch größer werden, beginnen Kunden, direkt zu E-Commerce-Plattformen zu gehen, um nach Produkten zu suchen. Dort können Einzelhändler und Brands Anzeigen kaufen, die den Traffic direkt zu ihren Produkten führen. Keine Suchmaschine mehr nötig. Um hier gegenzusteuern, sind beide eine Partnerschaft mit JD.com eingegangen. Die großen Datenbestände von JD.com geben ihnen Einblicke in das Kaufverhalten der Kunden und sie können JD.com bei der Anzeigenplatzierungsstrategie beraten. JD.com platziert zudem Bannerwerbung in seinem riesigen Werbenetzwerk. Mit diesen Partnerschaften können sie gemeinsam ihre Anzeigen so positionieren, dass sie mit denen von Alibaba konkurrieren können, wahrscheinlich in Südostasien, wo JD.com seine Präsenz schon rasch ausbaut.

JD.coms Partnerschaft mit dem weltgrößten Einzelhändler Wal-Mart
Bereits im Jahr 2016 schließt JD.com eine Partnerschaft mit Wal-Mart, dem weltweit größten Einzelhändler. Diese Partnerschaft ist insofern bedeutsam, als dass der größte Offline-Händler der Welt mit der zweitgrößten E-Commerce-Plattform in China zusammenarbeitet. Wal-Mart kann den Marktplatz und die User von JD.com nutzen, um direkt an chinesische Verbraucher zu verkaufen und so sein Offline-Geschäft im Land smart ergänzen. Die JD-Plattform „Daojia“ ist ein O2O-Lebensmittelzustelldienst (Offline to Online), der Lebensmittel innerhalb einer Stunde an Kunden liefert, und Wal-Mart ist ein wichtiger Lieferant.

JD.com kann seine Waren auch offline in Wal-Mart-Shops verkaufen und sie auch als Distributionszentren nutzen. Da JD.com seine Waren in erster Linie in zentralen Lagern in Kundennähe lagert und sich auf die Last-Mile-Delivery konzentriert, nicht auf die Bereitstellung einer End-to-End-Logistik, ist die Aufnahme der physischen Standorte von Wal-Mart in ganz China ein beträchtlicher Vorteil. Und da JD.com plant, bis Ende dieses Jahres auf den US-Markt zu expandieren, könnte Wal-Mart eine entscheidende Rolle dabei spielen, JD.com bei seinen Plänen zu unterstützen.

JD.com globalisiert – auch nach Deutschland
All diese Partnerschaften führen dazu, dass JD.com heute in der Lage ist, Alibaba und möglicherweise auch Amazon auf der globalen Bühne herauszufordern. JD.com ist mit seiner internationalen Version Joybuy, die erst im vergangenen Monat in Spanien eingeführt wurde, bereits auf dem Vormarsch. JD.com hat auch lokale Websites in Thailand und Indonesien gestartet. Zudem hat das Unternehme öffentlich erklärt, dass es beabsichtigt, Amazon um den Vorrang in den USA anzufechten und es ist wahrscheinlich, dass Wal-Mart und Google eine Schlüsselrolle spielen werden. JD.com kann wichtige Marktanteile gewinnen, indem es Waren zu einem niedrigeren Preis in China beschafft als Amazon. 

Das Herzstück von JD.com in China ist der direkte Einzelhandel, indem das Unternehmen Lagerbestände kauft und Produkte in kundennahen Lagern lagert, um den Kunden ein bestmögliches Einkaufserlebnis zu bieten. Für Deutschland würde dies im ersten Schritt vor allem eines bedeuten: JD.com muss sich zunächst ein Logistiknetzwerk aufbauen, damit es sein Geschäftsmodell auch hier einbringen kann. Und wenn man die bisherige Arbeitsweise des chinesischen Konzerns betrachtet, kann man annehmen, dass auch hierzulande strategische Partner gesucht werden – und das sowohl als auch offline. Wie diese Partnerschaften genau aussehen könnten, dazu kann ich nur mutmaßen. Sicher ist aber, dass JD.com eine starke Kraft im globalen Einzelhandel sein wird und deutsche Händler das Vorgehen der Chinesen im Auge behalten sollten, denn sie sind ein ernstzunehmender Player, der sich vor allem durch eins auszeichnet: Eine sehr gute Customer Experience. 

Direkte und indirekte Disruption – wie die Digitalisierung den B2B-Sektor verändert

geschrieben von Martin Groß-Albenhausen am 24. Juli 2018

„Im B2B funktioniert das nicht“ ist eine der beliebtesten Aussagen, um disruptive Ansätze im gewerblichen Beschaffungsbereich in Frage zu stellen. Und wer sich die Hörner an verschiedensten Firmenkunden-Zielgruppen abgestoßen hat, weiß, dass tatsächlich das Einkaufsverhalten der gewerblichen Einkäufer eben nicht – vielleicht „noch nicht“ – dem B2C-Onlineshopping entspricht. Weder im Großkunden-Segment, noch bei den kleinen Gewerbetreibenden.

Sicher, das ist von Sortimenten und adressierten Branchen abhängig. Im bevh-Arbeitskreis B2B haben wir vor kurzem auf Grundlage einer KPMG-Studie Szenarien des gewerblichen Einkaufs 2035 diskutiert. Deutlich wurde, dass es in jeder Branche Sortimentsbereiche gibt, die für den algorithmen-basierten, halb- oder vollautomatisierten Ein- und Nachkauf anfällig sind. Je standardisierter ein Produkt, um so weniger braucht es die Mensch-zu-Mensch-Interaktion. Das gilt auch für die enorm tiefen und auf Detailebene ausdifferenzierten Sortimente wie z.B. Schrauben, wo Güteklassen und Zertifikate bei scheinbar identischen Produkten den Unterschied machen.

Deutlich ist, dass der Mensch immer dann der bessere Verkäufer ist, wo die Nutzung eines technischen Interfaces einfache Prozesse verkompliziert. Keiner hangelt sich durch verschachtelte und facettierte Navigation, wenn ein Anruf beim Kundenbetreuer in zehn Sekunden zum gewünschten Produkt führt.

Heißt: Ein B2B-Onlineshop ist keine Disruption. Sondern lästig.

Bevor alle auf mich einschlagen: Natürlich ist ein B2B-Onlineshop sinnvoll, und wenn das nicht so wäre, würden nicht mindestens so viele Milliarden Euro jedes Jahr in den Onlineshops des Großhandels bzw. B2B-Versandhandels wie im B2C-E-Commerce insgesamt umgesetzt. Und auch Mercateo, AmazonBusiness und Alibaba stünden auf verlorenem Posten.

Worauf ich hinaus will, ist etwas anderes. Weil sich der B2B-Sektor langsamer und mühsamer entwickelt, übersehen die Firmen häufig, dass bei ihren Kunden eine Disruption stattfindet, die im zweiten Schritt die Lieferanten erreicht.

Im bevh sind zahlreiche mittelständische, in ihren Segmenten durchaus führende B2B-Onlinehändler engagiert. Das fordert uns als Verband immer wieder heraus, uns mit den Details einzelner Branchen zu beschäftigen. Das können mal Zahnlabore sein, mal Baustoffe, mal die Gastronomie.

Letztere scheint bislang fest in der Hand des etablierten Großhandels. Direkter Verkauf der starken Marken an den Gastronomen erfolgt so gut wie nicht, und die Online-Anbieter unter den Gastronomie-Ausstattern werden noch immer argwöhnisch beäugt. Selbst von Seiten der Gastronomen scheint wenig Veränderungsdruck ausgeübt zu werden. Aber der Onlinehandel entwickelt sich stetig.

Dabei befindet sich die Gastronomie-Branche selbst mitten in einer der stärksten Veränderungen, die Digitalisierung in den letzten Jahren hervorgebracht haben. Die Aufhebung der räumlichen und zeitlichen Gebundenheit des gastronomischen Angebots durch Lieferdienste schüttelt den Wettbewerb durch. Wo der Endkunde früher drei Restaurants im Ort hatte, kann er nun über verschiedene Lieferdienste von einer Vielzahl mehr Restaurants unterschiedlichste Gerichte aus aller Welt beziehen.

Warum ändert das die Welt des Gastronomie-Bedarfs? Weil sich Auslastungen von Geräten ändern und damit die Qualität des Angebots. Oder aber es treten ganz neue Anbieter in den Markt ein. Denn bei Lieferheld, lieferando und Co. tritt die Mechanik des Aggregators vor die Kenntnis des Restaurationsbetriebs. Sprich: Die positiven Bewertungen des Lieferanten ersetzen die Besichtigung der Gaststätte.

So wie es Merchants gibt, die sich perfekt auf den überschießenden Convenience-Wert der Plattform einrichten, diesen perfekt unterstützen und damit etablierte Handelsmarken überholen, können Restaurants ohne Gastraum entstehen. (Ganz ähnlich können seit der Novellierung der Handwerksordnung 2004 über die fast zeitgleich entstehenden Plattformen Betriebe ohne klassischen Sitz eine Vielzahl von Gewerken anbieten. Im Fachjargon heißen sie deshalb „mobile Generalisten“.)

Werden die etablierten Gastronomiebetriebe so von ungebundenen Newcomern bedrängt, hat von der anderen Seite des Spektrums aus die Systemgastronomie die Chance erkannt. Peter Zodrow, Geschäftsführer der Sattgrün Gastronomie GmbH, hat das im vergangenen Jahr auf den Punkt gebracht:

„Der Systemgastronomie gehört unserer Meinung nach die Zukunft und genauso, wie man im Bereich des Einzelhandels in den Innenstädten fast nur noch große Ketten sieht, wird die Systemgastronomie der Individualgastronomie immer mehr Flächen streitig machen. Interessant ist sicherlich dabei auch der Bereich Lieferservice. Wobei es hier darauf ankommen wird, ob die Systemer es schaffen werden, konkurrenzfähige eigene Angebote als Alternativen zu Lieferando, Foodora und Co. ins Leben zu rufen.“ 

Es wäre zu kurz gegriffen, in dieser Veränderung lediglich eine Herausforderung und Chance für die Produktentwicklung und die Optimierung des Außendienstes zu sehen. Tatsächlich ändert sich das Geschäftsmodell der Gastronomen im Hinblick auf die Daten, mit denen Nachfrage gesteuert werden kann. Liefergeschwindigkeit wird zum Faktor, und dieser wird z.B. durch die systemische, digitale Integration des Betriebes mit den weiteren genutzten Plattformen und Geräten ausgespielt.

Was ist also der kommende Bedarf des Gastronomen, und wie können Gastronomie-Ausstatter durch diese indirekte Disruption im E-Commerce angreifen?

Meines Erachtens können das neuartige Pricing-Modelle sein – etwa nicht mehr der Verkauf eines Dampfgarers, sondern die Bezahlung nach gekochten Gerichten. Oder eine Integration der verbauten digitalen Steuerungen verschiedener Geräte-Hersteller in einer digitalen Steuerungsplattform, die eine bessere Berechnung der Lieferzeiten möglich macht. Oder ein Service, der den Ausfall von Geräten absichert.

Durch die erste Disruption sortiert sich der Markt der Gastronomie neu, und die zweite Disruption verändert die Wertschöpfung im Gastronomie-Bedarf. 

Barrierefreies Einkaufen im Web - Teil 2

erklärt von Heike Clauss, Projektleitung BIK für Alle

Wer seine Produkte über Verkaufsplattformen anbietet, dem sind natürlich die Hände gebunden.  Hier gibt es wenig Einfluss auf die barrierefreie Darstellung des Angebots. Zu erwarten ist, dass die Portale entsprechend angepasst werden, wenn es eine klare rechtliche Vorgabe gibt. 

Anders, wenn Sie einen eigenen Shop betreiben, hier können Sie selbst für gute Zugänglichkeit sorgen. Ähnlich wie bei dem Bau eines Gebäudes ist Barrierefreiheit im Web am kostengünstigsten umzusetzen, wenn sie von Anfang an mitbedacht wird. Der ideale Zeitpunkt ist also, wenn ein Shop neu eingerichtet wird oder ein Relaunch ansteht. Aber auch im laufenden Betrieb können peu à peu Verbesserungen vorgenommen werden.

Für die Umsetzung ist in erster Linie die beauftragte Agentur zuständig. Sie ist für die Auswahl der technischen Grundlage, also des CMS bzw. Shopssystems und die barrierefreie Entwicklung des Auftritts verantwortlich.

Formulieren Sie gegenüber der Agentur konkret, dass der Internetauftritt die Vorgaben der Konformitätsstufe AA der WCAG 2.0 erfüllen muss. In der WCAG werden die drei Stufen A, AA, AAA unterschieden. Die Stufe AA ist der gängige Standard.

Leider haben sich viele Agenturen bislang noch nicht mit barrierefreiem Webdesign beschäftigt. Dies hat zur Folge, dass sich auch deren Mitarbeiter zunächst in das Thema einarbeiten müssen. Agenturen, die schon nachweislich barrierefreie Webauftritte entwickelt haben, finden Sie auf unserer Liste 90+. (http://www.bitvtest.de/90plus/agenturen.html)

Aber auch die Redakteure, die Texte oder neue Produkte eingeben, tragen zur Zugänglichkeit einer Seite bei. Sie müssen z.B. Überschriften korrekt auszeichnen und Bilder oder Fotos mit Alternativtexten versehen.

Was kostet Barrierefreiheit?

Was kostet die barrierefreie Umsetzung? Eine Frage, die natürlich immer im Raum steht, auf die sich aber leider nicht mit konkreten Zahlen antworten lässt. So hängen die Kosten für barrierefreies Design davon ab

ob bei einer Neugestaltung bzw. einem Relaunch Barrierefreiheit von vorn herein mitgeplant wurde oder ein Webangebot extra „nachgerüstet“ werden muss

ob die beauftragte Agentur bereits Erfahrung im barrierefreien Design hat oder entstehende Kosten für Qualifizierung/Einarbeitung an den Kunden weitergibt

wie technisch komplex der Auftritt ist.

Zudem ist der Aufwand für die barrierefreie Gestaltung und andere Aufgaben der Entwicklung oft nicht klar zu trennen. Auch gibt es viele Usability-Anforderungen, die mit der Barrierefreiheit Hand in Hand gehen.

Erfahrungen aus dem öffentlichen Sektor oder aus anderen Ländern, in denen auch privatwirtschaftliche Branchen gesetzlichen Verpflichtungen unterliegen, zeigen: Barrierefreiheit ist machbar. Und besonders dann, wenn Barrierefreiheit nicht von heute auf morgen umgesetzt werden muss, sondern es angemessene Vorlaufzeiten zur Vorbereitung und Planung des Prozesses gibt.

Durch die zunehmenden gesetzlichen Verpflichtungen, z.B. die Verabschiedung der europäischen Richtlinie zur Barrierefreiheit von Websites öffentlicher Stellen, ist außerdem zu erwarten, dass das Thema Aufschwung erhält, IT Anbieter zukünftig besser zugängliche Systeme entwickeln und mehr Agenturen Barrierefreiheit in ihr Portfolio einbeziehen.

Welche Unterstützung gibt es?

Barrierefreies Webdesign ist kein Hexenwerk. Wer sich bislang noch nicht mit dem Thema beschäftigt hat, benötigt jedoch etwas Zeit, um sich einen Überblick zu verschaffen und sich einzuarbeiten.

Ausführliche Informationen und Hilfestellung erhalten Webanbieter und Redakteure in zwei Leitfäden des Projekts BIK für Alle: 

Leitfaden für Webseiten-Anbieter (http://www.bik-fuer-alle.de/leitfaden-fuer-webseiten-anbieter.html)

und

Webinhalte barrierefrei einpflegen (http://www.bik-fuer-alle.de/webinhalte-barrierefrei-pflegen.html)

In vorangegangenen BIK-Projekten wurde ein Verfahren zur Prüfung der Zugänglichkeit von Webseiten entwickelt.  Dieses Verfahren steht heute als BITV- und als WCAG-Test zur Verfügung. Die Tests werden von einem deutschlandweiten Prüfverbund angeboten und können sowohl entwicklungsbegleitend (bzw. zur Ermittlung des Status quo) als auch für eine Zertifizierung genutzt werden. Außerdem steht der Test auch als Online-Tool für eine Selbstbewertung zur Verfügung.

Ausführliche Informationen zu den Tests finden Sie unter www.bitvtest.de.

Das Verpackungsgesetz kommt zum 01.01.2019: Das sollten Online-Händler jetzt beachten

Geschrieben von Heike Stolz, Marketing & PR bei der Noventiz GmbH, 11.07.2018

Am 01.01.2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft und löst die bis dahin geltende Verpackungsverordnung ab. Dabei sind die grundsätzlichen Verpflichtungen aus der Verpackungsverordnung geblieben. Das dort verankerte Prinzip der Produktverantwortung sieht vor, dass Hersteller für die Entsorgung ihrer Verkaufsverpackungen bezahlen müssen. Dies geschieht in Form kostenpflichtiger Lizenzierungs- bzw. Beteiligungsentgelte bei einem dualen System. Mit diesen Entgelten werden die Kosten für die Rücknahme und Verwertung dieser Verpackungen durch die dualen Systeme finanziert.

Für die Beteiligungspflicht ist entscheidend, ob die in Verkehr gebrachten Verpackungen in einem privaten Haushalt anfallen und dort entsorgt werden. In der Regel geschieht dies über die Gelbe Tonne (bzw. den Gelben Sack), je nach Materialart kann die Sammlung auch über die Papiertonne oder einen Glascontainer erfolgen. Eine Mindestmenge oder Untergrenze für diese Verpflichtung gibt es nicht, selbst geringe Mengen müssen bei einem dualen System lizenziert werden. Die Unternehmen müssen sich ihrerseits bei der Zentralen Stelle registrieren und zukünftig ihre Mengen dort melden.

Gerade kleine Online-Händler sind bisher dieser Verpflichtung – oft aus Unwissenheit – nicht nachgekommen. Das kann teuer werden: Ein Verstoß gegen die Meldepflichten kann zu einem Bußgeld von bis zu 200.000 Euro pro Fall führen. Außerdem droht bei einer fehlenden Registrierung und Systembeteiligung ein Vertriebsverbot. Unternehmen laufen also Gefahr, abgemahnt zu werden – beispielsweise von Wettbewerbern – und sollten daher das Verpackungsgesetz genauso ernst nehmen wie die Umsetzung einer Datenschutzgrundverordnung.

Versandverpackungen sind keine Serviceverpackungen

Versandverpackungen werden im §3 VerpackG definiert als „Verpackungen, die erst beim Letztvertreiber befüllt werden, um den Versand von Waren an den Endverbraucher zu ermöglichen oder zu unterstützen“. Damit sind also Verpackungen sowie Füllmaterial (z.B. Kartons, Füllmaterial, Folie) gemeint, die Online-Händler für den Versand ihrer Produkte an den Endkunden benutzen. Diese sind systembeteiligungspflichtig bei einem dualen System. Bereits in der aktuell geltenden Version der Verpackungsverordnung sind vorlizenzierte Versandverpackungen nicht mehr zulässig. Als Online-Händler kann ich mich also nicht darauf berufen, Verpackungen einzusetzen, die beim Kauf bereits als lizenziert gelten. Dieses Vorgehen ist ausdrücklich beschränkt auf sog. Serviceverpackungen. Typische Beispiele für Serviceverpackungen sind Brötchentüten, Fleischerpapier, Tüten für Obst- und Gemüse oder Coffee-to-go-Becher. Nur solche Serviceverpackungen dürfen bereits mit Systembeteiligung gekauft werden. Diese sollte über einen entsprechenden Beleg (z.B. Rechnung oder Lieferschein) nachgewiesen werden.

Verpackungsgesetz schafft Transparenz und legt Sanktionen fest

Eine wesentliche Änderung zur Verpackungsverordnung ist die Schaffung einer neuen Behörde, der „Stiftung Zentralen Stelle Verpackungsregister“. Mit Sitz in Osnabrück wird die Zentrale Stelle für deutlich mehr Transparenz sorgen. Dazu wird es ein öffentliches Register aller Unternehmen geben, die sog. systembeteiligungspflichtige Verpackungen in Verkehr bringen. Damit sind die Verpackungen gemeint, die beim privaten Endverbraucher anfallen. Jede Registrierung wird mit einer Registrierungsnummer abgeschlossen und über die Webseite der Zentralen Stelle öffentlich einsehbar sein. So wird sehr einfach nachvollziehbar, welche Hersteller oder Händler ihrer Verpflichtung gemäß dem Gesetz nachkommen.

Die Datenbank – das Verpackungsregister LUCID – wird voraussichtlich ab Ende August über die Webseite der Zentralen Stelle freigeschaltet sein. Details zum Registrierungs-Prozess will die Behörde rechtzeitig bekannt geben, damit die Registrierung für jeden Nutzer einfach zu erledigen ist. Auf der Homepage der Zentralen Stelle werden jetzt schon laufend Informationen zur Verfügung gestellt, z.B.  einen ausführlichen How-to-Guide sowie FAQs und einen Informationsfilm. Fest steht aber, dass jedes Unternehmen die Registrierung höchstpersönlich vornehmen muss – also keinen Dritten mit dieser Aufgabe betrauen kann. Auch wenn es bereits bestehende Verträge mit einem dualen Systembetreiber gibt, kann dieser nicht die Registrierung übernehmen. Bei allen anderen anfallenden Formalitäten oder Fragen können die Vertreter der dualen Systeme nach wie vor unterstützen.

Verpackungslizenzierung einfach erledigen

Die Beteiligung ein einem dualen System klingt komplizierter als es in der Realität ist. Für eine rechtssichere Lizenzierung braucht es lediglich eine Hochrechnung des Verpackungsaufkommens, unterteilt in die unterschiedlichen Materialfraktionen wie Glas, Papier / Pappe / Karton oder Kunststoff. Bei Unklarheiten zur korrekten Zuordnung helfen die Experten der dualen Systembetreiber. Oftmals kann dieser Prozess komplett online erledigt werden – inklusive Abschluss eines rechtssicheren Vertrages. So zum Beispiel über das Direkt-Portal der Noventiz. Händler bekommen im Anschluss sofort eine Bestätigung über die rechtssichere Umsetzung der geforderten Systembeteiligung.

Zusätzlich zur Registrierung müssen Hersteller und Händler im nächsten Schritt ihre Mengen, die bei einem dualen System lizenziert wurden, an die Zentrale Stelle übermitteln – und zwar unverzüglich. Bei der Meldung sind mindestens die folgenden Daten anzugeben:

  • Registrierungsnummer
  • Materialart und Masse der beteiligten Verpackungen
  • Name des Systems, bei dem die Systembeteiligung vorgenommen wurde
  • Zeitraum, für den die Systembeteiligung vorgenommen wurde 

Die Pflicht zur Mengenmeldung regelt der § 10 des Verpackungsgesetzes. Anders als bei der Vollständigkeitserklärung ist für die Meldepflicht keine Bagatellgrenzen vorgesehen und so müssen auch Inverkehrbringer von kleinen Mengen ihre Daten nach den oben genannten Kriterien an die Zentrale Stelle übermitteln. Da die Systeme ihrerseits ebenfalls Daten an die Zentrale Stelle weiterleiten, ist ein einfacher Datenabgleich möglich und ein hohes Maß an Transparenz gewährleistet.

Registrierungen können voraussichtlich ab Ende August vorgenommen werden. Dann soll die Registrierungsdatenbank LUCID fertiggestellt sein. Gerade Online-Händler, die bisher noch keine Mengen bei einem dualen System vorgenommen haben, sollten rechtzeitig prüfen, ob sie lizenzierungspflichtig sind. Falls ja, kann die Registrierung umgehend vorgenommen werden – zusätzliche Kosten sind damit übrigens nicht verbunden.

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Jahresbericht 2017


                                 

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