Datenpreisgabe und Datenhoheit

Während Transparenz über Versandhändler und über Produkte eingefordert wird, wünschen Verbraucher meist die Geheimhaltung ihrer eigenen Daten. Im stationären Handel ist der Kunde bei Barzahlung – auch wenn diese seit Einführung der Kartenzahlen enorm zurückgegangen ist – vollständig anonym. Dies ändert sich bei Bestellungen im Internet, wenn nicht nur Anschrift und Adresse, sondern auch Kreditkartenangaben gemacht werden müssen.

Beim Thema Datenpreisgabe und –hoheit geht es jedoch nicht nur um faktische Daten, sondern auch Daten hinsichtlich Kundenpräferenzen. Datenbanken einzelner Händler und Hersteller können sich mittlerweile – wenn auch meist erst nach Einwilligung – jeden der Schritte merken und machen Verbraucher damit zu gläsernen Kunden. Zunehmend stellen auch technologische Innovationen und politische Verschiebungen unser vermeintliches Recht auf Geheimhaltung von Daten und Präferenzen in Frage. Heute gilt meist der Grundsatz „nur Schuldige verstecken sich“[1]. Dieses Argument wird gerne verwendet, um der Digitalisierung ‚freien Lauf zu gewähren’ und Sucheingaben und Vorlieben von Verbrauchern weiterhin zu verfolgen, auszuwerten und Kunden spezifische Angebote zu unterbreiten. Vielfach geben Verbraucher jedoch ihre Daten auch freiwillig preis, um noch bessere Empfehlungen zu bekommen. Beispielsweise ermöglichen Kunden durch die Freigabe ihrer Daten bei pinterest, dass Unternehmen Kundenprofile spezifizieren und Kaufinteresse und –empfehlungen ableiten können.[2]

Gemäß dem Grundsatz „das Netz vergisst nicht“ lässt sich die seit Jahren aufgebaute Sammlung von Daten von verschiedensten Anbietern nicht rückgängig machen. Der Rückruf und die Löschung solcher Daten sind gesetzlich noch nicht völlig ausreichend geregelt.[3] Der konkrete Umgang mit Verbraucherdaten ist jedoch generell verboten und Unternehmen benötigen eine klare Einwilligung seitens der Nutzer. Unternehmen können personenbezogenen Daten nicht ohne Einverständnis z.B. für Marketingzwecke nutzen (siehe dazu auch: Kapitel 2 – Unternehmensführung – „Customer Centricity“). [4]

Die übergeordnete Frage „Wem gehören die Daten im Netz, die durch die Digitalisierung so zahlreich verfügbar sind?“ kann durch die existierenden gesetzlichen Regelungen teilweise noch nicht beantwortet werden; dafür sind sie noch zu sehr auf nicht-digitale Handelsprinzipien ausgerichtet.[5] Dies wird jedoch sukzessive überholt, so dass zukünftig neue Richtlinien für den Online-Handel mehr rechtliche Möglichkeiten und Sicherheit für die Verbraucher ermöglichen, als sie es beim Offline-Geschäft je waren. Ein Beispiel dafür sind nutzerorientierte „Smart Contracts“, mit denen Nutzer aufgrund der eingebauten Algorithmen bessere Kontrolle und Sicherheit über ihre digitalen Werte haben sollen:[6] Smart Contracts sind Transaktionsprotokolle bzw. -programme, die automatisch und permanent „live“ die Bedingungen eines Vertrags kontrollieren und einzelne Bestimmungen eines Vertrags automatisiert ausführen. Die Kontrolle und Einhaltung basiert dabei auf den Smart Contracts zur Verfügung gestellten Daten (-banken).[7]


1

Gottlieb Duttweiler Institute (GDI), 2011, 5

2

Textilwirtschaft , 2015

3

Universität Regensburg, 2015, 2, 84

4

Universität Regensburg, 2015, 2, 83

5

Gottlieb Duttweiler Institute (GDI), 2014

6

Gottlieb Duttweiler Institute (GDI), 2014

7

Datenschutzbeauftragter INFO, 2015

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