bevh-Index September 2017: Goldener Herbst

Laut dem Index des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel ist die Stimmung bei den Versendern weiterhin positiv.

Der Versender-Index für den Monat September ist leicht gestiegen, und zwar von 0,26 Punkten im Vormonat auf 0,39 Punkte für den September (besser = 1, gleichbleibend = 0, schlechter = -1). Und auch die Dienstleister geben sich optimistisch: Der Dienstleister- Index für den Monat September ist erneut gestiegen von 0,15 Punkten auf aktuell 0,29 Punkte. Offenbar erwarten Versender wie Dienstleister weiterhin gute Geschäfte im anstehenden Herbst.

Der bevh befragt seine Mitglieder und deren Dienstleister (Preferred Business Partner) regelmäßig nach der Stimmungslage für den Folgemonat.

Der ultimative Growth-Hack für Look-a-Like-Kampagnen

Gastbeitrag von Dr. Björn Goerke, Gpredictive GmbH; gefragt von Susan Saß am 05.09.2017

Was ist eine Look-a-Like-Kampagne?

Jedes Unternehmen hat seine eigene DNA, sein eigenes Image sowie seine eigene Reputation. Und die wiederum spricht einige Personen mehr an und andere weniger. Eine Look-a-Like-Kampagne ist dazu da, um Kunden zu gewinnen, die dem bisherigen Kundenstamm ähneln. Mit „Männlich, 20-45 Jahre, Interesse an Sport und Musik” lässt sich das kaum greifen und so lässt es sich manchmal nicht vermeiden, dass man einen großen Streuverlust mit Online-Werbung hat und diesen am Ende auch noch zahlen muss. Dies kann man verhindern, wenn man sich im Vorfeld darüber Gedanken macht, was man eigentlich durch die Online-Werbung erreichen will. Möchte ich Bestandskunden bei Laune halten oder Neukunden akquirieren?

Über Look-a-Like-Kampagnen kann man angesprochene, potenzielle Neukunden auf einmal den bisherigen Kunden viel besser zuordnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass denen gefällt, was sie auf Plattformen wie Facebook angezeigt bekommen ist also auch höher. Ob gruselig oder der heilige Gral - Look-a-Like-Kampagnen sind wirkungsvoll. Beispielsweise können bei Facebook oder auch bei Google sogenannte Custom Audiences gebildet werden. Das kann von Anbieter zu Anbieter etwas Unterschiedliches heißen, es steht aber immer derselbe Gedanke dahinter: Man sucht aus der eigenen CRM-Datenbank die Kunden aus, die man mit einer bestimmten Kampagne bewerben möchte und versucht gleichzeitig neue Kunden, die den bisherigen Kunden ähneln, neu dazu zu gewinnen.

Was ist bei der Anwendung der Look-a-Likes-Kampagnen anders als bei der „alten“ Facebook-Werbungen?

Damals konnte man die Zielgruppen bei den Werbenetzwerken nur anhand der Kriterien wählen, die man von den Anbietern vorgesetzt bekommen hat: Männlich, 20-45 Jahre, Interesse an Sport und Musik. Für die Ansprache neuer Kunden ist das möglicherweise schon ganz gut. Wenn man seine bestehenden Kunden bewerben möchte ist das jedoch denkbar ungenau. Wie sollte beispielsweise Facebook auch wissen, wer bei einem selbst Kunde ist? Mit der Einführung der Custom Audiences hat man dieses Problem gelöst: Man lädt die E-Mail-Adressen der eigenen Kunden - natürlich verschlüsselt - bei Facebook hoch. Sofern Facebook die E-Mail-Adresse kennt, kann die gewünschte Anzeige ausgespielt werden. Auf einmal kann man Kunden ganz gezielt ansprechen: Ein Kunde wurde zum Beispiel mit Hilfe eines Predictive CLV als abwanderungsgefährdet identifiziert? Kein Problem. Genau diese Person kann jetzt eine zielgerichtete Retention-Botschaft erhalten. Mit einem spezifischen Call-to-Action und vielleicht einem Incentive, wenn das zum Kunden passt, kann man genau diese Bedürfnisse aussteuern. Sobald die Person sich bei Facebook einloggt, kann die Retention-Botschaft angezeigt werden. Hier verschmelzen also Online-Marketing und Direktmarketing miteinander. Das ist faszinierend.

Ist die Anwendung einer Look-a-Like-Audiences schwierig oder kann das jeder?

Look-a-Like-Audiences sind mit Hilfe vorhandener Kundendaten einfach durchzuführen. Während der Nutzen der Custom Audiences für Bestandskunden relativ eindeutig ist, ist die Möglichkeit bei der Neukundengewinnung noch einmal genauer. Dort setzt man Look-a-Like-Audiences ein. Wenn man so eine Kampagne bucht, lädt man zunächst wieder die E-Mail-Adressen der eigenen Kunden hoch. Facebook oder Google suchen dann Mitglieder in deren Netzwerk, die den Profilen der hochgeladenen Kunden möglichst ähnlich sind. Und hier wird es spannend. Im Gegensatz zu “Männlich, 20-45 Jahre, Interesse an Sport und Musik” werden hier Personen gesucht, die über alle Informationen hinweg besonders ähnlich sind - und zwar Personen, die schon Kunde geworden sind. 

Die Frage ist nur: Welche der schon vorhandenen Kunden stellt man Facebook zur Verfügung, damit es ähnliche Kunden suchen kann? Alle Kunden, die in der Datenbank vorhanden sind? Dann werden auch viele ähnliche Kunden gesucht, die ihren Kundenlebenszyklus bereits beendet haben - also inaktiv sind. Das möchte man aber nicht. Genauso hat man natürlich auch die Top-Kunden zwischen den Daten, die man bereitstellt. Das ist sicherlich schon besser, aber es gibt einen entscheidenden Haken. Kunden starten ihren Kundenlebenszyklus typischerweise nicht als Top-Kunden, sondern entwickeln sich dorthin. Wenn man also Top-Kunden für die Look-a-Like-Audience nimmt, ist man schon einen Schritt zu weit. Was man eigentlich benötigt, sind Kunden, die jetzt gerade an der Schwelle stehen, den Wert ihres Kundenleben zu entwickeln. Von denen sollte man mehr finden. Und wenn man diese in der eigenen Datenbank identifiziert hat, dann kann Facebook den Rest erledigen und Personen suchen, die genauso dastehen.

Aber wie kommt man an Kunden, die erst zu Top-Kunden werden?

Genau hier kommen Predictive Models ins Spiel. Es geht dabei um Mustererkennung. Mit Predictive Models wird es möglich, schon frühzeitig die Kunden zu identifizieren, die in der nahen Zukunft ihren Kundenwert stark steigern werden. Und genau die muss man bei der Look-a-Like-Audience für die Suche nach ähnlichen Personen zur Verfügung stellen. Facebook benötigt nur einige hundert Mitgliederprofile, um starten zu können. Da Facebook normalerweise nicht alle E-Mail-Adressen zuordnen kann, die man zur Verfügung stellt, muss man also einige mehr liefern. Aber eben auch nicht viel mehr. Tatsächlich liefert man zum Abgleich vielleicht nur 1.000 Adressen an Facebook. Typischerweise hat man aber nicht Tausende Kunden mit jeweils Riesenpotenzial in der Datenbank, sondern vielleicht ein paar Hundert. Und wenn nicht nur die Top-Potenziale an Facebook gegeben werden, verwässert man die Möglichkeiten. Mit einem Predictive Model kann man jedoch nicht nur bestimmen, wer demnächst ein Top-Kunde sein wird, sondern auch, wie hoch der Wert sein wird. So vermeiden Sie, dass Facebook auf Basis von Kunden mit wenig Potenzial nach ähnlichen Profilen sucht.

Lohnt sich der Aufwand?

Das muss man natürlich selbst beantworten und wohl testen. Wir haben eine Reihe erfolgreicher und lohnenswerter Custom Audience-Kampagnen gesehen. Wie hoch der Hebel des Predictive Models für die Look-a-Likes ist, hängt natürlich auch davon ab, wie gut man das Thema bisher beherrscht. Ein Kunde im Bereich Fashion E-Commerce konnte seinen „Return on Advertising Spend“ (ROAS) so um 75 Prozent steigern. Durch die Auswahl der Look-a-Like-Audience mit Hilfe eines Predictive Models anstelle eines Regel-Sets wurde dies möglich. Für ihn hat es sich gelohnt. Diese Werte kann man natürlich nicht 1:1 übertragen, aber es zeigt, wieviel Hebel in diesem Thema steckt.

Ein Erfahrungsbericht: Meine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement beim bevh

geschrieben von Philipp Feuerherm am 01.09.2017

Liebe Leser, liebe (neue) Azubis,

seit dem 1. August 2014 ist der Kaufmann für Büromanagement ein neuer und anerkannter Ausbildungsberuf, welcher sich aus dem Bürokaufmann/frau, dem Kaufmann/frau für Bürokommunikation und dem Fachangestellten/in für Bürokommunikation zusammensetzt und viele Inhalte vereint. So lernt man in der dreijährigen Ausbildung vor allem interessante Dinge wie kaufmännische Steuerung und Kontrolle, Personalwirtschaft, Verwaltung und Recht oder Marketing und Vertrieb sowie viele anderen Themen, die ein sehr gutes Fundament darstellen, um sich nach der Ausbildung auch in einem spezifischeren Bereich weiterentwickeln zu können. Neu in dieser Berufsausbildung ist auch, dass der Unterricht nicht mehr in Fächern stattfindet, sondern in 13 verschiedenen Lernfeldern, welche jeweils 1 - 2 Halbjahre andauern und im anschließenden Schuljahr wechseln. Eine weitere Neuerung sind auch die Wahlqualifikationen. Der Betrieb wählt zwei von zehn Lernfelder (hier kann zum Beispiel zwischen Assistenz und Sekretariat, Verwaltung und Recht, Öffentliche Finanzwirtschaft uvm. ausgesucht werden) aus und in den jeweiligen Qualifikationen arbeitet man intensiver und wird in der mündlichen Prüfung von der IHK oder HK (Handwerkskammer) in einem der beiden Lernfelder geprüft.

In diesem Blogbeitrag soll es aber nicht darum gehen, den Beruf zu erklären, sondern vielmehr darum, von meinen eigenen Erfahrungen zu berichten und den ein oder anderen Interessenten in seinem Berufswunsch zu stärken. Oder um jetzigen Azubis mal zu zeigen, dass man noch viel mehr ist als nur der nette Kaffeekocher von nebenan.

Kurz zu mir: Mit 20 Jahren habe ich am 1. September 2014 meine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement beim Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) angefangen. Am 28. Juni 2017 habe ich ausgelernt und bin seither als Teamassistent angestellt.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich damals beim bevh angefangen habe. Aufgeregt und nervös war ich, da ich nicht wusste, ob der Beruf zu 100 Prozent zu mir passt. Und ob ich den Anforderungen des Verbandes entspreche, wusste ich auch nicht. Ich hatte damals noch nicht viel Selbstvertrauen. Am Anfang muss einem aber auch selber klar sein, dass noch kein Meister vom Himmeln gefallen ist und man eben, auch wenn man sich vorher schon mit Office-Programmen beschäftigt hat, nicht viel kann. Zuerst werden einem sowieso immer die Basics beigebracht. Das geht vom „richtigen“ telefonieren (was sage ich wem, wie sage ich es, was darf ich wem sagen?), über die Bearbeitung der Post und deren Ablage, falzen von Papieren bis hin zur Bearbeitung vom Postordner. Ganz essentielle Sachen, auf die man bei den späteren Tätigkeiten aufbauen kann und die einfach im Bereich Büromanagement dazugehören.

Wie ich bereits geschrieben habe, ist man nicht der Kaffeekocher. Nicht nur. Aber zu einem Büromanagement gehört auch dies dazu. Dessen sollte sich jeder klar sein.

Während meiner Ausbildung habe ich viele anspruchsvolle Aufgaben übernommen, die nicht nur Spaß gemacht haben, sondern mich auch persönlich geprägt sowie weitergebracht haben.

Es gab kleinere und größere Projekte, aber auch Tätigkeiten die ich über einen längeren Zeitraum erledigt habe. Meine Aufgaben waren unter anderem die Terminierung und Reiseplanung für die Kollegen, die Bearbeitung der Post sowie deren Verteilung oder auch die Bearbeitung unseres Sekretariatsordners. Hier finden sich dann auch die Basics wieder, welche man als Assistenzkraft immer wieder benötigt und im späteren Job auch sicherlich wieder anwenden wird. Mit der Zeit und der gewonnenen Erfahrungen, wurden die Aufgaben auch größer und anspruchsvoller. Beispielsweise habe ich unsere Arbeitskreise geplant oder bei der Planung unterstützt. Das bedeutete unter anderem, verschiedene Teilaufgaben wie die Abstimmung mit den Teilnehmern über den richtigen Sitzungstermin, das Versenden der Save the Dates und Einladungen, das Schreiben der Agenda, das Buchen von Hotelkontingenten und vieles mehr. Beim bevh war ich der sogenannte „Schatzmeister“. Das heißt, ich habe die Verantwortung für die Kasse übernommen, Geld ausgezahlt falls ein Kollege etwas ausgelegt hat, Belege für die Buchhaltung vorkontiert, Eigenbelege ausgestellt sowie die Ablage dafür übernommen. Später war ich dann auch für das Bestellen der Gebrauchs- und Verbrauchsmaterialien verantwortlich. Und all das findet sich in der täglichen Büroarbeit wieder. Zum Ende meiner Ausbildung habe ich angefangen unsere Buchhaltung beim Fakturieren und Mahnen zu unterstützen. Das waren Tätigkeiten, welche mir besonders viel Spaß und Freude bereitet haben.

Während meiner Ausbildung gab es einige Höhepunkte. 2015 habe ich eine große Veranstaltung mitgeplant. Hier habe ich sehr viele Gespräche mit den Teilnehmern, im Vorfeld und während der Veranstaltung, geführt und bei allen Fragestellungen musste ich Rede und Antwort stehen. Das war, gerade für mein Selbstbewusstsein, eine lehrreiche und tolle Erfahrung. Zusätzlich musste ich mich um die Erstellung der Flyer kümmern und sollte noch eine Firma finden, die für die Dokumente, die wir an die Teilnehmer herausgeben wollten, Taschen aus recycle baren Materialien produziert. Für dieses Projekt war ich komplett allein verantwortlich. Ich bin dann mit einer Einrichtung für Behinderte in Kontakt getreten, welche so etwas können. Der Kontakt war toll, ich habe sehr viel gelernt und das Ergebnis macht mich immer noch stolz.

Bei einer anderen Veranstaltung habe mit den Auszubildenden der Otto Group sichergestellt, dass alles seinen gewohnten Gang geht und falls Probleme aufgetreten sind, habe ich das gemeinsam mit den Anderen schnell gelöst. Die NEOCOM in Düsseldorf durfte ich auch besuchen und konnte vor Ort viele Eindrücke darüber sammeln, was im Handel beziehungsweise im E-Commerce gerade „in“ ist und wo gegenwärtige und/oder zukünftige Trends liegen. Die Party am Abend war dann auch ganz cool.

Bei unserem Mitgliedsunternehmen Detlev Louis durfte ich ein zweiwöchiges Praktikum absolvieren. Hier konnte ich tolle Einblicke in die Geschäftsprozesse gewinnen. Ich durfte in jede Abteilung „reinschnuppern“ und habe „mitgearbeitet“. Unter anderem habe ich beim Kommissionieren von Artikeln im Lager, sowie beim Packen von Paketen und Päckchen im Versandzentrum, geholfen. In der SEO-Abteilung habe ich gelernt, wie wichtig Content ist und welche Keywords man für die jeweiligen Produkte setzen sollte. Darüber hinaus war ich zwei Tage in einer Filiale von Louis. Ich habe sehr nette Mitarbeiter kennengelernt und durfte am Ende des zweiten Tages dort sogar mit einem Kollegen einen Kunden beraten. Da Louis ein eigenes Schulungszentrum hat, konnte ich dort übernachten und habe am Wochenende das wunderschöne Hamburg erkundet.

Bei unserer jährlichen, großen Pressekonferenz war ich auch immer dabei. Meine Aufgaben haben alle Bereiche umfasst. Liegt alles am richtigen Fleck, funktioniert die Technik, sind die Druckunterlagen ausreichend bis hin zur Begrüßung der Gäste. Das hieß dann eben auch, ganz früh aufstehen, hin und her rennen, Augen aufhalten, alles mitmachen - aber dann, wenn alles vorbei war - entsprechend auch früh Feierabend.

Wie ihr seht, beinhaltet der Job doch viel mehr, als nur Kaffee kochen. Er ist sehr facettenreich und kann auch als Sprungbrett in eine spezifischere Richtung dienen. Man muss sich eben nur darauf einlassen, lernen wollen, aber auch mal Aufgaben machen, die man nicht so sehr mag. Vor allem heißt es aber, die Chancen der Ausbildung zu nutzen und alle Eindrücke und Erfahrungen, Hinweise und Tipps mitzunehmen.

Ich hoffe, ich konnte Euch einige spannende Punkte aus meiner Ausbildung zeigen.

Viele Grüße

Philipp

 

Anmerkung bevh: Lieber Philipp, wir wünschen Dir von Herzen alles Gute für Deine berufliche und private Zukunft. Und ab heute einen ganz tollen Start bei der Deutschen Gesellschaft für Neurologie



Was macht ein „E-Commerce-Kaufmann“ eigentlich?

verfasst von Martin Groß-Albenhausen; gefragt von Susan Saß am 31.08.2017

Nach 10 Monaten Sachverständigenverfahren stehen die Inhalte des neuen Ausbildungsberufs „Kaufleute im E-Commerce“. Kurz zusammengefasst: Was macht ein E-Commerce-Kaufmann eigentlich?

Der E-Commerce-Kaufmann verantwortet den Onlinevertrieb in einem Unternehmen. Das bedeutet: Er wählt die Online-Vertriebskanäle oder auch das im Internet genutzte Geschäftsmodell aus und kümmert sich um alle dazu gehörenden Prozesse. Das ist die Entwicklung eines attraktiven Sortiments, die Beschaffung und Optimierung der Daten, und ganz besonders auch der Online-Verkauf an sich. Er sollte die Instrumente des Online-Marketing, des Shopmanagement mit allen wichtigen Aspekten wie Gestaltung der Kategorien- und Produktseiten, des Checkout-Prozesses, der Zustell- und Retourenprozesse beherrschen. Eine Kernkompetenz ist dabei auch das permanente Testen, Analysieren und Optimieren des Shopangebots.

Sind das nicht alles Dinge, die heute jeder Händler können muss?

In der Ausbildungsverordnung wird das formuliert, was das genuine Profil eines Berufs ausmacht. Ein Einzelhändler hat seine Kompetenzen in vielen stationären Aktivitäten. Ein Groß- und Außenhändler ist ganz stark im Einkauf und in Logistikprozessen. Der E-Commerce-Kaufmann kümmert sich um digitale Prozesse und Geschäftsmodelle – und das in jeglichem Betrieb, der Onlinekanäle für den Vertrieb seiner Produkte nutzt. Das kann ein reiner Onlinehändler sein, ein Reiseveranstalter oder Online-Spieleanbieter, ein Industrieunternehmen mit einem B2B-Shop oder einem Vermarkter über Marktplätze. Die digitale Kompetenz der E-Commerce-Kaufleute macht sie einzigartig und zukunftsfähig.

Also können E-Commerce-Kaufleute mehr als Einzel- oder Großhandel im Internet?

Genau. Sie sind Fachkräfte für digitale Geschäftsmodelle. Wir sehen jeden Tag, dass neue Industriezweige „disruptiert“ werden. Die Digitale Transformation braucht eine breite Basis. Das haben wir durch die sehr offene Formulierung in der Ausbildungsverordnung gewährleistet.

Ist es nicht überzogen, von Azubis den Weitblick für die Transformation von Geschäftsmodellen zu erwarten?

Eine gute Frage. Kaufmännische Ausbildung ist formell im Deutschen Qualifikationsrahmen im Niveau 4 angesiedelt. Damit sollen ausgebildete Kaufleute in der Lage sein, selbständig Aufgaben zu bearbeiten und Probleme zu lösen. Dabei müssen sie Handlungsalternativen einzubeziehen sowie Wechselwirkungen mit benachbarten Bereichen berücksichtigen. Sich mit Veränderungen und Entwicklungen auseinanderzusetzen ist nach dieser Definition frühestens Aufgabe des Meisters, Fachwirts oder Bachelors. Wir glauben aber, dass der Umgang mit Veränderung eine der Kernkompetenzen von E-Commerce-Kaufleuten ist. Schließlich entstehen in kaum einer Branche, durch die Digitalisierung, so rasant neue Geschäftsmodelle. Deshalb war es uns als bevh so wichtig, dass die permanente Beschäftigung mit der Veränderung an verschiedenen Stellen im Ausbildungsplan integriert wird. Dies ist uns auch gelungen, worauf wir sehr stolz sind. Ich bin davon überzeugt, dass dies keine Überforderung darstellen wird. Entrepreneurship kann man schon in der Schule lernen. Das beweisen Organisationen wie das „Network for Teaching Entrepreneurship“.

Du sagst, der bevh ist so stolz auf den neuen Ausbildungsberuf. Es hört sich auch bei der Entwicklung nach „Kampf“ an und wir mussten uns durchsetzen. Wie kontrovers war die Entwicklung dieses Berufsbildes?

Die Entwicklung war ein Paradebeispiel dafür, wie Verbände im Sinne der Sache zueinander finden! Wir haben seit 2012 mit dem DIHK über einen eigenen Beruf für unsere Branche gesprochen. Damals war aber die Devise, dass angesichts der demographischen Entwicklung keine neuen „Splitterberufe“ geschaffen werden sollten. Wir dachten dann, dass man bestehende Berufe „digitalisieren“ könnte. Das hat sich aber als illusorisch erwiesen. Denn zum einen hätte es andere Berufe derart aufgebläht, dass sie nicht mehr ausbildbar gewesen wären. Zum anderen hätten dann sehr viele Berufe angepackt werden müssen.

Deshalb stehen hinter dem neuen Beruf heute nicht nur wir als Branchenvertretung des E-Commerce, sondern mehrere: der Deutsche Reiseverband DRV beispielsweise und der Verband Internet Reisevertrieb V-I-R; der Bundesverband Groß- und Außenhandel und der Handelsverband Deutschland HDE. Sie alle waren von Anfang an in die Abstimmung auf Arbeitgeberseite involviert. Das beantwortet Deine Frage auch ganz gut: So unterschiedliche Unternehmen und Sparten, die alle über eigene bestehende Berufe verfügen, unter einen Hut zu bringen, führt zwangsläufig zu Diskussionen. Aber es hat eben auch gezeigt: E-Commerce tickt in allen diesen Branchen gleich. Das war der beste Beweis, dass es einen eigenen Beruf geben kann.

Kann nun jedes beliebige Unternehmen E-Commerce-Kaufleute ausbilden?

Ja. Jedes beliebige Unternehmen, das E-Commerce-Vertriebskanäle nutzt, kann ab 2018 diesen Beruf ausbilden. Das Unternehmen muss aber zuerst bei der IHK die Zulassung für die Ausbildung in diesem spezifischen Beruf beantragen. Dazu muss es alle in der Ausbildungsverordnung festgeschriebenen Handlungsfelder bzw. Berufsbildpositionen auch ausbilden können – notfalls im Verbund mit einem Partner. Im Unternehmen selbst muss schon jemand arbeiten, der sowohl fachlich, z.B. als Shopmanager, die Azubis betreuen kann, als auch durch eine Eignungsprüfung die pädagogische und formale Qualifikation erworben hat. Das sind aber keine großen Hürden.

Betriebe müssten aber erstmal die Inhalte der Ausbildungsverordnung kennen. Die scheint aber noch keiner zu haben, oder?

Sie ist ja auch noch nicht erlassen. Es ist einfach schwierig, in einem laufenden Gesetzgebungsverfahren Texte kursieren zu lassen, die dann vielleicht doch noch verändert werden müssen. Der Arbeitgeberverband HDE hat nun aber, als Federführer, doch gewagt, die Tätigkeiten im Überblick zu benennen. Das liest sich dann so:

·         Konzeption und Weiterentwicklung von Waren- und Dienstleistungssortimenten

·         Beurteilung, Einsatz und Weiterentwicklung von Vertriebskanälen des E-Commerce

·         Bewirtschaftung von Onlineportalen und Onlineshops sowie Unterstützung der Beschaffung

·         Einsatz von Instrumenten der kaufmännischen Steuerung und Kontrolle im E-Commerce

·         Gestaltung der Schnittstellen mit anderen Vertriebskanälen

·         Beurteilung und Auswahl von Kommunikationskanälen, Gestaltung der internen und externen                 Kommunikation

·         Vorbereitung und Durchführung von Maßnahmen des Onlinemarketings

·         Anbahnung und Abwicklung von Online- Waren- und Dienstleistungsverträgen

·         Beurteilung und Einsatz verschiedener Bezahlsysteme

·         Einhaltung von rechtlichen Bestimmungen im E-Commerce

·         Anwendung projektorientierter Arbeitsweisen im E-Commerce

Wer bei diesen Dingen sagt: Prima, das machen wir schon, der hat alle Chancen, seine zukünftigen E-Commerce-Fachkräfte ab Sommer 2018 direkt auszubilden.

Kann man solche Ausbildungsverträge denn schon schließen?

Formal können sie noch nicht eingetragen werden, weil der neue Beruf ja noch nicht im Bundesgesetzblatt verkündet wurde. Wann das genau passiert, kann niemand sicher sagen, aber der Sommer 2018 als Starttermin ist gesetzt.

Was kann man den Interessenten über die Weiterqualifizierung sagen?

Es gibt viele Möglichkeiten. Es soll einen „Fachwirt für E-Commerce“ geben. Diese Fortbildung ist auf dem DQR-Niveau 6 angesiedelt, gleicht also dem Bachelor. Manche zweifeln, dass ein Fachwirt heute angesichts zahlreicher Bachelor-Studiengänge Sinn habe. Ich bin da anderer Ansicht. Aber jetzt erst einmal ein Schritt nach dem Anderen.

E-Commerce Agenda 2017


Mit der E-Commerce-Agenda 2017 formuliert der bevh seine politischen Forderungen an die politischen Parteien im Wahljahr 2017. Download

 

 

  • loading Twitter...
  • weiter

Veranstaltungen

20. September 2017 - 20. April 2018
Seminarreihe "E-Commerce Manager"

20. September 2017 - 20. April 2018
Zertifizierung »Digital Transformation Architect«

20. September 2017 - 22. September 2017
Seminar "E-Commerce Manager"

Jahresbericht 2016

Dieser Jahresbericht erläutert die Arbeit unseres Verbandes im Jahr 2016. Er zeigt Möglichkeiten, wie Sie als Mitglied und Preferred Business Partner von einer Mitgliedschaft profitieren können. Download


                                 

Wir bilden aus

Kooperierende Verbände

  • GEAGEA
  • BVDWBVDW
  • BVDVABVDVA
  • Bundesverband Druck und Medien e.V.Bundesverband Druck und Medien e.V.
  • Verband Internet Reisevertrieb e.V.Verband Internet Reisevertrieb e.V.
  • Media.net berlinbrandenburgMedia.net berlinbrandenburg
  • Hamburg@WorkHamburg@Work
  • AVE Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels e.V.AVE Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels e.V.
  • TeleTrusT – Bundesverband IT-Sicherheit e.V.TeleTrusT – Bundesverband IT-Sicherheit e.V.
  • Total Equality & DiversityTotal Equality & Diversity