Im Netz der Städte

verfasst am 15. Dezember 2011 von Martin Gross-Albenhausen


Es ist kein Witz, keine Anekdote, sondern Wirklichkeit: In der Klasse meiner Tochter verabreden sich die Kids nicht etwa übers Netz (VZ), sondern „im Netz“. Sie verabschieden sich und treffen sich kurze Zeit später wieder „on“. Auch wenn sie nur drei Strassen auseinander wohnen.

Mich fasziniert das, denn es ist der Beginn einer Welle, die unsere Umwelt verändern wird.  Allerdings ist dies bisher vielleicht schon in den Schulen und bei den Eltern angekommen. Aber kaum in der Architektur oder Stadtplanung. Wer sich damit schon beschäftigt, ist die Automobil-Industrie. Namentlich BMW hat ein eigenes Research-Institut gegründet, das wiederum mit dem Deutschen Jugend-Institut darüber forscht, wie sich die nächste Generation in den Städten bewegen wird.

Interessant ist, das auch die Netzgemeinde noch kaum etwas zu diesem Thema beitragen kann. Profiliert ist z.B. das Blogger-Team von urbanophil, die jedoch in erster Linie über basisdemokratische Mitbestimmung via Internet bei im übrigen höchst traditionellen Planungsverfahren schreiben.

Darum geht es aber gar nicht. Die Shopping-Center der 90er Jahre bekommen heute zumindest in Amerika schon Probleme, weil bestimmte Anker-Mieter ausfallen. Die großen Bookstores etwa. Irgendwann, Zappos und Zalando zum Dank, vielleicht auch die großen Schuh-Center?

Die Außenwerber vom Schlage der Ströer und JC Decaux haben erkannt, dass sich nicht nur die Shopping-Center, sondern auch die Nutzung der Städte und Plätze an sich ändern wird. Wie aber kann man hier das Internet nicht nur auf Werbeflächen abbilden, sondern in die Funktionalität des öffentlichen Raums einbinden? Wie ändert sich künftig der „Lauf“, von dem doch so viel im Einzelhandel abhängt?

Ich habe darauf keine Antworten, aber die Frage an sich ist wichtig. Denn die vor uns liegende Veränderung bietet gerade denen, die im Internet Waren und Dienstleistungen anbieten, gute Chancen, neue Shopping-Formate neben de klassischen stationären Einzelhandel in den Städten zu etablieren.

Merken Sie sich den 18.+19. April 2012. Dann findet nicht nur die bvh-Mitgliederversammlung in Hamburg statt, sondern in der dortigen Handelskammer werden wir auf der „bvh 2.012“ - sozusagen unser Bootcamp für die Online-Praktiker der Branche - über diese Frage diskutieren.

Onlinehandel in Indien?

Verfasst am 14. Dezember 2011 von Stephanie Schmidt


Vor knapp einem Monat unternahm ich eine Reise durch den Norden Indiens. Die extremen Gegensätze dieses farbenfrohen, lauten und gleichzeitig sehr spirituellen Landes haben mich beeindruckt. Nicht nur die Konfrontation mit großem Reichtum aber auch mit erschütternder Armut. Was an Indien überrascht, sind auch die tief verwurzelten Traditionen und oft ursprünglichen Strukturen. Indien ist aber auch ein High-Tech-Land. Gerade in einer Stadt wie Mumbai ist schon optisch durch die zahlreichen Großbaustellen an gigantischen Wolkenkratzern die rasante Entwicklung erkennbar. Sogar als Touristin im eher ländlichen Rajasthan sieht man Menschen mit bunten, traditionellen Turbanen oder Saris, die überraschend ein Smartphone aus der Tasche ziehen.

Vergangene Woche stolperte ich dann über einen Artikel, wonach im indischen Onlinehandel ein großes Potential zu finden sei. Nach einem Bericht des Hamburger Marktforschungsunternehmens yStats.com "India B2C E-Commerce Report 2011" wird erwartet, dass die Zahl der indischen Internetnutzer bis 2015 auf über 230 Millionen steigen wird - ein Anteil von fast 20 % der Bevölkerung. Nur zum Vergleich: Nach einer repräsentativen Erhebung von Aris Umfrageforschung im Auftrag des Bitkom sind inzwischen rund 51 Millionen Deutsche online, was 72 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren entspricht. YStats.com berichtet weiter von einem geschätzten Wachstum von 30 % des indischen B2C E-Commerce zwischen 2010 und 2011. Führende Produktkategorien dort waren "Handys und Accessoires", "Computer-Hardware" und "Unterhaltungelektronik". Allerdings sei der durchschnittliche Inder gegenüber dem Kauf im Internet eher zurückhaltend: Das Bedürfnis der indischen Kunden, das Produkt vor dem Kauf anzusehen und anzufassen, sei eine der größten Herausforderungen für indische Onlineshops.  

Hier stellt sich mir die Frage, ob es in Indien ein dem europäischen System vergleichbares Widerrufsrecht gibt, das dem Kunden ja gerade im Onlinehandel die Möglichkeit bietet, sich noch einmal zu überlegen, ob er das Produkt nach Erhalt auch wirklich behalten möchte. Vielleicht wäre dies auch für den indischen Markt ein geeignetes Modell.

Ich selbst werde jedenfalls mit Interesse weiter beobachten, ob Indien nicht nur für Reisende, sondern auch für Onlinehändler ein lohnendes Ziel ist.

Weitere Informationen:

http://ystats.com/en/reports/preview.php?reportId=880

http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/64042_68195.aspx

Vorträge vom Fachgespräch zum EU Energy Star am 05.12.2011 in Berlin

verfasst am 13. Dezember 2011 von Florian Seikel

Am 05.12.2011 hat die dena in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)ein Fachgespräch zu "Stand und Weiterentwicklung des EU Energy Star in Deutschland" durchgeführt und hierzu Stakeholder aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden eingeladen. Der bvh war dabei.
 
Im Ergebnis wurde von allen Gesprächsteilnehmern/innen die Bedeutung des EU-Energy Star für Bürogeräte und zukünftig für Geräte in Rechenzentren betont. Ziel sollte es sein, den EU Energy Star bei den Zielgruppen noch besser bekannt zu machen und ihn regelmäßig an die technischen Entwicklungen anzupassen. Weiter wurde von allen Beteiligten betont, dass zur Hebung der Energieeffizienzpotenziale bei Bürogeräten es neben der Effizienz der Einzelgeräte auf den bewussten Einsatz durch die Nutzer ankommt.
Die während des Fachgesprächs gezeigten Präsentationen sind unter folgendem Link veröffentlicht:

http://www.dena.de/infos/veranstaltungen/archiv/veranstaltung/fachgespraech-stand-und-weiterentwicklung-eu-energy-star/ 

 

 

Shopping-Erlebnis Weihnachtsmarkt - dekonstruiert

verfasst am 11. Dezember 2011 von Martin Gross-Albenhausen


Jeden Dezember vollzieht sich wenige Schritte von unseren Büros entfernt am Gendarmenmarkt ein faszinierendes Spektakel. Der imposante Platz kleidet sich mit Zelten, die einem Heerlager ähneln. Zwischen Deutschem und Französischem Dom wird ein Weihnachtsbaum errichtet und mit tausenden funkelnden Lichtern geschmückt. Die mächten Kuppeln erstrahlen in unwirklichem Licht, ein gewaltige Spiegelkugel lässt die Steinquader erstrahlen.

Der Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt ist mit Sicherheit einer der schönsten in Berlin. Sicher, meine Kindheitserinnerungen an den Rixdorfer Weihnachtsmarkt mit seinen Scherenschleifern kann er nicht auslöschen. Aber allein von außen durch die Scheiben der Holzbuden zu blicken, auf die warmen Lichter, die Handwerkskunst, die bunten Tücher, die Bilder - das übt schon Zauber aus.

Glotzt nicht so romantisch! (Brechts Theater liegt nur wenige Schritte entfernt.) Dieser Weihnachtsmarkt ist anders als der am Opernpalais. Vor dem Einlass bilden sich Schlangen am Kassenhäuschen, denn man muss hier einen "Musikbeitrag" entrichten. Fiskalisch sinnvoll, wie mein Kollege Christoph Wenk-Fischer nüchtern anmerkt: So schlagen nur 7 % MwSt zu Buche.

Das verkehrt freilich die Perspektive. Wo sonst bezahlt man Eintritt, um danach Geld ausgeben zu können? Was ist so besonders am Weihnachtsmarkt, dass für all das Mittelmaß, das dort geboten wird, täglich hunderte anstehen?

 

  • Wer würde im normalen Leben Glühwein einem wirklich guten Bordeaux vorziehen?
  • Man drängt sich durch die Buden, kann nirgendwo verweilen, ohne von hinten geschubst zu werden oder den missbilligenden Blick der in ihrem Treiben gehinderten Besucher zu ernten.
  • 90 Prozent der Waren werden nach wenigen Monaten in einer Kiste landen oder dienen einzig dazu, denjenigen eine Aufmerksamkeit zu schenken, die man zu wenig kennt, um etwas wirklich Passendes zu finden.
  • Vorn ist es zu heiß, hinten zu kalt.
  • Das Essen ist hübsch angerichtet, aber von mittelmäßiger Qualität, dabei aber deutlich teurer als anderswo.
  • Die Musik schließlich, für die wir unseren Obolus entrichtet haben, würden wir 11 Monate im Jahr als schlimmen Kitsch und nostalgischen Unsinn abtun.

Übrigens nicht nur wir Oldies lassen uns dennoch vom Weihnachtsmarkt-Zauber packen. Auch Schüler tauchen ein - klar, sie stehen natürlich eigentlich über diesem ältlichen Brauch, aber dennoch ist das Vorglühen vor dem Zug um die Gemeinde inzwischen ebenso Tradition wie meiner mit den Kindern (stets am Samstag vor dem zweiten oder dritten Advent).

Was macht dieses ausgeprägte Mittelmaß so besonders?

Der Marketer erkennt natürlich den saisonalen Schwerpunkt. Zudem ist der Zeitraum verknappt und nur für wenige Wochen ein Erlebnis möglich. Viel hilft viel - hier potenziert die Enge der Budengassen die Wahrnehmung von Fülle sowohl an Menschen als auch an optischen Reizen. Das Angebot ist reduziert auf Dinge, die größten Teils jenseits des normalen Einkaufszettels wie Shopping-Turnus liegen: Überraschung, Entdeckung, nicht planbarer Bedarf aus dem Augenblick heraus - Impulskauf.

Könnten wir solchen Zauber in unsere Shops und Kataloge übertragen? Sollten wir es überhaupt?

Die beste Umsetzung im Katalog hat das Wishbook von Neiman Marcus über Jahrzehnte erreicht: Ein dickes Konvolut von edlen, teuren und gänzlich unerreichbaren Kostbarkeiten. Inseln, Schnellboote. U-Boote oder ein Flug mit Virgin Galactic. Überflüssig wie nur was, aber genau darum so erfolgreich. Kein Verkaufskatalog, sondern "Branding" und Motor für den Store-Traffic.

Fast genau so genial: Die ebenfalls Jahre lang durchgehaltene saisonale Neuerfindung der Dessous-Kataloge bei Agent Provocateur, auch online bestens in Szene gesetzt. Die Kataloge werden verkauft. Auch Abercrombie&Fitch hat dies mit seinem "Quarterly" geschafft (weil er regelmäßig wegen vermeintlicher Kinder-Pornographie so rasch auf den Index kam, dass man nur durch horrende Summen eines der Exemplare bekommen konnte).

Rein ökonomisch hat es überhaupt keinen Sinn, solche Experimente zu wagen. Fast alle Versuche, Magaloge zu entwickeln, die mittelmäßige redaktionelle Inhalte mit mittelmäßig inszenierter Ware am Kiosk verkaufen sollten, sind gescheitert. Web-Exzellenz und Katalog-Knowhow perfektionieren alle Details zurecht. Davon abzurücken, mindert die Chancen. Heraus kommt ein schlechter Katalog. Genau so, wie ein Weihnachtsmarkt in einem Warenhaus auch kein richtiger Weihnachtsmarkt ist.

Genau da hat der Weihnachtsmarkt eine wichtige Lehre für Marketer im Web 2.0: Der Weihnachtsmarkt ist nur als Gruppenerlebnis wirklich erfolgreich. Nur in der Gemeinschaft mit anderen bekommt der Besuch, der Eintrittspreis, das Erlebnis des Unvollkommenen seinen Sinn.

Wie viele der Aktivitäten, die wir in den Social Networks starten, zielen eigentlich im Kern darauf, die Gemeinschaft zu kultivieren? Wie viele Facebook-Apps oder Mobile Marketing-Kampagnen versprechen den Nutzern, für Ihr Eintrittsgeld (das Plugin, die wertvollen Daten!) überhaupt ein gemeinschaftliches Erlebnis?

Und dann wundern wir uns, dass wir den Social Commerce nicht zum Fliegen bringen?

Der Weihnachtsmarkt ist ein Shopping-Erlebnis, bei dem die Teilnehmer im gemeinschaftlichen Durchleiden der Unzulänglichkeiten den wichtigsten Beitrag und eigentlichen Markenkern und Marketing-Nukleus dazu geben. Solange wir nicht ähnlich intensiv gemeinsame Aktivitäten auf Facebook entwickeln, kann kein Kauf resultieren. Denn für das Onlineshopping ist Facebook einfach nicht das richtige Umfeld - so wie es der Weihnachtsmarkt eigentlich nicht für den Einkauf von Präsenten ist.

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