Digital denken lernen – digital denken lehren

geschrieben von Martin Groß-Albenhausen am 11.09.2018

Für die Berufsschulen stellt der neue Ausbildungsberuf eine Herausforderung dar, die aus Sicht der Betriebe zunächst kaum deutlich wird. Weil E-Commerce Branchengrenzen überschreitet, müssen die Lehrer von der spezifischen Ausprägung des E-Commerce etwa in Multichannel-Betrieben abstrahieren – in der Chemie-Industrie oder in der Gaming-Branche, bei Versicherungen oder bei Reiseveranstaltern sind viele elementare Bestandteile von E-Commerce anders organisiert. Eine „Online Travel Agency“ kann keine Preise gestalten, und ein B2B-Großhändler für Elektrikerbedarf kuratiert keine Sortimente. Für den Modeanbieter ist genau das essentiell.

Am 6. und 7. September hat der bevh deshalb eine Fortbildungsveranstaltung für Berufsschullehrer organisiert und gemeinsam mit dem Bundesverband Groß- und Außenhandel BGA, dem Handelsverband Deutschland HDE und dem Deutschen Reiseverband DRV veranstaltet. Mit rd. 150 teilnehmenden Berufsschullehrern war die Veranstaltung quasi dreimal überbucht: ein Beleg für den großen Bedarf nach Klarheit über den richtigen Kurs und die Inhalte des schulischen Teils der dualen Ausbildung von Kaufleuten im E-Commerce.

Ganz praktisch haben dabei bevh-Mitglieder wie BAUR und seine Tochtergesellschaft empiriecom Themen wie Shopmanagement und KPI-basierte Steuerung, unsere Preferred Business Partner Omikron und dotSource Produktdaten-Optimierung und den Weg zu Usability für bessere Conversions detailliert dargestellt. Ein Beispiel aus dem Großhandel steuerte die Gautzsch-Gruppe bei, und Michael Masuch, bei Robinson und TUI Magic Tours für Digital Commerce verantwortlich, erläuterte die hohe Relevanz von Performance Marketing im Reisevertrieb. Die Systeme dahinter erklärte Stefan Schneider von travel-IT den Teilnehmern.

An den Beginn hatten wir – nach einem Überblick über den Status Quo des E-Commerce in den verschiedenen Branchen – in Kooperation mit Google einen Impulsvortrag von Christian Spancken (https://www.christian-spancken.de; aktuelles Buch: „Digital Denken statt Umsatz verschenken“) gestellt. Er bereitete den Boden, um alle praktischen Ausführungen der beiden Fortbildungstage zu verklammern.

„Digital denken“ ist – mehr noch als die schon anspruchsvolle Entwicklung von Lernsituationen – die eigentliche Herausforderung für die Lehrer. E-Commerce ist eben nicht Einzel- oder Großhandel, nur eben im Internet. Die Autoren der ersten Lehrwerke zum neuen Beruf haben sich aber stark auf die klassischen Handelsformen gestützt, so dass zuweilen Irritation aufkam: wie stark müssen E-Commerce-Kaufleute das klassische Buchen lernen? Beschäftigen sie sich noch mit den traditionellen Ansätzen von Kern- und Randsortiment? Wie sieht die Kosten-Leistungs-Rechnung aus?

Es geht um nicht weniger als die Frage, wie die Berufsschulen einer so heterogenen Schülerschaft den „common core“ des E-Commerce in Theorie und Praxis vermitteln können. Denn sie haben auch die Aufgabe, einen belastbaren Wissensstandard zu vermitteln, der dann auch geprüft werden kann. Sie gleichen die Niveau-Unterschiede der Betriebe aus, so dass am Ende ein Unternehmen weiß, was es von einem E-Commerce-Kaufmann erwarten kann.

Und das ist eben: ein Geschäftsmodell von einem digitalen Standpunkt aus „denken“ und die Umsetzung organisieren. Ohne Unterstellung eines bestimmten Online-Vertriebskanals, mehrkanaliger Kundenansprache oder einer vorgegebenen Logistikstruktur.

Die Fortbildung brachte zum Ausdruck, dass Azubis in diesem Beruf nicht lernen „was ist“, sondern lernen „was geht“. Und dass darum die Berufsschulen durch die Breite der dort zusammengesetzten Branchen die größte Chance für den E-Commerce darstellen. Aus diesem Grund auch haben wir uns als Vertreter der Betriebe gegen die sog. „gemeinsame Beschulung“ innerhalb einer Branche und für echte gemischte Fachklassen ausgesprochen. Die Azubis werden mindestens so viel voneinander lernen, wie sie von den Berufsschullehrern vermittelt bekommen.

Die mir vorliegenden Lernsituationen und pädagogischen Umsetzungen stimmen mich dabei optimistisch. Viele Berufsschulen geben den Schülern Raum, sich mit ihrem betrieblichen Vorwissen aktiv in bestimmten „Rollen“ einzubringen. Dadurch wird jede Art von Festlegung auf einen vermeintlichen „normalen“ E-Commerce vermieden.

So lernen Schüler und Lehrer miteinander, digital zu denken.

Nischenprodukte und Nischen-Webshops – weswegen sich die Platzierung von Spezialsortimenten lohnt

geschrieben von Sybille Schäftner, Online-Redakteurin bei real2business, am 14.08.2018

Viele Gründer nehmen sich erfolgreiche Unternehmen wie Apple oder Google zum Vorbild, wenn es beispielsweise um die Gestaltung des Sortiments und Marketingstrategien geht. Start-Ups können jedoch nicht nur von den größten Unternehmen, die den Massenmarkt bedienen, lernen. Auch zahlreiche Firmen, die sich auf Nischen spezialisiert haben, zählen mittlerweile zu den Weltmarktführern. Wie sich Händler durch Nischen einen Vorteil verschaffen können, wird im Folgenden genauer beleuchtet. 

Was ist unter Nischenprodukten zu verstehen?

Im Gegensatz zu Massenmarktprodukten sind Nischenartikel für gewöhnlich in einem höheren Preissegment angesiedelt. Grund dafür ist schlichtweg das Angebot-Nachfrage-Prinzip: Produkte, welche die breite Masse ansprechen, sind aufgrund der hohen Nachfrage, die bisweilen sogar das Angebot übersteigt, verhältnismäßig günstig. Nischenprodukte werden hingegen in geringen Mengen und nur von einem bis wenigen Herstellern angeboten, was den Wert maßgeblich erhöht.

Was ist die richtige Nische?

Sofern nicht auf Anhieb eine Idee für ein geeignetes Nischenprodukt vorliegt, lohnt es sich, vorab ausführlich zu recherchieren. Sinnvoller Ansatzpunkt ist der Vergleich von angebotenen Produkten auf unterschiedlichen Internetplattformen: Artikel, die grundsätzlich nur in geringen Mengen erhältlich sind, können ein Indiz dafür sein, dass es sich für Händler lohnt, den entsprechenden Markt möglichst konkurrenzlos zu erschließen. In diesem Zusammenhang sollte abgeschätzt werden, als wie gewinnbringend das jeweilige Produkt einzustufen ist. Tools wie Google Trends oder der Keyword Planer können hierbei zur Hilfe genommen werden: Sie geben Auskunft darüber, welche Produkte sich zunehmender Beliebtheit bei den Kunden erfreuen. Eine weitere Anlaufstelle sind Produzenten oder Großhändler, die Informationen liefern können, welche Artikel verstärkt gekauft werden. Alternativ können auch Keywordtools verwendet werden: Durch die Eingabe eines Überbegriffs lassen sich zahlreiche Unterkategorien beziehungsweise Produkte finden, die zu einem Nischenmarkt gehören.

Sinnvoll ist es zudem, Produkte beziehungsweise Dienstleistungen anzubieten, die spezifische Probleme von Menschen lösen. Dabei sollten sich Händler selbst die Frage stellen, bei welchen Problemstellungen sie ihren potenziellen Kunden mit entsprechendem Know-how effektiv weiterhelfen können. Es kann dabei sinnvoll sein, mehrere Nischen miteinander zu kombinieren, um sich ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zur Konkurrenz zu schaffen. Auf diese Weise können Händler auch unterschiedliche Kategorien gleichzeitig bedienen: So lassen sich beispielsweise Tierbedarf und Reiseartikel sinnvoll zusammenschließen. Reisenäpfe oder Reisebetten für Hunde stellen Nischenartikel dar, die das Problem von Hundebesitzern lösen, passende Produkte für ihren Vierbeiner zu finden, die unterwegs eingesetzt werden können. 

Weitere Beispiele für Cross-Nischen sind die folgenden:

  • Babyartikel + Organic-Bereich, zum Beispiel Babykleidung aus natürlichen Materialien
  • DIY + Schönheitsartikel, zum Beispiel Sets für die Herstellung eines eigenen Parfums
  • Reiseartikel + Beautyprodukte, zum Beispiel Kosmetiksets in Reisegröße

Mit Nischenprodukten als Experte des Marktes auftreten und langfristig Kunden gewinnen

Entscheidender Vorteil am Bedienen von Nischen ist, dass wenig bis keine Konkurrenz herrscht. Händler können sich als Experte ihres Marktes präsentieren, sich von Massenanbietern abheben und dadurch die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden verstärkt auf sich ziehen. Märkte, die nicht das Interesse der breiten Masse wecken, werden als sogenannte „Blaue Ozeane“ bezeichnet. Für Händler ist es sinnvoll, diese Welten zu erschließen und mit einem Produkt aufzuwarten, für das sich viele Menschen interessieren und bei welchem der Bedarf nicht oder unzureichend gedeckt ist. Eben jenes Produkt kann durch gezielte Werbung und entsprechende Verkaufsstrategien gefördert werden.

Gerade im Internet bietet es sich an, auf Nischenprodukte zu setzen: Im World Wide Web existieren keinerlei räumliche Grenzen, weswegen vielfältige Sortimente möglich sind. Während Nischenprodukte in stationären Läden oftmals keinerlei Beachtung geschenkt wird, bieten sie Händlern online die Möglichkeit, ihre eigene Marke noch bekannter zu machen. Kunden erhalten nur bei diesem einen oder wenigen Händlern die Möglichkeit, ihr Problem zu lösen beziehungsweise den Artikel zu erhalten, nach dem sie lange Zeit gesucht haben. Gerade dieser Aspekt führt dazu, dass Kunden langfristig treu bleiben und das entsprechende Produkt beziehungsweise die Dienstleistung noch häufiger weiterempfehlen. Im Zuge dessen bietet es sich für Händler an, auf Fragen und Wünsche ihrer Kunden genau zu achten: Auf diese Weise lassen sich weitere Problemstellungen ablesen, die entsprechende Lösungen erfordern. Gelingt es dem Händler, auch künftig die gewünschten Dienstleistungen und Produkte anzubieten, ist langfristiger Erfolg durchaus wahrscheinlich. 

Wie können Händler die Aufmerksamkeit für ihr Nischenprodukt steigern?

Gerade aufgrund der verhältnismäßig speziellen Eigenschaften von Nischenprodukten beziehungsweise -Webshops ist es von großer Bedeutung, das entsprechende Angebot bekannt zu machen. Dies gelingt mit ausgeklügelten Werbe- und Marketingmaßnahmen: Social Media Plattformen, insbesondere Facebook, Pinterest und Instagram, bieten eine gute Gelegenheit, potenzielle Kunden mit den eigenen Produkten vertraut zu machen. Das Schalten von individuell gestalteten Werbeanzeigen trägt zu einer noch größeren Reichweite bei. Wer einen eigenen Blog pflegt, kann auch darüber zahlreiche User ansprechen, sofern bereits eine verhältnismäßig große Leserschaft aufgebaut wurde.

Abschließend lässt sich festhalten, dass das Bedienen eines Nischenmarkts durchaus erfolgsversprechend sein kann: Am wichtigsten ist es, die Einzigartigkeit beziehungsweise die Seltenheit des Angebots zu bewahren, um den USP („Unique Selling Proposition“) zu erreichen. Durch den einzigartigen Nutzen sollen potenzielle Konsumenten zum Kauf angeregt werden. Um dies zu gewährleisten, ist eine durchgehende Beobachtung des entsprechenden Markts und das passende Reagieren in Form von angebotenen Produkten beziehungsweise Dienstleistungen unerlässlich.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Der Open Scope im ElektroG – Eine Herausforderung nicht nur für die Onlinehändler

verfasst von Julia Wolf (Dr. Brüning Engineering UG) und Eva Rohde (bevh)

Ab dem 15. August 2018 tritt der so genannte offene Anwendungsbereich (Open Scope) des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG) in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt muss (fast) jedes Produkt, das einen Stecker hat oder batteriebetrieben ist, bei der Stiftung ear registriert werden. Darunter fallen erstmalig auch sog. „smart furniture“ und „smart clothing“ (darunter  können z. B. Schränke mit Beleuchtung oder Kleidungsstücke mit eingebauten Lüftern fallen sowie blinkende und singende Weihnachtsmützen. Ob diese „smart“ sind, sei dahingestellt). Bisher war der Anwendungsbereich des Gesetzes auf Produkte begrenzt, die unter diese 10 Kategorien fielen: Haushaltsgroßgeräte, Haushaltskleingeräte, Geräte der Informations- und Telekommunikationstechnik, Geräte der Unterhaltungselektronik und Photovoltaikmodule, Beleuchtungskörper, elektrische und elektronische Werkzeuge, Spielzeug sowie Sport- und Freizeitgeräte, Medizinprodukte, Überwachungs- und Kontrollinstrumente und automatische Ausgabegeräte.

Durch die Öffnung des Anwendungsbereichs können jetzt weitere Produkte hinzukommen. Dies führt dazu, dass ab dem Zeitpunkt auch diese Produkte mit einer durchgestrichenen Mülltonne gekennzeichnet werden müssen und nicht mehr in den Hausabfall geworfen werden dürfen.

Produkte die schon bisher als Elektrogeräte galten, gelten auch weiterhin als Elektrogeräte.

Die Einstufung als Elektrogerät hängt davon ab, ob die elektrischen Bauteile funktional oder baulich an die Nutzungsdauer des Gesamtprodukts gebunden sind. Falls ja, handelt es sich bei dem Gesamtprodukt um ein Elektrogerät. Gemeint sind hier Produkte deren elektrische Bestandteile im Gesamtprodukt fest eingebaut sind und sich nur „unter großer Anstrengung“ wieder ausbauen lassen. Produkte, bei denen dies i. d. R. der Fall ist, sind z.B. ein elektrisch verstellbarer Fernsehsessel oder blinkende/ leuchtende Kinderschuhe. Solche Produkte müssen zukünftig bei der stiftung ear als Elektrogeräte registriert werden. Im Gegensatz dazu kann es Produkte geben, deren elektrische Bestandteile auch einzeln, zum Nachrüsten, in Verkehr gebracht werden und leicht ausgetauscht werden können. Bei diesen Produkten muss nur der elektrische Bestandteil als Elektrogerät registriert werden. Ein Beispiel ist eine Schrankwand mit einer LED Leiste. Wenn die LED Leiste nachgekauft und vom Benutzer ausgetauscht werden kann, gilt die Schrankwand auch zukünftig nicht als Elektrogerät. Die LED Leiste stellt dann das Elektrogerät dar. Entscheidungen und Einzelheiten zur Einstufung von Produkten werden von der Stiftung ear bekannt gegeben.

Da ab dem 15. August mehr Produkte unter das ElektroG fallen, sollten Vertreiber aktuell ihr Sortiment überprüfen. Wenn das Sortiment Produkte enthält, die „neu“ unter das Gesetz fallen, sollten Vertreiber prüfen, ob diese Produkte vom Hersteller ordnungsgemäß registriert wurden. Bei der Prüfung sollten folgende Fragen geklärt werden:

  • Ist auf dem Produkt das Symbol der durchgestrichenen Abfalltonne aufgebracht?
  • Gibt der Hersteller die sog. WEEE Registrierungsnummer (insb. auf Rechnungen) an?
  • Ist der Hersteller im online Verzeichnis der stiftung ear verzeichnet?
  • Stimmt die Registrierungsnummer dort mit der angegebenen Registrierungsnummer überein?
  • Stimmt die dort verzeichnete Geräteart (z.B. „Haushaltskleingeräte für die Nutzung in privaten Haushalten“) mit dem der des Produkts überein?

Das Verzeichnis der Hersteller und ihrer Bevollmächtigten ist auf der Webseite der stiftung ear öffentlich einsehbar (https://www.ear-system.de/ear-verzeichnis/hersteller#no-back). Hier kann man z.B. nach Herstellernamen oder nach WEEE Registrierungsnummern suchen oder die Liste aller registrierten Hersteller einsehen.

Wenn nach der Prüfung zweifelhaft ist, ob ein Hersteller ordnungsgemäß registriert ist, gibt es dringenden Handlungsbedarf. Laut ElektroG gelten Vertreiber, die vorsätzlich oder fahrlässig Geräte von Herstellern anbieten, die nicht ordnungsgemäß registriert sind, selbst als Hersteller. Damit treffen sie dann alle Herstellerpflichten. Z. B. müssen sich diese Vertreiber dann bei der Stiftung ear als Hersteller registrieren. Bei Verstößen gegen die Registrierungspflicht, kann es zu Abmahnungen kommen und es können Bußgelder verhängt werden.

Vertreibern wird daher geraten, das Anbieten von „Verdachtsprodukten“ (ggf. vorübergehend) einzustellen. Es sollte Kontakt mit dem Hersteller aufgenommen werden, um zu klären, ob eine Registrierung und eine Registrierungsnummer vorliegen. Sollte dies nicht der Fall sein und sollte der Hersteller auch nicht zur Registrierung bereit sein, muss der Vertreiber sich ordnungsgemäß bei der Stiftung ear registrieren, bevor er das Produkt anbieten darf.

Neben der Frage der Registrierung, können für Vertreiber auch die Regelungen zur Rücknahme von Elektrogeräten wichtig sein. Elektroaltgeräte dürfen in Deutschland nur von öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern (Recyclinghöfen), Vertreibern oder Herstellern gesammelt und zurückgenommen werden.

Vertreiber mit einer Verkaufs- oder Lagerfläche von mindestens 400 m² sind laut ElektroG verpflichtet beim Verkauf eines Neugerätes, ein gleichartiges Gerät unentgeltlich zurückzunehmen. Weiterhin müssen sie Kleingeräte (keine äußere Abmessung über 25 cm) in haushaltsüblichen Mengen unentgeltlich zurückzunehmen, unabhängig vom Verkauf eines Neugeräts. Ab dem 15. August gelten, wie zuvor beschrieben, mehr Geräte als zuvor als Elektrogeräte. Daher sollten Vertreiber, unter Beachtung der neuen Definition, jetzt prüfen, welche Flächen sie für den Verkauf oder die Lagerung von Elektrogeräten nutzen und ob ggf. Rücknahmepflichten auf sie zukommen.

Nach der Sammlung werden Elektrogeräte zwecks Vorbehandlung dann zu einem Entsorgungsunternehmen (beispielsweise der ELPRO GmbH) verbracht, wo die Geräte der Erst- und Folgebehandlung zugeführt werden.

Im Rahmen der Behandlung werden die Elektroaltgeräte manuell von Schadstoffen entfrachtet, in die einzelnen Bestandteile zerlegt und diese nach verschiedenen Fraktionen (beispielsweise in die Metalle wie Kupfer, Eisen, Aluminium, Messing, etc.) aufgeteilt oder geschreddert. Es ist vorgesehen, dass die Erstbehandlungsanlagen Aufzeichnungen über das Gewicht der Altgeräte, ihre Bauteile, Werkstoffe und Stoffe führen.

Mit dem Wirksamwerden des Open Scope werden die Behandlungsanlagen vor neue Herausforderungen gestellt. Nicht nur wird die Menge der angelieferten Geräte mehr, sondern auch wird das Zerlegen insbesondere von „smart furniture“ für die Entsorgungsunternehmen problematisch: zum einen sind höhenverstellbare oder vernetzte Tische sowie illuminierte Schränke und Vitrinen platzraubender als die Elektroprodukte, mit denen man sich bisher beschäftigen musste. Zum anderen fallen bei den Recyclinghöfen selbst vermehrt Fraktionen wie Holz und Textilien an, die es zu lagern, zu verwerten und zu dokumentieren gilt.

Doch auch bereits jetzt sehen sich die Entsorgungsunternehmen einzelnen Herausforderungen gegenüber.

Die immer größer werdenden Flat Screens sind sicherlich an den Wänden in Wohnzimmern ein hübscher Blickfang, der bruchsichere Transport solch großer Elektrogeräte ist jedoch eine große Herausforderung, ebenso wie das manuelle Zerlegen. Oft sind die vorhandenen Arbeitsplätze für die Zerlegung den neuen Dimensionen von Unterhaltungsmedien nicht gewachsen und müssen angepasst werden.

Ein weiteres Problem werfen Batterien, insbesondere Lithium-Ionen-Batterien auf. § 10 Abs. 1 S. 2 ElektroG sieht vor, dass Altbatterien und Altakkumulatoren, die nicht vom Altgerät umschlossen sind, vor der Abgabe an eine Erfassungsstelle von dem Gerät zu trennen sind und getrennt einem Rücknahmesystem für Batterien zugeführt werden müssen.

Für den Transport von Batterien zu den Entsorgungsunternehmen müssen widerstandsfähige Außenverpackungen genutzt werden, die aus einem geeigneten Werkstoff hergestellt sind und eine ausreichende Festigkeit aufweisen. Dies kann beispielsweise auch durch das Produkt selbst gewährleistet sein (Beispiel: elektrische Zahnbürsten). Diese batteriebetriebenen Altgeräte müssen bei den Recyclinghöfen in eigenen, geeigneten Behältnissen getrennt von den anderen Altgeräten gesammelt bzw. gelagert werden. Beim Transport von Batterien muss sichergestellt werden, dass während des Transports ein Kontakt zu anderen Batterien oder leitfähigen Oberflächen ausgeschlossen ist (das Bundesumweltamt rät auch für den privaten Hausgebrauch, die Pole von Lithium-Ionen-Batterien, die nicht in Benutzung sind, mit Tesafilm zu überkleben). Ebenso besteht die Gefahr, dass die losen Batterien während des Transports oder bei dem Ausladen bei der Behandlungsanlage beschädigt werden und die heraustretenden Elektrolyte mit anderen Stoffen reagieren.

Zur Gefahrminimierung ist die Abholmenge für Batterien auf fünf Kubikmeter beschränkt. Diese vorgegebene Menge wird mit Einführung des Open Scope zukünftig schneller erreicht werden als bisher, was die Abholkoordinierung vor neue Herausforderungen stellen wird. 

Auch das Vorurteil, dass bei der Rohstoffrückgewinnung massenhaft wertvolle Metalle aussortiert werden, und eine Art Goldgräberstimmung herrscht, ist mittlerweile längst überholt. Aus Kostengründen und um das Gewicht von Elektroartikeln so gering wie möglich zu halten, wird der Einsatz von wertvollen Metall nach Möglichkeit reduziert und durch Kunststoff ersetzt. Eine wahre Erleichterung für den Verbraucher, eine große Erschwernis für die Behandlungsanlagen - denn auch das Trennen der Metalle von dem Kunststoff ist nicht einfach. Wenn dann endlich die verwertbaren Rohstoffe gewonnen wurden, gilt es, diese zu einem guten Preis wieder zu verkaufen. Aber wie sagte schon Benjamin Graham – „Geduld ist die oberste Tugend des Investors.” Und den richtigen aktuellen Marktwert für die einzelnen Metalle rechtzeitig zu erkennen und danach zu handeln um kein Verlustgeschäft zu verbuchen, ist eine große unternehmerische Herausforderung.

Erfolg basiert auf Kundenverständnis

Gastbeitrag von: Oliver Peters, Country Manager DACH bei Lengow

Zunehmend vernetzt, nomadisch und volatil, zwingen Verbraucher Online-Händler dazu, ihre Strategien ständig zu überdenken. Um ein reibungsloses, schnelles und einzigartiges Einkaufserlebnis für Verbraucher zu schaffen, ist es wichtig, seine Kunden zu kennen, damit ihnen zum richtigen Zeitpunkt das beste Angebot gemacht werden kann. Was sind die Erwartungen und Bedürfnisse der Kunden? Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um sie perfekt anzusprechen? Wie ist es möglich, einen Erfolg oder Misserfolg zu seinen Gunsten zu nutzen? Es gibt zahlreiche Schritte zu berücksichtigen, um das Tandem Händler-Kunde zu einem Erfolg zu machen. 

1/ Kaufmöglichkeiten für die Kunden erhöhen

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist mittlerweile über Desktop, Smartphone oder Tablet mit dem Internet verbunden, so der aktuelle Internet Trends-Bericht der US-Analystin Mary Meeker. Der Zugang zum Internet breitet sich unaufhaltbar aus und immer mehr Nutzer werden zu E-Shoppern auf der Suche nach Schnäppchen, exklusiven Neuheiten und einer größeren Auswahl an Produkten.

Verbraucher haben viele Facetten, die es zu entdecken gilt, bevor man ihnen ein Produkt bzw. eine Dienstleistung anbietet. Hier ein paar verschiedene Shopping-Typen: Da wären der sparsame Shopper (Schnäppchenjäger), der vergleichende Shopper (vergleicht Preise und Produkte), der faule Shopper (bricht Kauf durch zu lange Anmeldeprozesse ab) oder auch der opportunistische Shopper (wartet auf Ausverkaufsperioden). Die Vielfalt des menschlichen Charakters scheint sich auch in den verschiedenen Shopper-Typen zu spiegeln. Jeder Typus sollte richtig angesprochen werden und es muss darauf geachtet werden, wo jeder am liebsten „shoppt“.

Hinzu kommt, dass die Kaufgewohnheiten vielfältig und komplex geworden sind. Als Omnikanal-Enthusiasten wollen Kunden Einkäufe tätigen, wo und wann sie wollen, und jonglieren geschickt zwischen Desktop-PC und Smartphone bzw. zwischen Online und Offline.

Angesichts dieser Nachfrage sind sowohl Online- als auch Offline-Geschäfte wieder in vollem Gange, wie die zunehmende Zahl von Allianzen zwischen Einzelhandel- und E-Commerce-Unternehmen zeigt: Walmart und Microsoft, Carrefour und Tencent oder Auchan und Alibaba. Ziel dieser Kooperationen ist es, allen Marktteilnehmern ein einheitliches, innovatives und punktgenaues Einkaufserlebnis zu bieten und gleichzeitig die eigene Attraktivität zu steigern.

Diese neue Schlagkraft muss auch für den grenzüberschreitenden E-Commerce eingesetzt werden, da E-Shopper nun vermehrt auch Cross-Border Produkte kaufen. So erwerben beispielsweise 70 Prozent der europäischen E-Kunden im Ausland Produkte. Geographische Barrieren verschwinden damit endgültig zugunsten des globalisierten Handels.

2/ Mit dem Kunden zur richtigen Zeit am richtigen Ort interagieren 

Auch wenn China und Indien die meisten Internetnutzer haben sind es die USA und China, die mit Akteuren wie Amazon und Alibaba den internationalen E-Commerce-Markt dominieren. Beide Firmen, die respektiv zu den GAFAM (Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft) bzw. BATX (Baidu, Alibaba, Tencent und Xiaomi) gehören, führen einen unerbittlichen Kampf. Die zwei Giganten, die zusammen einen Umsatz von 60 Milliarden Euro im ersten Quartal 2018 erwirtschafteten, erweitern Tag für Tag ihr Handelsgebiet, um ihren Marktanteil zu erhöhen und ihre Dominanz auf dem internationalen Markt zu festigen.

Um den E-Commerce von morgen zu erfinden, bringen große sowie kleine Unternehmen disruptive Innovationen auf den Markt und stärken ihr Ökosystem durch Investitionen in F&E oder durch Kooperationen, wie oben bereits erwähnt. Von der künstlichen Intelligenz bis zum Phygital stellen sie sich neuen Herausforderungen, um ihre Präsenz bei den Verbrauchern zu stärken, um diese zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu erreichen, unabhängig von Land und Kontaktpunkt.

Im Jahr 2018 wird der Markt für künstliche Intelligenz 7,35 Mrd. US-Dollar schwer sein. Er wird viele Sektoren, einschließlich des Handels, verändern. Visuell nach einem Produkt suchen, einen Bot fragen, Einkäufe über einen Sprachassistenten bestellen, ein Angebot erhalten, das auf einem persönlichen „Einkaufspfad“ basiert etc. – all das wird möglich. Künstliche Intelligenz gepaart mit Datenverwertung ist in Zeiten der Hyperpersonalisierung unabdingbar, um den Kunden perfekt anzusprechen. Dabei muss natürlich immer der rechtliche Rahmen der Benutzung personenbezogener Daten beachtet werden. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die am 25. Mai in Kraft getreten ist, hat zu dem Thema viel beigetragen.      

Neben einem personalisierten Einkaufserlebnis wünschen sich die Verbraucher von morgen vor allem auch Einfachheit. Die Eröffnungen von Hema Fresh in China oder von Amazon Go in den USA zeugen von einer ganz realen (R)Evolution, bei der sich die virtuelle und die reale Sphäre zugunsten einer vereinfachten Beziehung vereinen, in der das Mobile im Mittelpunkt steht.
 

3/ Innovationen, um den Kunden zufriedenzustellen

Projekte und Ideen, um die Kundenzufriedenheit zu steigern, bringen dem Sektor echte Fortschritte. Um mit den sich ändernden Kaufgewohnheiten der Verbraucher und dem zunehmenden und nun globalen Wettbewerb Schritt halten zu können, müssen sich die Marktteilnehmer ständig erneuern. Der Schlüssel zum Erfolg besteht darin, den Kunden und dessen Einkaufserlebnis in den Mittelpunkt der Strategie zu stellen.

Um die „Customer Journey“ und Innovationen in dem Bereich zu diskutieren, haben wir den diesjährigen Lengow Day, eines der größten E-Commerce-Events in Europa, genau diesem Thema gewidmet. Sie sind herzlich dazu eingeladen, am 27. September 2018 beim Lengow Day in Paris im Pavillon Gabriel teilzunehmen. Lengow möchte Händler dabei unterstützen, ihr (Online-)Geschäft weiter auszubauen und ihnen dazu verhelfen, Hauptakteure in der internationalen E-Commerce-Branche zu werden. Die eintägige Veranstaltung mit zahlreichen Konferenzen, Workshops und Networking-Sitzungen liefert dafür den Rahmen. Mit dem Motto „Go Beyond“ widmet sich die sechste Ausgabe des Lengow Day der „Customer Journey“ anhand von drei Themenkomplexen: "Get To Know Your Future Customers", "Think Better, Act Closer" und "Go Beyond Your Achievements".

Eckdaten zum Lengow Day 2018

Termin: Donnerstag, 27. September 2018

Veranstaltungsort: Pavillon Gabriel, 5 avenue Gabriel, 75008 Paris

Format: Keynotes, Round Tables, Workshops und Case Study Präsentationen

Teilnehmer: 400 E-Commerce-Experten und -Entscheider aus ganz Europa

Bewerbung Startups: http://ow.ly/LEYA30l1BWJ

Normale Tickets: http://lengow.com/lengowday/

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