Verzahnter Online- und Offline-Handel

In Zukunft werden die Grenzen zwischen Online- und Offline-Handel immer mehr verschwimmen und tendenziell ganz verschwinden. Bereits heutzutage entscheidet der Konsument nicht mehr wirklich bewusst, wo und wie er einkauft und die Entscheidung, welcher Kanal genutzt wird, hängt vielmehr von den aktuellen Bedürfnissen und der jeweiligen Situation des Konsumenten ab. Man spricht hier vom sogenannten ‚Seamless Commerce’.

Die Bedeutung des stationären Handels wird sich in dieser Entwicklung stark verändern. Dies spürt man bereits durch die abnehmenden Besucherzahlen. 60% der Einzelhändler klagen bereits über sinkende Besucherzahlen in ihren Geschäften (2015).[1] Einige Experten erwarten, dass bereits in weniger als zehn Jahren ein Viertel aller Einkäufe im Internet erledigt werden.[2] Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass der stationäre Handel in Zukunft vom Online Handel verdrängt oder abgelöst wird. Ganz im Gegenteil wird sogar erwartet, dass Metropolen wie München, Hamburg, Frankfurt oder Köln als Shopping-Destinationen an Bedeutung gewinnen werden.

Multi-Channel-Konzepte haben bereits in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Diese nutzen mehr als nur einen Vertriebskanal, on- und offline und ermöglichen die Vorteile des stationären Handels mit den Vorteilen des Onlinehandels zu verbinden. Der Kunde bestellt das Produkt im Internet und holt es im Geschäft ab (Click-And-Collect), bringt nach Hause gelieferte Ware im Geschäft zurück, oder prüft im Internet, ob bestimmte Produkte im Geschäft im Bestand sind.[3] Der Trend geht sogar noch weiter: vielen Kunden reicht der Multi-Channel-Ansatz nicht mehr aus, denn sie erwarten nahtlose Übergänge zwischen virtueller und physischer Welt in Richtung ‚Seamless Commerce’. Daher werden in Zukunft viele Unternehmen vermehrt einen Omni-Channel-Ansatz verfolgen, bei dem Unternehmen ihre Produkte über ‚alle’ (nicht mehr nur ‚viele’) Plattformen anbieten.[4]

Für den stationären Handel bedeutet dies, dass das Element des Verkaufens immer mehr in den Hintergrund und andere Elemente, wie beispielsweise Kommunikationselemente mit Erlebnis-Charakter in den Vordergrundrücken. „Guide Shops“ zum Beispiel geben Kunden die Möglichkeit im Ladengeschäft die Produkte zu sehen, zu „fühlen“ und anzuprobieren und dann im Laden oder online zu bestellen und nach Hause liefern zu lassen.[5]

Im Gegensatz dazu wird prognostiziert, dass der stationäre Handel in klein- und mittelgroßen Städten kontinuierlich abnehmen wird.[6] Für Händler aus kleineren Städten bietet der Online Handel kurzfristig zusätzliche Möglichkeiten: Zusätzlich zum Ladengeschäft, werden Geschäfte im E-Commerce abgeschlossen, die stationären Händlern erlauben ihr Ladengeschäft trotz abnehmender Besucherzahlen zumindest vorübergehend zu erhalten oder gegebenenfalls sogar auszubauen (wie z.B. durch die Anwendung von Multi-Channel-Konzepten).[7] Langfristig wird diese Entwicklung von der Aufgeschlossenheit der Betreiber bezüglich dieser Veränderung, sowie dem Aufbau neuer Kompetenzen abhängen.


1

Welt online, 2015

2

Welt online, 2015; KPMG, 2012, 19

3

KPMG, 2012, 19; Mc Kinsey, 2013, 12f.; etailment, 2015

4

Delivering Tomorrow, 2015

5

BBC online, 2013

6

Welt online, 2015; Welt online, 2014; IHK Nürnberg für Mittelfranken, 2015, 29

7

KPMG, 2012, 19

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