Fragen & Antworten

Es gibt doch schon genug Geschäfte – wozu brauchen wir den E-Commerce?

Der Handel hat sich schon immer den Notwendigkeiten der Gesellschaft angepasst. Da die Entwicklung der Gesellschaft und Cultural Shifts nie enden, endet auch die Entwicklung und die Anpassungen des Handels nie. Somit verfolgen wir eine Veränderung vom Tante Emma Laden zum breiten schnellen Versorger, zum Versandhandel, der mehr Convenience bietet. Der Versandhandel könnte daher auch wie ein Tante Emma Laden nur mit neuen Möglichkeiten verstanden werden.

 

Was ist ökologischer, der Einkauf online oder stationär?

Finale Messergebnisse liegen diesbezüglich nicht vor. Um die Frage annähernd beantworten zu können, müssten Unmengen an Daten aus dem individuellen und industriellen Geschäften, inklusive der Logistik, erhoben, analysiert und ausgewertet werden. Grundsätzlich muss anerkannt werden, dass beispielsweise die großen Netzwerklogistiker alles daran setzen, möglichst effizient und Energiesparend zu verfahren - aus eigenem Interesse, aber auch im Interesse ihrer Kunden, der Gesellschaft und der Umwelt. Zunehmend werden E-Mobility Lösungen eingesetzt und neue Wegeoptimierungsprogramme und Ladungsoptimierungen im Alltag eingeführt. Grundsätzlich zeigt die Mehrheit der Studien einen deutlichen Umweltvorteil  von E-Commerce-Lösungen gegenüber dem Individualkauf – zumindest auf logistischer Seite. Der gesamtgesellschaftliche Aspekt wird zukünftig zu bewerten sein.

 

Schnellt der Energieverbrauch durch E-Commerce nicht unglaublich in die Höhe?

Grundsätzlich entsteht durch die Digitalisierung (nicht explizit durch den E-Commerce) neuer Verbrauch von Energie (z.B. durch Serverparks oder vermehrte Nutzung verschiedener Endgeräte). Gleichzeitig werden durch die Verfügbarkeit von digitaler statt materieller Daten Ressourcen eingespart. Auch neue Geschäftsmodelle („Sharing“ statt Besitz von Wirtschaftsgütern) bieten ein Einsparpotential. Fest steht, dass durch die Digitalisierung international mehr Energie benötigt wird. Der Handel an sich kann dabei weitgehend neutral sein und gegebenenfalls durch höhere Effizienz in der Logistik und neue Geschäftsmodelle zu Einsparungen führen. Bis auf die Logistik fehlen aufgrund der Komplexität verlässliche Daten.

 

E-Commerce, Nachhaltigkeit, Transparenz – wie passt das zusammen?

Das Internet und E-Commerce bieten eine nie da gewesene Markttransparenz. Dadurch haben Unternehmen neue Möglichkeiten, umfassend, kostengünstig und zielgruppenspezifisch zu informieren. Auch Mitarbeiter, unbewusst und bewusst (z.B. über Soziale Medien) tragen als Sprachrohr des Unternehmens maßgeblich zu mehr Transparenz bei. Transparenz wird von Verbrauchern gefordert, sodass im Gegenzug immer mehr Unternehmen auf eine positive Arbeitsatmosphäre, nachhaltige Produkte und eine nachhaltige Lieferkette achten. 


Ist E-Commerce nicht einfach nur Preiskampf ohne Ende?

Kritisch ist zu fragen, ob der E-Commerce nicht eher der Beginn einer gegenseitigen Transparenz zwischen Kunde und Hersteller ist, die ihm mehr Möglichkeiten in der Ausgestaltung seiner Handelsbeziehung gibt und dabei auch die Preise nachvollziehbarer und fairer festsetzen kann. Hersteller/Anbieter, die es nicht wirklich “gut” mit den Kunden meinen, werden dadurch auch schneller enttarnt. Recherchiert werden kann alles, bis hin zur einzelnen Blaubeere im Müsli: Wo kommt sie her? Welche Arbeitsbedingungen herrschen beim Anbau? Etc. Auf diese Weise kann sich jeder Kunde selbst ein Bild machen, ob dieses Produkt für ihn in Bezug auf Preis, Umwelt, gesellschaftliche Konsequenzen, in Frage kommt oder nicht. Dabei braucht der Kunde nicht einmal alles selbst zu recherchieren. Meist genügt ein kurzer Blick in die Sozialen Medien, um sich eine schnelle Übersicht zu verschaffen (siehe auch die folgende Antwort).

 

Im E-Commerce gibt es doch einen hohen Preis- und Wettbewerbsdruck – das wirkt sich doch negativ auf die Arbeitsbedingungen aus?

Der gesamte Handel steht immer mal wieder in der Kritik seiner Arbeitsbedingungen, sowohl stationär wie online. Auch gibt es verschiedene Branchen, die einem hohen

Preis- und Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind. Das kann (muss aber nicht) zu hohen psychischen und physischen Belastungen führen. Mehr Transparenz hilft diesen zu begegnen, denn gegen Ausbeutung muss vorgegangen werden – wenn nötig z.B. auch durch eine globale Online-Kampagne.

Technologische Entwicklungen fördern dabei zunehmend qualifizierte Arbeitsumfelder mit denen weniger physische Ausbeutung einhergehen. Standardtätigkeiten hingegen werden zunehmend automatisiert.

 

Verdienen im E-Commerce Beschäftige weniger als das Personal im Einzelhandel?

Im Handel werden oft geringfügig Beschäftigte eingesetzt. Im E-Commerce gibt es viele neue Möglichkeiten. Zwar gibt es auch hier Lagerarbeiter, aber neue Jobs wie Content-Manager zeigen neue Möglichkeiten auf sich persönlich einzubringen. Im stationären Handel kann jedoch beobachtet werden, dass immer mehr Positionen zentralisiert werden und Einzelne weniger Verantwortung übertragen bekommen. Nicht zuletzt hängt dies mit der Unternehmensphilosophie zusammen und fehlender Transparenz im stationären Handel. Online kann vieles sehr gut nachvollzogen werden, sodass Unternehmen Angestellten oft mehr Freiraum und Entfaltungsmöglichkeiten geben.

 

Wird E-Commerce unsere Gesellschaft nicht gefährlich verändern – mit Auswirkungen die wir heute noch nicht abschätzen können?

Veränderungen sind immer ambivalent und können im Extrem negativ sein. Positive Effekte des E-Commerce, wie Transparenz von Unternehmen und mehr Einflussnahme durch den Kunden sind jedoch wichtige Bestandteile einer funktionierenden Gesellschaft. Der Kunde kann durch die sich online bietenden Möglichkeiten zunehmend kontrollieren und Einfluss nehmen. Hier hat das Online-Wesen neue – positive und partizipierende – Maßstäbe gesetzt.


Wird der Online-Handel den stationären Handel nicht total verdrängen und damit den Arbeitsmarkt und das Stadtbild verändern bis hin zur Innestadt-Verödung?

Der stationäre Handel hat in der Vergangenheit sinkende Besucherzahlen beklagt. Zu einer totalen Verdrängung wird es jedoch nicht kommen – auch wenn neue Ketten und Einkaufszentren mit immer gleichen Angeboten schon dazu beigetragen haben. Abhängig von Lage, Angebot und gebotenem Kauferlebnis wird es auch Aufschwung für Geschäfte geben. Erfolge wird es auch durch die stärker werdende Verzahnung von Online- und Offline-Handel geben. Immer mehr Filialen bieten ihr Produkte sowohl physisch, als auch online an und schaffen sich damit ein zweites Standbein. Multi-und Omni-Channel-Konzepte werden dies noch befeuern, ebenso wie Innovationen für neue Verkaufs- und Vertriebsmöglichkeiten. Eine sinnvolle Nutzung von möglicherweise frei gewordenen und nun kostengünstigen Flächen wird unterstützt, um einer Verödung der Innenstädte entgegen zu wirken. In Asien und, näher, in der Umgebung von London, wo ocado als Lebensmittellieferant besonders groß ist, entstehen zunehmend wieder “Grocery-Shops”. Die Bevölkerung holt sich viele Standard-Produkte, die üblicherweise nicht in der Qualität und Menge herstellbar wären (z.B. Toilettenpapier) online und vertraut zunehmend für z.B. frische Produkte auf die regionalen Anbieter vor Ort. Hier entsteht eine erste Form von „Seamless-Commerce“, wie wir ihn zunehmend vorfinden werden. Auch wenn es eine Abnahme von Beschäftigten im stationären Handel geben kann, kann der E-Commerce neue Verantwortungsbereiche, Jobprofile und Arbeitsplätze schaffen.

 

Können die Menschen mit der schnellen Entwicklung im Onlinehandel eigentlich mithalten?

Vergleichbar ist es mit der Bedienung eines Telefons oder der Programmierung eines Fernsehgerätes: Alle technischen Neuerungen haben in verschiedenen Gesellschaftsschichten zu unterschiedlich schnellen Lernkurven geführt. Auf sie aber zu verzichten, würde die Gesellschaft insgesamt in Gefahr bringen. Es könnten hingegen Konzepte entwickelt werden, die es ermöglichen, schneller und effektiver mit Neuerungen umzugehen. Viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gehen beispielsweise ganz natürlich mit der Ausgestaltung ihrer Kontakte und Informationen über die digitale Welt um, z.B. durch Sozialen Medien.

 

Zieht der E-Commerce nicht vor allem Daten von Kunden ab?

Zunächst einmal hat jeder mehr Transparenz über jeden: Kunden über Händler (und die Industrie) und diese über Kunden. Das kann zu positiven Effekten, wie besseren Angeboten, führen: Kunden kann aufgrund der Datenkenntnis ein gezielteres oder sogar ein individuelleres Angebot gemacht werden. Auf der anderen Seite können Kunden durch die Transparenz über Unternehmen in den sozialen Medien auch Anforderungen zu besseren Produkten stellen. Es besteht immer die Gefahr, dass Daten ausgenutzt oder missbraucht werden. Ein vertrauensvolles Verhältnis zu Kunden kann bei Missbrauch jedoch kaum aufgebaut werden. Gegenseitige Transparenz kann in Zukunft dazu verhelfen, dass Datenmissbrauch immer weniger vorkommen kann.

 

Haben Betrüger im Internet nicht ein leichtes Spiel?

Finanzielle Schäden können Kunden sowohl im Online, als auch im Offline Einkauf erleiden. Automatisierte Prozesse zur Betrügererkennung und Kooperationen unter Online-Händlern merzen Probleme dieser Art zunehmen aus.

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