Reform der Ausbildungsberufe im Einzelhandel

Reform des Ausbildungsberufs "Kauffrau/mann im Einzelhandel"

E-Commerce ist Einzelhandel im Internet. Die Informationssuche zu Produkten und Anbietern beginnt heute überwiegend online und findet dann den besten Kaufort.

Die Ausbildung zu „Kaufleuten im Einzelhandel“ muss deshalb Web-Kompetenz als zentralen Bestandteil der Ausbildung beinhalten. Eine Diskriminierung von Online- und Versandhändlern, die ohne Ladengeschäft Kaufleute im Einzelhandel nicht ausbilden dürfen, entspricht nicht mehr dem Einkaufsverhalten des Endkunden. Dieser nimmt Beratungsleistung online, per Chat oder Telefon als gleichwertig mit der Bedienung im stationären Handel wahr.

Der bevh setzt sich aus diesem Grund für eine umfassende Überarbeitung der Lehrpläne ein, die wesentliche Themen des Onlinemarketing und Shopmanagement im Pflichtteil umfasst. Für die Überarbeitung der bestehenden Ausbildungsverordnung und Rahmenlehrpläne im Zuge der Neuordnung des Ausbildungsberufs "Kauffrau/mann im Einzelhandel" bietet der bevh seine Mitarbeit an. 



Einführung eines neuen Ausbildungsberufs "Kauffrau/mann im E-Commerce"

Zusätzlich befindet sich der bevh im konstruktiven Dialog mit dem DIHK und dem HDE über die Schaffung eines Ausbildungsgangs zum „E-Commerce-Kaufmann“. Der bevh legt Wert darauf, dass die Ausbildungsgänge im Einzelhandel in ein durchlässiges Aus- und Fortbildungssystem münden, die höhere Bildungsabschlüsse möglich machen.

Die Notwendigkeit eines neuen Ausbildungsberufs begründet der bevh wie folgt:

  1. 1. Der E-Commerce stellt den Wachstumsmotor des Einzelhandels dar. Das größte.  Wachstum realisieren derzeit Internet-Pureplayer, also Einzelhändler, die sich auf den Handel im Internet konzentrieren und auf eine stationäre Struktur verzichten.

    2. Nach Schätzungen des IFH Köln gibt es in Deutschland 120.000 Onlinehändler. Andere Schätzungen beziehen auch eBay-Powerseller und Amazon-Merchants ohne eigenen Onlineshop ein und kommen damit auf eine Zahl von bis zu 400.000 Onlinehändlern. Zugleich hat nur ein geringer Prozentsatz der klassischen stationären Händler einen eigenen Onlineshop. Damit besteht ein großes Potential für Ausbildungsplätze bei reinen Onlinehändlern.

    3. Reine Onlinehändler, genau wie klassische Versandhändler, dürfen derzeit und gemäß der vorgesehenen Neuordnung auch zukünftig den Erstausbildungsberuf „Kauffrau/mann im Einzelhandel“ aufgrund der fehlenden stationären Struktur nicht ausbilden.

    4. Gerade die Unternehmen also, die die für den Handel aktuell vordringlichsten Qualifikationen in Reinkultur ausbilden, werden dem Einzelhandel keine Fachkräfte zur Verfügung stellen können.

    5. Behelfsweise bilden diese Unternehmen überwiegen die folgenden kaufmännischen Berufe aus:
    a. Marketingkommunikation
    b. Groß- und Außenhandel
    c. Dialogmarketing
    d. Büromanagement
    e. Logistik
    f. IT

    6. Die Rahmenlehrpläne und jeweilige AusbildungsVO decken jedoch die typischen Handlungsfelder im E-Commerce/Versandhandel jeweils nur ausschnittsweise ab. Während dies für größere Unternehmen eine in Maßen akzeptable Lösung ist, können jedoch klein- und mittelständische Unternehmen mit geringer Personalstärke eine solche arbeitsteilige Ausbildung nicht umsetzen. Ihr Bedarf besteht nach einer generalistischen Ausbildung mit Schwerpunkt E-Commerce.

    7. Eine synoptische Analyse der Rahmenlehrpläne und VO des Ausbildungsberuf „Kauffrau/mann im Einzelhandel“ zeigt zwar eine relativ hohe Deckung bei den Kapitelüberschriften und Handlungsfeldern. Die Umsetzung im E-Commerce und Versandhandel erfordert jedoch im Detail andere Ausbildungsinhalte und Qualifikationen.

    8. Die Ergänzung des Ausbildungsberufs „Kauffrau/mann im Einzelhandel“ um die für wettbewerbsfähigen Onlinehandel nötigen Inhalte würde in der derzeit für die Neuordnung zwischen HDE und ver.di abgestimmten Fassung die bestehenden Rahmenlehrpläne und VO so aufblähen, dass eine Ausbildung innerhalb von drei Jahren zeitlich nicht realisiert werden könnte.

    9. Ein eigener kaufmännischer Erstausbildungsberuf für E-Commere-Kaufleute ist nicht nur strukturell und inhaltlich geboten, sondern erschließt einen großen sekundären Arbeitsmarkt. Die traditionellen Handelsstufen, an denen sich die jeweiligen Ausbildungsberufe im Handel orientieren, lösen sich durch die End-to-End-Beziehungen im E-Commerce auf. Herstellende Industrie, Produzenten von Konsumgütern, Großhändler und Importeure, aber auch angrenzende Dienstleistungsberufe wie Tourismus oder Versicherungswirtschaft sowie ein großer Teil des Handwerks benötigen heute E-Commerce-Kompetenzen. Kaufleute im E-Commerce können bei einer sorgfältigen Entwicklung von VO und Rahmenlehrplan in vielfältigen Berufsfeldern Beschäftigung finden.

    10. Die Konzentration auf einen Fortbildungsberuf im E-Commerce würde zu einer unnötig verlängerten Ausbildungszeit führen und wird den o.g. Herausforderungen nicht gerecht. Dass neben einer kaufmännischen Erstausbildung auch ein Fortbildungsberuf sinnvoll ist, steht dabei außer Frage.

    11. Die heute im Onlinehandel eingesetzten Arbeitsinstrumente speziell der IT-nahen Handlungsfelder besitzen eine so hohe Nutzerfreundlichkeit, dass die Kompetenzen der Auszubildenden keine übermäßige Beschränkung der potentiellen Nachfrage darstellen. Zwar benötigt der Onlinehändler mehr analytische und zahlenorientierte Fähigkeiten und Fertigkeiten, doch stellen diese keine absolute Abgrenzung hinsichtlich des Schulabschlusses dar.

    12. Im Sinne der Durchlässigkeit der Berufe steht inzwischen eine größere Zahl an Dualen Hochschulen zur Verfügung, die Ausbildung und mehrjährige Berufserfahrung als Ersatz zur klassischen Hochschulqualifikation akzeptieren und E-Commerce-Kaufleute betriebswirtschaftlich mit Schwerpunkt im Handel weiterführen können. Hier stehen wir auf Arbeitskreis-Ebene im regelmäßigen Austausch mit verschiedenen Instituten.

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Stellungnahme des bevh zum HDE-Konzept eines neuen Ausbildungsberufs "Kauffrau/mann im E-Commerce"

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