Der Open Scope im ElektroG – Eine Herausforderung nicht nur für die Onlinehändler

verfasst von Julia Wolf (Dr. Brüning Engineering UG) und Eva Rohde (bevh)

Ab dem 15. August 2018 tritt der so genannte offene Anwendungsbereich (Open Scope) des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG) in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt muss (fast) jedes Produkt, das einen Stecker hat oder batteriebetrieben ist, bei der Stiftung ear registriert werden. Darunter fallen erstmalig auch sog. „smart furniture“ und „smart clothing“ (darunter  können z. B. Schränke mit Beleuchtung oder Kleidungsstücke mit eingebauten Lüftern fallen sowie blinkende und singende Weihnachtsmützen. Ob diese „smart“ sind, sei dahingestellt). Bisher war der Anwendungsbereich des Gesetzes auf Produkte begrenzt, die unter diese 10 Kategorien fielen: Haushaltsgroßgeräte, Haushaltskleingeräte, Geräte der Informations- und Telekommunikationstechnik, Geräte der Unterhaltungselektronik und Photovoltaikmodule, Beleuchtungskörper, elektrische und elektronische Werkzeuge, Spielzeug sowie Sport- und Freizeitgeräte, Medizinprodukte, Überwachungs- und Kontrollinstrumente und automatische Ausgabegeräte.

Durch die Öffnung des Anwendungsbereichs können jetzt weitere Produkte hinzukommen. Dies führt dazu, dass ab dem Zeitpunkt auch diese Produkte mit einer durchgestrichenen Mülltonne gekennzeichnet werden müssen und nicht mehr in den Hausabfall geworfen werden dürfen.

Produkte die schon bisher als Elektrogeräte galten, gelten auch weiterhin als Elektrogeräte.

Die Einstufung als Elektrogerät hängt davon ab, ob die elektrischen Bauteile funktional oder baulich an die Nutzungsdauer des Gesamtprodukts gebunden sind. Falls ja, handelt es sich bei dem Gesamtprodukt um ein Elektrogerät. Gemeint sind hier Produkte deren elektrische Bestandteile im Gesamtprodukt fest eingebaut sind und sich nur „unter großer Anstrengung“ wieder ausbauen lassen. Produkte, bei denen dies i. d. R. der Fall ist, sind z.B. ein elektrisch verstellbarer Fernsehsessel oder blinkende/ leuchtende Kinderschuhe. Solche Produkte müssen zukünftig bei der stiftung ear als Elektrogeräte registriert werden. Im Gegensatz dazu kann es Produkte geben, deren elektrische Bestandteile auch einzeln, zum Nachrüsten, in Verkehr gebracht werden und leicht ausgetauscht werden können. Bei diesen Produkten muss nur der elektrische Bestandteil als Elektrogerät registriert werden. Ein Beispiel ist eine Schrankwand mit einer LED Leiste. Wenn die LED Leiste nachgekauft und vom Benutzer ausgetauscht werden kann, gilt die Schrankwand auch zukünftig nicht als Elektrogerät. Die LED Leiste stellt dann das Elektrogerät dar. Entscheidungen und Einzelheiten zur Einstufung von Produkten werden von der Stiftung ear bekannt gegeben.

Da ab dem 15. August mehr Produkte unter das ElektroG fallen, sollten Vertreiber aktuell ihr Sortiment überprüfen. Wenn das Sortiment Produkte enthält, die „neu“ unter das Gesetz fallen, sollten Vertreiber prüfen, ob diese Produkte vom Hersteller ordnungsgemäß registriert wurden. Bei der Prüfung sollten folgende Fragen geklärt werden:

  • Ist auf dem Produkt das Symbol der durchgestrichenen Abfalltonne aufgebracht?
  • Gibt der Hersteller die sog. WEEE Registrierungsnummer (insb. auf Rechnungen) an?
  • Ist der Hersteller im online Verzeichnis der stiftung ear verzeichnet?
  • Stimmt die Registrierungsnummer dort mit der angegebenen Registrierungsnummer überein?
  • Stimmt die dort verzeichnete Geräteart (z.B. „Haushaltskleingeräte für die Nutzung in privaten Haushalten“) mit dem der des Produkts überein?

Das Verzeichnis der Hersteller und ihrer Bevollmächtigten ist auf der Webseite der stiftung ear öffentlich einsehbar (https://www.ear-system.de/ear-verzeichnis/hersteller#no-back). Hier kann man z.B. nach Herstellernamen oder nach WEEE Registrierungsnummern suchen oder die Liste aller registrierten Hersteller einsehen.

Wenn nach der Prüfung zweifelhaft ist, ob ein Hersteller ordnungsgemäß registriert ist, gibt es dringenden Handlungsbedarf. Laut ElektroG gelten Vertreiber, die vorsätzlich oder fahrlässig Geräte von Herstellern anbieten, die nicht ordnungsgemäß registriert sind, selbst als Hersteller. Damit treffen sie dann alle Herstellerpflichten. Z. B. müssen sich diese Vertreiber dann bei der Stiftung ear als Hersteller registrieren. Bei Verstößen gegen die Registrierungspflicht, kann es zu Abmahnungen kommen und es können Bußgelder verhängt werden.

Vertreibern wird daher geraten, das Anbieten von „Verdachtsprodukten“ (ggf. vorübergehend) einzustellen. Es sollte Kontakt mit dem Hersteller aufgenommen werden, um zu klären, ob eine Registrierung und eine Registrierungsnummer vorliegen. Sollte dies nicht der Fall sein und sollte der Hersteller auch nicht zur Registrierung bereit sein, muss der Vertreiber sich ordnungsgemäß bei der Stiftung ear registrieren, bevor er das Produkt anbieten darf.

Neben der Frage der Registrierung, können für Vertreiber auch die Regelungen zur Rücknahme von Elektrogeräten wichtig sein. Elektroaltgeräte dürfen in Deutschland nur von öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern (Recyclinghöfen), Vertreibern oder Herstellern gesammelt und zurückgenommen werden.

Vertreiber mit einer Verkaufs- oder Lagerfläche von mindestens 400 m² sind laut ElektroG verpflichtet beim Verkauf eines Neugerätes, ein gleichartiges Gerät unentgeltlich zurückzunehmen. Weiterhin müssen sie Kleingeräte (keine äußere Abmessung über 25 cm) in haushaltsüblichen Mengen unentgeltlich zurückzunehmen, unabhängig vom Verkauf eines Neugeräts. Ab dem 15. August gelten, wie zuvor beschrieben, mehr Geräte als zuvor als Elektrogeräte. Daher sollten Vertreiber, unter Beachtung der neuen Definition, jetzt prüfen, welche Flächen sie für den Verkauf oder die Lagerung von Elektrogeräten nutzen und ob ggf. Rücknahmepflichten auf sie zukommen.

Nach der Sammlung werden Elektrogeräte zwecks Vorbehandlung dann zu einem Entsorgungsunternehmen (beispielsweise der ELPRO GmbH) verbracht, wo die Geräte der Erst- und Folgebehandlung zugeführt werden.

Im Rahmen der Behandlung werden die Elektroaltgeräte manuell von Schadstoffen entfrachtet, in die einzelnen Bestandteile zerlegt und diese nach verschiedenen Fraktionen (beispielsweise in die Metalle wie Kupfer, Eisen, Aluminium, Messing, etc.) aufgeteilt oder geschreddert. Es ist vorgesehen, dass die Erstbehandlungsanlagen Aufzeichnungen über das Gewicht der Altgeräte, ihre Bauteile, Werkstoffe und Stoffe führen.

Mit dem Wirksamwerden des Open Scope werden die Behandlungsanlagen vor neue Herausforderungen gestellt. Nicht nur wird die Menge der angelieferten Geräte mehr, sondern auch wird das Zerlegen insbesondere von „smart furniture“ für die Entsorgungsunternehmen problematisch: zum einen sind höhenverstellbare oder vernetzte Tische sowie illuminierte Schränke und Vitrinen platzraubender als die Elektroprodukte, mit denen man sich bisher beschäftigen musste. Zum anderen fallen bei den Recyclinghöfen selbst vermehrt Fraktionen wie Holz und Textilien an, die es zu lagern, zu verwerten und zu dokumentieren gilt.

Doch auch bereits jetzt sehen sich die Entsorgungsunternehmen einzelnen Herausforderungen gegenüber.

Die immer größer werdenden Flat Screens sind sicherlich an den Wänden in Wohnzimmern ein hübscher Blickfang, der bruchsichere Transport solch großer Elektrogeräte ist jedoch eine große Herausforderung, ebenso wie das manuelle Zerlegen. Oft sind die vorhandenen Arbeitsplätze für die Zerlegung den neuen Dimensionen von Unterhaltungsmedien nicht gewachsen und müssen angepasst werden.

Ein weiteres Problem werfen Batterien, insbesondere Lithium-Ionen-Batterien auf. § 10 Abs. 1 S. 2 ElektroG sieht vor, dass Altbatterien und Altakkumulatoren, die nicht vom Altgerät umschlossen sind, vor der Abgabe an eine Erfassungsstelle von dem Gerät zu trennen sind und getrennt einem Rücknahmesystem für Batterien zugeführt werden müssen.

Für den Transport von Batterien zu den Entsorgungsunternehmen müssen widerstandsfähige Außenverpackungen genutzt werden, die aus einem geeigneten Werkstoff hergestellt sind und eine ausreichende Festigkeit aufweisen. Dies kann beispielsweise auch durch das Produkt selbst gewährleistet sein (Beispiel: elektrische Zahnbürsten). Diese batteriebetriebenen Altgeräte müssen bei den Recyclinghöfen in eigenen, geeigneten Behältnissen getrennt von den anderen Altgeräten gesammelt bzw. gelagert werden. Beim Transport von Batterien muss sichergestellt werden, dass während des Transports ein Kontakt zu anderen Batterien oder leitfähigen Oberflächen ausgeschlossen ist (das Bundesumweltamt rät auch für den privaten Hausgebrauch, die Pole von Lithium-Ionen-Batterien, die nicht in Benutzung sind, mit Tesafilm zu überkleben). Ebenso besteht die Gefahr, dass die losen Batterien während des Transports oder bei dem Ausladen bei der Behandlungsanlage beschädigt werden und die heraustretenden Elektrolyte mit anderen Stoffen reagieren.

Zur Gefahrminimierung ist die Abholmenge für Batterien auf fünf Kubikmeter beschränkt. Diese vorgegebene Menge wird mit Einführung des Open Scope zukünftig schneller erreicht werden als bisher, was die Abholkoordinierung vor neue Herausforderungen stellen wird. 

Auch das Vorurteil, dass bei der Rohstoffrückgewinnung massenhaft wertvolle Metalle aussortiert werden, und eine Art Goldgräberstimmung herrscht, ist mittlerweile längst überholt. Aus Kostengründen und um das Gewicht von Elektroartikeln so gering wie möglich zu halten, wird der Einsatz von wertvollen Metall nach Möglichkeit reduziert und durch Kunststoff ersetzt. Eine wahre Erleichterung für den Verbraucher, eine große Erschwernis für die Behandlungsanlagen - denn auch das Trennen der Metalle von dem Kunststoff ist nicht einfach. Wenn dann endlich die verwertbaren Rohstoffe gewonnen wurden, gilt es, diese zu einem guten Preis wieder zu verkaufen. Aber wie sagte schon Benjamin Graham – „Geduld ist die oberste Tugend des Investors.” Und den richtigen aktuellen Marktwert für die einzelnen Metalle rechtzeitig zu erkennen und danach zu handeln um kein Verlustgeschäft zu verbuchen, ist eine große unternehmerische Herausforderung.

Erfolg basiert auf Kundenverständnis

Gastbeitrag von: Oliver Peters, Country Manager DACH bei Lengow

Zunehmend vernetzt, nomadisch und volatil, zwingen Verbraucher Online-Händler dazu, ihre Strategien ständig zu überdenken. Um ein reibungsloses, schnelles und einzigartiges Einkaufserlebnis für Verbraucher zu schaffen, ist es wichtig, seine Kunden zu kennen, damit ihnen zum richtigen Zeitpunkt das beste Angebot gemacht werden kann. Was sind die Erwartungen und Bedürfnisse der Kunden? Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um sie perfekt anzusprechen? Wie ist es möglich, einen Erfolg oder Misserfolg zu seinen Gunsten zu nutzen? Es gibt zahlreiche Schritte zu berücksichtigen, um das Tandem Händler-Kunde zu einem Erfolg zu machen. 

1/ Kaufmöglichkeiten für die Kunden erhöhen

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist mittlerweile über Desktop, Smartphone oder Tablet mit dem Internet verbunden, so der aktuelle Internet Trends-Bericht der US-Analystin Mary Meeker. Der Zugang zum Internet breitet sich unaufhaltbar aus und immer mehr Nutzer werden zu E-Shoppern auf der Suche nach Schnäppchen, exklusiven Neuheiten und einer größeren Auswahl an Produkten.

Verbraucher haben viele Facetten, die es zu entdecken gilt, bevor man ihnen ein Produkt bzw. eine Dienstleistung anbietet. Hier ein paar verschiedene Shopping-Typen: Da wären der sparsame Shopper (Schnäppchenjäger), der vergleichende Shopper (vergleicht Preise und Produkte), der faule Shopper (bricht Kauf durch zu lange Anmeldeprozesse ab) oder auch der opportunistische Shopper (wartet auf Ausverkaufsperioden). Die Vielfalt des menschlichen Charakters scheint sich auch in den verschiedenen Shopper-Typen zu spiegeln. Jeder Typus sollte richtig angesprochen werden und es muss darauf geachtet werden, wo jeder am liebsten „shoppt“.

Hinzu kommt, dass die Kaufgewohnheiten vielfältig und komplex geworden sind. Als Omnikanal-Enthusiasten wollen Kunden Einkäufe tätigen, wo und wann sie wollen, und jonglieren geschickt zwischen Desktop-PC und Smartphone bzw. zwischen Online und Offline.

Angesichts dieser Nachfrage sind sowohl Online- als auch Offline-Geschäfte wieder in vollem Gange, wie die zunehmende Zahl von Allianzen zwischen Einzelhandel- und E-Commerce-Unternehmen zeigt: Walmart und Microsoft, Carrefour und Tencent oder Auchan und Alibaba. Ziel dieser Kooperationen ist es, allen Marktteilnehmern ein einheitliches, innovatives und punktgenaues Einkaufserlebnis zu bieten und gleichzeitig die eigene Attraktivität zu steigern.

Diese neue Schlagkraft muss auch für den grenzüberschreitenden E-Commerce eingesetzt werden, da E-Shopper nun vermehrt auch Cross-Border Produkte kaufen. So erwerben beispielsweise 70 Prozent der europäischen E-Kunden im Ausland Produkte. Geographische Barrieren verschwinden damit endgültig zugunsten des globalisierten Handels.

2/ Mit dem Kunden zur richtigen Zeit am richtigen Ort interagieren 

Auch wenn China und Indien die meisten Internetnutzer haben sind es die USA und China, die mit Akteuren wie Amazon und Alibaba den internationalen E-Commerce-Markt dominieren. Beide Firmen, die respektiv zu den GAFAM (Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft) bzw. BATX (Baidu, Alibaba, Tencent und Xiaomi) gehören, führen einen unerbittlichen Kampf. Die zwei Giganten, die zusammen einen Umsatz von 60 Milliarden Euro im ersten Quartal 2018 erwirtschafteten, erweitern Tag für Tag ihr Handelsgebiet, um ihren Marktanteil zu erhöhen und ihre Dominanz auf dem internationalen Markt zu festigen.

Um den E-Commerce von morgen zu erfinden, bringen große sowie kleine Unternehmen disruptive Innovationen auf den Markt und stärken ihr Ökosystem durch Investitionen in F&E oder durch Kooperationen, wie oben bereits erwähnt. Von der künstlichen Intelligenz bis zum Phygital stellen sie sich neuen Herausforderungen, um ihre Präsenz bei den Verbrauchern zu stärken, um diese zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu erreichen, unabhängig von Land und Kontaktpunkt.

Im Jahr 2018 wird der Markt für künstliche Intelligenz 7,35 Mrd. US-Dollar schwer sein. Er wird viele Sektoren, einschließlich des Handels, verändern. Visuell nach einem Produkt suchen, einen Bot fragen, Einkäufe über einen Sprachassistenten bestellen, ein Angebot erhalten, das auf einem persönlichen „Einkaufspfad“ basiert etc. – all das wird möglich. Künstliche Intelligenz gepaart mit Datenverwertung ist in Zeiten der Hyperpersonalisierung unabdingbar, um den Kunden perfekt anzusprechen. Dabei muss natürlich immer der rechtliche Rahmen der Benutzung personenbezogener Daten beachtet werden. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die am 25. Mai in Kraft getreten ist, hat zu dem Thema viel beigetragen.      

Neben einem personalisierten Einkaufserlebnis wünschen sich die Verbraucher von morgen vor allem auch Einfachheit. Die Eröffnungen von Hema Fresh in China oder von Amazon Go in den USA zeugen von einer ganz realen (R)Evolution, bei der sich die virtuelle und die reale Sphäre zugunsten einer vereinfachten Beziehung vereinen, in der das Mobile im Mittelpunkt steht.
 

3/ Innovationen, um den Kunden zufriedenzustellen

Projekte und Ideen, um die Kundenzufriedenheit zu steigern, bringen dem Sektor echte Fortschritte. Um mit den sich ändernden Kaufgewohnheiten der Verbraucher und dem zunehmenden und nun globalen Wettbewerb Schritt halten zu können, müssen sich die Marktteilnehmer ständig erneuern. Der Schlüssel zum Erfolg besteht darin, den Kunden und dessen Einkaufserlebnis in den Mittelpunkt der Strategie zu stellen.

Um die „Customer Journey“ und Innovationen in dem Bereich zu diskutieren, haben wir den diesjährigen Lengow Day, eines der größten E-Commerce-Events in Europa, genau diesem Thema gewidmet. Sie sind herzlich dazu eingeladen, am 27. September 2018 beim Lengow Day in Paris im Pavillon Gabriel teilzunehmen. Lengow möchte Händler dabei unterstützen, ihr (Online-)Geschäft weiter auszubauen und ihnen dazu verhelfen, Hauptakteure in der internationalen E-Commerce-Branche zu werden. Die eintägige Veranstaltung mit zahlreichen Konferenzen, Workshops und Networking-Sitzungen liefert dafür den Rahmen. Mit dem Motto „Go Beyond“ widmet sich die sechste Ausgabe des Lengow Day der „Customer Journey“ anhand von drei Themenkomplexen: "Get To Know Your Future Customers", "Think Better, Act Closer" und "Go Beyond Your Achievements".

Eckdaten zum Lengow Day 2018

Termin: Donnerstag, 27. September 2018

Veranstaltungsort: Pavillon Gabriel, 5 avenue Gabriel, 75008 Paris

Format: Keynotes, Round Tables, Workshops und Case Study Präsentationen

Teilnehmer: 400 E-Commerce-Experten und -Entscheider aus ganz Europa

Bewerbung Startups: http://ow.ly/LEYA30l1BWJ

Normale Tickets: http://lengow.com/lengowday/

Mehr Selbstbestimmung der europäischen Digitalwirtschaft durch Allianzen

Gastbeitrag von Jan Oetjen, CEO 1&1 Mail & Media Applications SE mit den Marken WEB.DE und GMX

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kommen die Gewinner der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) aus Amerika. Amazon, Facebook und Google können ihre Dominanz weiter ausbauen, indem sie durch die zahlreichen Nutzerkontakte über Suche, Social Network, Messenger oder Shopping App weitreichende Einwilligungen zu ihren Datenschutzbedingungen erzielen. Bereits heute nehmen Google und Facebook zwei Drittel der weltweiten Ausgaben für Online-Werbung ein. Im E-Commerce dominiert Amazon, obwohl nationale Anbieter in Sachen Preis und Service durchaus konkurrenzfähig sind.

Durch die dominante Stellung der US-Dienste fließt ein Großteil des Umsatzes bei Werbung und Handel an nationalen Anbietern vorbei. Damit nicht genug – aus Asien drängen neue Plattformen auf den europäischen Markt. Doch auch weitere Faktoren sind für die deutsche Wirtschaft kritisch, etwa die Datenkonzentration bei diesen Plattformbetreibern sowie die Machtposition beim Setzen der Standards in den digitalen Schlüsseltechnologien. Weder der Nutzer noch ein europäisches Unternehmen, das am digitalen Leben teilnehmen möchte, kann sich den Vorgaben und Standards der GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon) entziehen. So ist bereits die Einrichtung eines Smartphones ohne Google- oder Apple-Konto kaum möglich. Die neuen Datenschutz-Regelungen verstärken diese Entwicklung noch einmal dramatisch, denn der Umgang mit Nutzerdaten wird durch sie erheblich erschwert. Wer keine eingeloggten Nutzer hat, wird sich schwer tun, die notwendigen Opt-ins dauerhaft einzusammeln und seine Shop-Besucher im Netz wiederzufinden.

Offenkundigstes Beispiel ist die Verwendung von Cookies. Überall im Internet tauchen seit dem 25. Mai Cookie-Laschen oder komplette Einwilligungsseiten auf, die der Nutzer vor Ansicht einer Website bestätigen muss. Dumm nur, dass oftmals die Cookies automatisch geblockt oder gelöscht werden und das Spiel von vorne beginnt. Das nervt die Nutzer zunehmend, weil es das Surf-Erlebnis stört und die Nutzer mittelfristig eher animiert, in den geschlossenen Ökosystemen von Facebook oder Amazon zu bleiben, denn die holen die Einwilligung für all ihre Dienste einmal zentral beim Log-in ein und müssen den Nutzer danach nicht mehr behelligen.

Hinzu kommen technologische Entwicklungen, die den Bedeutungsverlust der Cookies zusätzlich fördern. Die Multi-Screen-Nutzung ist Alltag geworden, doch mit dem Cookie lässt sich kein Cross-Device-Targeting bewerkstelligen. Zudem unterdrücken Adblocker sowie die Browser – auch hier bestimmen Google und Apple die Spielregeln – die Verwendung von Cookies. Werden aktuell über drei Viertel der Nutzerinformationen noch in Cookies gespeichert, wird sich dies ab 2019 im Rahmen der digitalen Neuordnung stark auf die digitale Identität des Nutzers verlagern. Kurz gesagt: Wir befinden uns am Ende der Cookie-Ära und am Anfang der ID-Ära.

Steht ein Wandel der Digitalwirtschaft bevor und wie können Unternehmen davon profitieren?
In der kommenden ID-Ära gelten neue Spielregeln. Das heißt nicht, dass der Cookie vollkommen verschwindet, aber er verliert seine dominante Stellung. Nutzer werden stattdessen ihre Identität über dauerhafte Log-ins angeben und verwalten – anders werden die erforderlichen Nutzerzustimmungen und Profildaten nicht für den Nutzer transparent und die Unternehmen nutzbar sein. Um nicht bei jedem Dienst einen neuen Account anlegen zu müssen, wird es Single Sign-on-Lösungen geben müssen. Diese ermöglichen es dem Nutzer, sich mit einem Log-in über verschiedene Dienste zu bewegen.

Wer von diesem Wandel profitieren will, braucht Allianzen. Um mit der digitalen Identität nicht eine weitere Schlüsseltechnologie an die großen US-amerikanischen Wettbewerber zu verlieren, haben Mediengruppe RTL Deutschland, ProSiebenSat.1 sowie United Internet die European netID Foundation gegründet. Die Initiatoren führen mit der netID einen offenen und rechtssicheren Standard ein, der die technischen Standards für die übergreifende ID des Nutzers regelt. Dezentral, transparent und europäisch sind die Säulen des Konzeptes. So wird die Governance über eine neutrale Stiftung orchestriert, die der Branche offen steht. Die Single Sign-on-Lösung wird sich durch eine transparente und standardisierte Erfassung von Daten und Nutzereinwilligungen differenzieren. Wichtiger Punkt ist die Offenheit – jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, sich dem Standard anzuschließen und ihn aktiv mit zu bestimmen und zu gestalten. 

Wie verändert die netID den Markt?
Die Schaffung eines unabhängigen, offenen Standards für die digitale Nutzeridentität ist die letzte Chance für die europäische Digitalindustrie, sich nicht vom Zugang zum Nutzer abschneiden zu lassen. Es kann nicht das Ziel sein, dass Google, Apple, Facebook und Amazon als alleinige Gatekeeper fungieren. Die Chancen der neuen Datenschutzregeln zu nutzen, gelingt nur in übergreifenden und offenen Initiativen, die die europäische Industrie auf Augenhöhe mit internatio­nalen Playern bringen. Die gesamte Digitalindustrie aus Online-Händlern, Werbekunden, Agenturen, Publishern und Vermarktern hängt zusammen. Sie kann auch nur eine begrenzte Anzahl von Systemen und Stan­dards unterstützen. Gleichzeitig besitzen nur wenige Anbieter alleine eine für den Markterfolg kritische Größe, deshalb sind Kooperationen entscheidend für die Zukunftssicherung der europäischen Digitalindustrie.

Bei Allianzen gilt: je größer, desto besser. Daher möchte die European netID Foundation so viele Partner wie möglich gewinnen. Um weiterhin in der Digitalwirtschaft bestehen zu können, gerade in Anbetracht der neuen EU-Datenschutzrichtlinien, müssen die Unternehmen zusammenarbeiten und europäisch denken. Dies haben nicht nur die Gründungspartner verstanden. Sowohl national als auch international ist das Interesse an einem Beitritt zur European netID Foundation sehr groß. So konnte die Zalando Group als Partner gewonnen werden. Mit 60 Unternehmen aller Branchen führen wir derzeit Gespräche über eine Kooperation. Auch im europäischen Ausland ist das Interesse groß, so hat z.B. der österreichische Handelsverband bereits eine Kooperation mit der netID geschlossen um den Standard auch in Österreich zu verbreiten. 

Wie wird die Stiftung den Handel, insbesondere den E-Commerce, beeinflussen?
Die Etablierung eines gemeinsamen europäischen Log-in-Standards hat zahlreiche Vorteile für die digitale Industrie und insbesondere für den Online-Handel. Sowohl die Schlagkraft als auch die Reichweite steigen für die Unternehmen enorm. Insgesamt erreichen die Initiatoren bereits zum Start der netID im Sommer rund 50 Millionen Unique User, von denen bereits ca. 35 Mio. einen netID-Account haben. So können sich z.B. alle monatlich aktiven Nutzer von WEB.DE und GMX im DACH-Raum direkt mit ihrer E-Mail-Adresse und dem dazugehörigen Passwort beim Partner anmelden und bei einer Bestellung ihre Adressdaten mit einem Klick aus dem WEB.DE oder GMX Konto übertragen.

Der Nutzer kann jederzeit selbst bestimmen, welche Daten verwendet werden sollen und welche nicht – die Datensouveränität liegt komplett bei den Usern. 

Gleichzeitig bringt die netID auch der Branche wieder mehr Selbstbestimmung, denn die Standards werden in Europa gesetzt und nicht in den USA oder Asien.

Chinas E-Commerce-Gigant JD.com – Ein starker Player im globalen Handel, den wir ernst nehmen sollten

Ein Kommentar von Elena Gatti, Managing Director DACH Azoya

Amazon und Alibaba dominieren die Schlagzeilen im globalen Einzelhandel und nur wenige kennen in Deutschland den chinesischen Einzelhändler JD.Com, und dass obwohl das Unternehmen jedes Jahr mehr Einnahmen generiert als Alibaba. Das wird sich nun wohl ändern, denn JD.com expandiert nach Deutschland. 

Seine globale Expansion hat JD.Com bereits vor einer Weile begonnen – der Fokus lag allerdings bislang nicht auf Europa. Jetzt kommt der E-Commerce Gigant zu uns und ich gebe einen kleinen Einblick, warum JD.Com so spannend ist, welche großen strategischen Schritte das Unternehmen schon gegangen ist und warum auch deutsche Händler den Konzern aus Fernost im Auge behalten sollten. 

JD.coms Inhouse-Modell versus Alibabas Ökosystem 
Alibaba kennt (fast) jeder, JD.Com weniger – daher ist eine wichtige Frage: Was unterscheidet die beiden Player? 

Das Geschäftsmodell von JD.com legt seinen Schwerpunkt auf Direktvertrieb, Inhouse-Logistik und engagierten Kundenservice. JD.com betreibt für seine inhouse-Logistik fast 500 Lager im ganzen Land und beschäftigt mehr als 150.000 Mitarbeiter. 

Alibaba hingegen baut in erster Linie auf ein „Asset-Light-Marktplatzmodell“, bei dem Technologie und Logistikpartner von Drittanbietern eingesetzt werden, um Händlern beim Verkauf und der Lieferung an Verbraucher zu helfen. 

Kurz gesagt, JD.com ist in erster Linie ein Online-Händler, der Produkte kauft und verkauft, während Alibaba in erster Linie eine Plattform für Drittverkäufer ist. Grundsätzlich aber haben beide Konzerne sich in den letzten Jahren immer stärker in den “Bereich” des anderen verzweigt. JD.coms starke Customer Experience hat dazu beigetragen, den Umsatz des Unternehmens auf 55,7 Milliarden Dollar pro Jahr zu steigern. Mit einem Marktanteil von rund 32,5 Prozent in Chinas hart umkämpfter B2C-E-Commerce-Branche ist JD.com der größte Online-Direkthändler in China.

Die grenzenlose “Retail Alliance” von JD.com
JD.com hat den Social-Media-Giganten Tencent, die Suchmaschine Baidu und den E-Commerce-Konkurrenten Vipshop als Partner für seine grenzenlosen “Retail-Allianz” gewinnen können. Tencent hält 18 Prozent der Aktien von JD.com und hat sich mit JD.com zusammengeschlossen und hat im vergangenen Dezember 864 Millionen Dollar in Chinas drittgrößte E-Commerce-Plattform Vipshop investiert. Wal-Mart besitzt 10 Prozent der Anteile von JD.com und ist seit 2016 Partner in einer Reihe von Initiativen. Google hat trotz seiner begrenzten Präsenz auf dem chinesischen Markt im Juni eine Investition von 550 Millionen Dollar in JD.com angekündigt. 

Was bedeuten diese strategischen Partnerschaften, und wie können diese Akteure JD.com in ihrem Bemühen um eine globale E-Commerce-Dominanz unterstützen?

Googles Daten ermöglichen JD.com einen wichtigen Aufschwung
Google und Baidu – beide dominante Suchmaschinen – haben in der Vergangenheit versucht, in den E-Commerce vorzudringen – mit wenig Erfolg. Baidu unterzeichnete im August 2017 eine strategische Partnerschaft mit JD.com und Google gab kürzlich eine Investition von 550 Millionen Dollar in JD.com bekannt. Warum?

E-Commerce-Plattformen geben jedes Jahr viel Geld für Suchanzeigen aus, um sicherzustellen, dass ihre Produkte an der Spitze jeder Suche stehen. Da sie selbst jedoch größer werden, beginnen Kunden, direkt zu E-Commerce-Plattformen zu gehen, um nach Produkten zu suchen. Dort können Einzelhändler und Brands Anzeigen kaufen, die den Traffic direkt zu ihren Produkten führen. Keine Suchmaschine mehr nötig. Um hier gegenzusteuern, sind beide eine Partnerschaft mit JD.com eingegangen. Die großen Datenbestände von JD.com geben ihnen Einblicke in das Kaufverhalten der Kunden und sie können JD.com bei der Anzeigenplatzierungsstrategie beraten. JD.com platziert zudem Bannerwerbung in seinem riesigen Werbenetzwerk. Mit diesen Partnerschaften können sie gemeinsam ihre Anzeigen so positionieren, dass sie mit denen von Alibaba konkurrieren können, wahrscheinlich in Südostasien, wo JD.com seine Präsenz schon rasch ausbaut.

JD.coms Partnerschaft mit dem weltgrößten Einzelhändler Wal-Mart
Bereits im Jahr 2016 schließt JD.com eine Partnerschaft mit Wal-Mart, dem weltweit größten Einzelhändler. Diese Partnerschaft ist insofern bedeutsam, als dass der größte Offline-Händler der Welt mit der zweitgrößten E-Commerce-Plattform in China zusammenarbeitet. Wal-Mart kann den Marktplatz und die User von JD.com nutzen, um direkt an chinesische Verbraucher zu verkaufen und so sein Offline-Geschäft im Land smart ergänzen. Die JD-Plattform „Daojia“ ist ein O2O-Lebensmittelzustelldienst (Offline to Online), der Lebensmittel innerhalb einer Stunde an Kunden liefert, und Wal-Mart ist ein wichtiger Lieferant.

JD.com kann seine Waren auch offline in Wal-Mart-Shops verkaufen und sie auch als Distributionszentren nutzen. Da JD.com seine Waren in erster Linie in zentralen Lagern in Kundennähe lagert und sich auf die Last-Mile-Delivery konzentriert, nicht auf die Bereitstellung einer End-to-End-Logistik, ist die Aufnahme der physischen Standorte von Wal-Mart in ganz China ein beträchtlicher Vorteil. Und da JD.com plant, bis Ende dieses Jahres auf den US-Markt zu expandieren, könnte Wal-Mart eine entscheidende Rolle dabei spielen, JD.com bei seinen Plänen zu unterstützen.

JD.com globalisiert – auch nach Deutschland
All diese Partnerschaften führen dazu, dass JD.com heute in der Lage ist, Alibaba und möglicherweise auch Amazon auf der globalen Bühne herauszufordern. JD.com ist mit seiner internationalen Version Joybuy, die erst im vergangenen Monat in Spanien eingeführt wurde, bereits auf dem Vormarsch. JD.com hat auch lokale Websites in Thailand und Indonesien gestartet. Zudem hat das Unternehme öffentlich erklärt, dass es beabsichtigt, Amazon um den Vorrang in den USA anzufechten und es ist wahrscheinlich, dass Wal-Mart und Google eine Schlüsselrolle spielen werden. JD.com kann wichtige Marktanteile gewinnen, indem es Waren zu einem niedrigeren Preis in China beschafft als Amazon. 

Das Herzstück von JD.com in China ist der direkte Einzelhandel, indem das Unternehmen Lagerbestände kauft und Produkte in kundennahen Lagern lagert, um den Kunden ein bestmögliches Einkaufserlebnis zu bieten. Für Deutschland würde dies im ersten Schritt vor allem eines bedeuten: JD.com muss sich zunächst ein Logistiknetzwerk aufbauen, damit es sein Geschäftsmodell auch hier einbringen kann. Und wenn man die bisherige Arbeitsweise des chinesischen Konzerns betrachtet, kann man annehmen, dass auch hierzulande strategische Partner gesucht werden – und das sowohl als auch offline. Wie diese Partnerschaften genau aussehen könnten, dazu kann ich nur mutmaßen. Sicher ist aber, dass JD.com eine starke Kraft im globalen Einzelhandel sein wird und deutsche Händler das Vorgehen der Chinesen im Auge behalten sollten, denn sie sind ein ernstzunehmender Player, der sich vor allem durch eins auszeichnet: Eine sehr gute Customer Experience. 

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