Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen

Ein großer Teil der Beschäftigten im E-Commerce arbeitet in der Logistik. Die tägliche Arbeit im Wareneingang, in der Kommissionierung und im Warenausgang stellt einen hohen Kostenfaktor dar. Zugleich trägt schneller, fehlerfreier Versand der Ware zum Kunden dazu bei, dass diese zufrieden sind und wieder beim Händler kaufen. Aus diesem Grund messen die Online- und Versandhändler die Arbeitsabläufe, um Verbesserungen erzielen zu können. 

Die Arbeit in den Logistikzentren wird gleichwohl, und zum Teil aufgrund der Erfassung von Arbeitsleistung, häufig negativ beurteilt. Die Kritik richtet sich vor allem auf das vermeintlich niedrige Lohnniveau sowie die belastende Arbeit im Lager. Gerade in der Logistik entstehen aber auch in großem Maß Arbeitsplätze, die gering Qualifizierten zu einem geregelten, sicheren und absichernden Einkommen helfen. Die tatsächliche Belastung entspricht dabei in Versandhandels-Unternehmen nicht der in Logistikbetrieben des Einzelhandels. Denn die E-Commerce-Logistik setzt aus den eingangs erwähnten Gründen eines schnellen, fehlerfreien Versandprozesses vielfach auf maschinelle Unterstützung. Dies wurde in Arbeitsgerichtsprozessen auch bei der Frage einer Einstufung der Tätigkeit so anerkannt (Arbeitsgericht Solingen, AZ 4 BV 5/14 vom 3. Juli 2014).[1]

Da Innovationsstärke ein wichtiger Faktor im E-Commerce ist, sind E-Commerce Unternehmen auf hochqualifizierte Fachkräfte, vor allem im IT-Bereich angewiesen und der Wettbewerb um IT-affine Fachkräfte ist hoch. Um die Attraktivität für diese zu steigern, werben Unternehmen transparent für sich als Arbeitgeber. Die erhöhte Transparenz von Unternehmen wird zudem durch Arbeitgeberbewertungsportale, wie z.B. kununu, erweitert, auf der Mitarbeiter die Möglichkeit haben, ihre Arbeitgeber anonym zu bewerten und sich über ihre Erfahrungen mit dem Unternehmen mit anderen auszutauschen.[2] Um gute Mitarbeiter zu halten und neue qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen, sind Unternehmen auf positive Bewertungen angewiesen.

Darüber hinaus können Mitarbeiter über die vielen sozialen Kanäle auch mit Konsumenten in einen Dialog treten und sich mit ihnen austauschen. Unternehmen können nicht mehr die Kommunikation über das Unternehmen bestimmen, wie dies im analogen Zeitalter stärker der Fall war. Alle Mitarbeiter kommunizieren zunehmend auch über das Unternehmen nach Außen, direkt oder oft auch unbewusst. Als Folge müssen Unternehmen mehr auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen, um in der Gesamtwahrnehmung, sowohl auf Konsumentenseite, als auch bei potenziellen qualifizierten Mitarbeitern positiv bestehen zu können.

Der Arbeitsmarkt befindet sich bereits im Wandel und im Zuge der kontinuierlichen Prozess- und Lageroptimierungsversuche der Unternehmen – damit Produkte und Dienstleistungen zu immer niedrigeren Preisen angeboten werden können – werden immer mehr Prozesse automatisiert und tendenziell werden mehr Tätigkeiten von Maschinen übernommen, da diese dieselbe Arbeit deutlich kostengünstiger und schneller erledigen können.[3] Nichtsdestotrotz werden gelernte und ungelernte Arbeiter in der E-Commerce und Versandhandelsbranche verstärkt benötigt. Sowohl anspruchsvolle Arbeit an den hoch-technisierten und automatisierten Maschinen, als auch weniger anspruchsvolle Arbeiten am Fließband oder im Retourbereich müssen in dem wachsenden Sektor ausgeführt werden. Dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen, die eine positive Alternative gegenüber den oftmals niedrig bezahlten Jobs im stationären Arbeitsumfeld darstellen.

Um den neuen Anforderungen im Umgang mit Maschinen und hoch-technisierten Prozessen gerecht werden zu können, steht das Bildungssystem unter der ständigen Anforderung neue Weiterbildungsmöglichkeiten und Ausbildungsplätze zu schaffen (siehe dazu auch: Kapitel 3 – Ökonomisch – „Ausbildungsberufe und Beschäftigungszahlen in der KEP_Branche“).

1

bevh, 2015,Stellungnahme

2

kununu, 2015

3

t3n, 2013


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